Vergütungspauschalen zu gering Betreuungsvereine in der Region: Bei uns brennt es

Eine Anhebung der Vergütungspauschalen fordern die Betreuungsvereine aus dem Emsland und der Grafschaft Bentheim.  Foto: Thomas PertzEine Anhebung der Vergütungspauschalen fordern die Betreuungsvereine aus dem Emsland und der Grafschaft Bentheim. Foto: Thomas Pertz

Lingen. Die Betreuungsvereine im Emsland und in der Grafschaft Bentheim haben große Probleme, ihre Arbeit aufrechtzuerhalten. Sie rechnet sich nicht mehr, da die Vergütungspauschalen seit 2005 unverändert sind und mit den tatsächlichen Kosten nicht mehr mithalten. „Bei uns brennt es“, brachte es Arnold Esters vom SKM Meppen in einer Gesprächsrunde bei den Kollegenin Lingen auf den Punkt.

Das Treffen an der Lindenstraße, an dem auch Vertreter des SkF und der Awo teilnahmen, fand im Rahmen einer bundesweiten Aktionswoche statt. In dieser werden Politiker aus Bund und Ländern eingeladen und aufgefordert, einer Entwicklung gegenzusteuern, an deren Ende möglicherweise die Betroffenen vergebens auf fachliche Hilfe warten.

Wie Hermann-Josef Schmeinck, Geschäftsführer des SKM in Lingen, ausführte, sind derzeit 1280 beruflich geführte Betreuungen von den Betreuungsvereinen im Emsland und in der Grafschaft registriert. Hinter dieser Zahl stünden Menschen, die aufgrund ihres Alters, einer Behinderung oder einer Krankheit ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln könnten. Die Pauschalvergütung von 44 Euro pro Stunde, die vor knapp zehn Jahren festgelegt worden sei, decke aber die tatsächlichen Kosten nicht mehr ab. So seien die tariflich bedingten Kosten seitdem um 15 Prozent gestiegen.

Marita Theilen vom SkF in Lingen verwies darauf, dass die Pauschalvergütung damals von einem Mischungsverhältnis und der Unterscheidung von schwierigen und weniger schweren Fällen ausging. „Dies entspricht nicht mehr der Realität“, sagte die Geschäftsstellenleiterin. Die Zahl aufwendiger Betreuungen nehme deutlich zu, sagte sie. Dies gelte vor allem bei psychisch kranken Menschen.

Die Betreuungsvereine fordern deshalb vom Bund, der im Betreuervergütungsgesetz die Pauschale regelt, eine Erhöhung des Stundensatzes auf 53 Euro. Die außerhalb der Vereine tätigen Berufsbetreuer fordern sogar 76 Euro.

Die Vertreter der hiesigen Betreuungsvereine machten deutlich, dass die zu geringe Stundenvergütung oftmals zu einer Aufstockung der Fallzahlen für den einzelnen Betreuer führe. „44 bis 46 können das pro Sozialarbeiter sein“, beschrieb Rita Gödde-Zink, Geschäftsführerin des SkF Meppen, die enorme Arbeitsbelastung. Die Betreuungsvereine müssten aufgrund der Situation häufig finanziell in Vorleistung gehen, sagte Ulrich Nehe, Vorsitzender des SKFM Papenburg. Die Liquidität leide darunter gewaltig. Ähnlich äußerten sich die Betreuungsvereine aus der Grafschaft.

Die Vereine hatten Vertreter aus der Bundes- und Landespolitik eingeladen. Die beiden CDU-Landtagsabgeordneten Heinz Rolfes und Reinhold Hilbers sicherten ihre Unterstützung zu, auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Albert Stegemann. Er verwies in diesem Zusammenhang auf den Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD, der ausdrücklich Verbesserungen in diesem Bereich vorsehe.


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