Schwarz gefahren trotz Bewährung Schwangere in Lingen zu Jugendstrafe verurteilt

Eine erneute Aussetzung zur Bewährung verweigerte das Amtsgericht der 20-Jährigen. Foto: Manuel GlasfortEine erneute Aussetzung zur Bewährung verweigerte das Amtsgericht der 20-Jährigen. Foto: Manuel Glasfort

Lingen. Weil eine 20-jährige schwangere Frau während ihrer laufenden Bewährung mehrfach ohne Fahrschein mit dem Zug gefahren war, wurde sie vom Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Lingen wegen Erschleichens von Leistungen in sechs Fällen und unter Einbeziehung eines vorangegangenen Urteils zu einem Jahr Jugendstrafe verurteilt. Eine nochmalige Chance, sich zu bewähren, gab das Jugendschöffengericht der mehrfach vorbestraften jungen Frau nicht.

„Ich gehe in Berufung“: Mit diesem Ausruf stürzte die 20-Jährige während der Urteilsbegründung weinend aus dem Gerichtssaal, bevor der Richter sie darauf hinweisen konnte, dass sie gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen könne. Die junge Frau war ohne anwaltlichen Beistand vor Gericht erschienen. Sie hat keinen Schulabschluss, lebt von Sozialleistungen und war, um ihr in einer Pflegefamilie untergebrachtes Kind sehen zu können, mehrfach schwarzgefahren. Das räumte sie vor Gericht ein, betonte aber: „Ich habe nie Geld, aber immer wichtige Termine. Früher war ich schlimmer, da habe ich viel größeren Blödsinn gemacht. Jetzt wollte ich doch nur zu meinem Kind.“

In der Vergangenheit war die Angeklagte unter anderem verurteilt worden, weil sie mit der gestohlenen EC-Karte nebst PIN eines 83-Jährigen mehrere Tausend Euro abgebucht oder ein Schulkind dazu überredet hatte, für sie Süßigkeiten und Zigaretten aus einem Laden zu schmuggeln. Die auferlegten Arbeitsstunden hatte sie nicht abgeleistet. Auch ein einwöchiger Jugendarrest hatte sie sich nicht zur Warnung dienen lassen.

Aus dem Bericht des Bewährungshelfers ging hervor, dass Suchterkrankungen, Gewalt und Kriminalität in ihrer Herkunftsfamilie die Kindheit der jungen Mutter geprägt hatten.


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