Frauenmahl der kfd Frauen diskutieren in Lingen über Rolle in der Kirche

Mehr als 200 Frauen folgten der Einladung des kfd-Regionalvorstandes Lingen zum Frauenmahl bei Klaas-Schaper. Foto: Elisabeth TonderaMehr als 200 Frauen folgten der Einladung des kfd-Regionalvorstandes Lingen zum Frauenmahl bei Klaas-Schaper. Foto: Elisabeth Tondera

to Lingen. Musik, Essen, Trinken – und dazu auch ernste Themen: Beim Frauenmahl der kfd in Lingen haben sich mehr als 200 Frauen unter anderem mit der Situation der Frauen in der katholischen Kirche beschäftigt.

Was steckt hinter der Idee des Frauenmahls? Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) ist zwar mit rund 500.000 Mitgliedern der größte deutsche Frauenverband und mitgliederstärkste kirchliche Verband, doch die demografische Entwicklung hat auch in ihren Reihen Lücken gerissen. Dem will der kfd-Bundesverband entgegenwirken und hat eine dreijährige Mitgliederwerbekampagne unter dem Motto „Frauen. Macht. Zukunft“ ins Leben gerufen.

„Wir haben uns für den Start in unserer Region den Rahmen eines Frauenmahles überlegt“, sagte Traute Pott vom Regionalvorstand und führte aus: „Bei Speis und Trank, guter Musik und vor allem informativen themenbezogenen Tischreden wollen wir aktive kfd-Frauen in ihrer Mitgliedschaft und Arbeit bestätigen und motivieren und Noch-Nicht Mitglieder für die kfd begeistern.“

Mit dieser Idee hatte der Regionalvorstand ins Schwarze getroffen. Die Atmosphäre war von Anfang an fröhlich und locker. Stimmengewirr erfüllte den Saal, bis die Musikerin und Entertainerin Bea Nyga in die Tasten schlug und alle zum Singen und in Bewegung brachte. Das tat sie immer wieder zwischen den Folgen des Fünf-Gänge-Menüs und den Tischreden der Referentinnen und sorgte außerdem mit ihren flapsigen Kommentaren für ausgelassene Stimmung.

Hatten die Frauen bei all der Unterhaltung und dem kulinarischen Genuss noch Sinn für ernste Themen? Gerade weil die Tischreden Kontrapunkte setzten, wurden sie besonders intensiv wahrgenommen.

Aufmerksam verfolgten die Frauen die Ausführungen der Theologin Martina Kreidler-Kos, die über den Wandel des Frauenbildes der katholischen Kirche und die Hoffnungen, die auf Papst Franziskus gesetzt werden, referierte. Sätze wie „Die Räume für eine wirksamere weibliche Gegenwart in der Kirche (müssen) noch erweitert werden… (auch) an den Stellen, wo die wichtigen Entscheidungen getroffen werden“ ( „Evangelii gaudium“ ) wertete sie als sehr positive Zeichen. Doch die meisten Frauen im Saal blieben skeptisch. Sie glauben nicht, dass sich zu ihren Lebzeiten bezüglich der Rolle der Frau in der Kirche etwas Grundlegendes ändert.

Solche Resignation ist der stellvertretenden kfd-Diözesanvorsitzenden Suzana Muthreich ein Dorn im Auge. „Denken Sie daran: Unterdrücken kann ich nur, wenn ich jemanden habe, die sich unterdrücken lässt“, sagte sie in ihrer Tischrede zum Thema „Frauen. Macht. Zukunft“ und rief die Frauen auf: „Hören wir endlich auf, darauf zu hoffen, dass ein Mann, auch wenn er Papst ist, unser Problem lösen kann. Das können wir nur selbst!“

Kann ein Verband die Frauen dabei unterstützen? „Hat ein katholischer Verband heute noch eine Berechtigung?“, fragte Sabine Gautier, Diözesanreferentin für Frauenseelsorge. Eine halbe Million Frauen könne viel bewirken, meinte sie und erinnerte unter anderem daran, dass die kfd sich intensiv für die Mütterrente eingesetzt hat.

Was leistet die kfd in den Gemeinden? Anne Minnich und Martina Püttmann aus Nordhorn gaben viele Beispiele für die Arbeit an der Basis, z.B. Sportgruppen für Senioren oder fairer Blumenhandel.

Zwischendurch unterhielten sich die Frauen im Saal über das Gehörte, sie genossen das Essen und die Lieder. Auch das verdankten sie der kfd.

Der Regionalvorstand Lingen bekam viel Lob für diese gelungene Veranstaltung. Mehr als 200 Frauen sind zum Frauenmahl der kfd in der Gaststätte Klaas-Schaper in Lingen gekommen. „Wir waren überwältigt von der Anzahl der Anmeldungen“, sagte Traute Pott. Mit höchstens 70 Gästen hätte der Regionalvorstand gerechnet, verriet sie.