Vorteile für alle Beteiligten Notfallpraxis in Lingen besteht seit 15 Jahren

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Lingen. Husten, hohes Fieber oder Schmerzen in der Brust: Wenn die Arztpraxen in Lingen und Umgebung ihre Sprechstunde beendet haben, ist mindestens einer der mittlerweile 113 Mediziner aus den Arztpraxen in der Notfallpraxis im Bonifatius-Hospital in Bereitschaft. Und das seit inzwischen 15 Jahren: Am 1. Oktober 1999 eröffnete in Lingen Niedersachsens erste Bereitschaftspraxis. Inzwischen hat das Beispiel im gesamten Land Nachahmer gefunden und es gibt landesweit Praxen, in denen Ärzte sich um das Wohl ihrer Patienten außerhalb der üblichen Sprechzeiten bemühen.

Das hat für Patienten den Vorteil, dass es immer die gleiche Anlaufstelle gibt. Hierdurch ist eine effiziente und qualifizierte Versorgung der Patienten nach Beendigung der regulären Sprechstunden und an den Wochenenden durch niedergelassene Allgemeinärzte und Internisten gewährleistet. Hausbesuche am Wochenende werden auch über die Notfallpraxis koordiniert. Nach 23 Uhr ist eine Rufbereitschaft eingerichtet.

Mehr als 10000 Patienten wurden im vergangenen Jahr in der Notfallpraxis behandelt. „Tendenz steigend“, sagt Stefan Sinewe, Vorsitzender des Vereins Notfallpraxis Lingen. „Allein am 2. Weihnachtstag werden zwischen 110 und 120 Patienten in der Notfallpraxis behandelt.“ Hans-Joachim Rosch, zweiter Vorsitzender des Vereins, ergänzt: „Das ist dann von zwei Ärzten nicht leistbar. Weitere Mediziner müssen dann hinzu gerufen werden, um die Wartezeiten zu verkürzen.“

Die beiden Ärzte resümieren nach 15 Jahren: „Die Notfallpraxis hat viele Vorteile für alle Beteiligten.“ Für die Patienten entfalle die aufwendige Suche nach der Praxis des diensthabenden Arztes, die mittlerweile in Bawinkel, Haselünne, Freren Thuine, Spelle, Salzbergen, Emsbüren, Lohne, Lingen oder Holthausen-Biene liegen könnte. Brauche der diensthabende Arzt der Notfallpraxis Unterstützung, könne er sich mit den Fachärzten des Bonifatius-Hospitals direkt abstimmen und gegebenenfalls auf die medizinischen Großgeräte des Krankenhauses zurückgreifen. Ist bei einem Patienten dann eine Behandlung in der Notaufnahme des Krankenhauses oder eine stationäre Aufnahme erforderlich, ist dies durch die direkte örtliche Anbindung möglich.

Im Bonifatius-Hospital wird zudem die Notfallaufnahme entlastet. Patienten, die sich nur den Magen verdorben oder eine lästige Erkältung eingefangen haben, finden Hilfe in der Notfallpraxis.

Für die niedergelassenen Ärzte bedeutet das System eine bessere Planbarkeit von Arbeitszeiten und freien Wochenenden, um verlässliche Zeit für Familie und Freunde zu haben. Will man gerade im ländlichen Raum Hausarztpraxen auch in Zukunft noch neu besetzen, sei das Modell der Notfallpraxis ganz wichtig, betonen deutschlandweit die Kassenärztlichen Vereinigungen. Die Akzeptanz von Patienten und Ärzten sei durchweg positiv, auch wenn es gerade für Patienten in weiter entfernt liegenden Gemeinden mit längeren Fahrzeiten verbunden sein könne.

Unabhängig von der Notfallpraxis ist seit Anfang Juli auch der kinderärztliche Notdienst zentral im Bonifatius-Hospitals untergebracht. Für den Fachbereich Augenheilkunde ist ein eigenständiger Bereitschaftsdienst eingerichtet.


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