Interview mit Geschäftsführer Veer: Bonifatius-Hospital in Lingen gut aufgestellt

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Ansgar Veer, mit Martin Diek Geschäftsführer des Bonifatius-Hospitals Lingen. Foto: KrankenhausAnsgar Veer, mit Martin Diek Geschäftsführer des Bonifatius-Hospitals Lingen. Foto: Krankenhaus

Lingen. Das Bonifatius-Hospital in Lingen sieht sich vor dem Hintergrund der getätigten und noch laufenden Investitionen der letzten Jahre überregional gut aufgestellt. Dies unterstrich Ansgar Veer Hauptgeschäftsführer der St. Bonifatius Hospitalgesellschaft, in einem Interview mit unserer Zeitung. „Das Wichtigste sind und bleiben unsere guten Mitarbeiter“, betonte der 51-Jährige.

Herr Veer, das Bonifatius-Hospital hat im vergangenen Jahr exakt 19274 Patienten betreut und steht damit bei den Fallzahlen an erster Stelle bei den emsländischen Krankenhäusern. Wie haben sich die Zahlen in den letzten zehn Jahren entwickelt?

Im Jahr 2003 haben wir 14098 stationäre Patienten betreut, 2013 waren es 19274 Fallzahlen, das entspricht einer Steigerung der nur im Akutkrankenhaus betreuten Patienten um über 35 Prozent.

Worauf führen Sie diesen enormen Anstieg zurück?

In den letzten zehn Jahren hat das Bonifatius-Hospital eine überdurchschnittliche Leistungsentwicklung genommen. Es wurden neue Leistungsangebote z.B. in der Gefäßchirurgie und orthopädischen Chirurgie mit der Wirbelsäulenchirurgie oder auch der Handchirurgie etabliert. Zudem sind mit der Onkologie und der neurovaskulären Medizin weitere medizinische Fachbereiche eingerichtet worden. Auch wurden in dieser Zeit viele interdisziplinäre Kompetenzzentren wie das Perinatalzentrum, das Brustzentrum, das Prostatazentrum oder auch das Darmkrebszentrum und das Gefäßzentrum aufgebaut. Die Investitionstätigkeiten haben natürlich die gute Entwicklung mit unterstützt. Moderne Medizintechnik wie ein Hybrid-OP, CT und MRT in der Radiologie sowie aktuell der Ausbau des neuen Linksherzkatheterlabors und die moderne Überwachungstechnik für unsere Patienten zur Erstversorgung bei Schlaganfall und für die Herzpatienten zur Abklärung von unklaren Schmerzen in der Brust machen innovative Medizin möglich.

Wie hat sich die Zahl der Beschäftigten entwickelt?

Die Zahl der Beschäftigten ist auf über 1500 Mitarbeiter gewachsen. Das entspricht einer Steigerung um über 40 Prozent in den letzten zehn Jahren. Dies ist neben den Auswirkungen des Arbeitszeitgesetzes vor allem auf die wachsende Patientenzahl und das höherwertige Leistungsangebot des Bonifatius-Hospitals zurückzuführen.

Das Krankenhaus wird umfassend saniert und erweitert. Derzeit läuft der dritte Bauabschnitt. Was beinhaltet dieser?

Der dritte Bauabschnitt umfasst ein Investitionsvolumen von rund 15,5 Millionen Euro, von denen vier Millionen bereits bewilligt wurden. Beginnen können wir mit dem Erweiterungsbau des Bettenhauses C West, geplant sind auch die Sanierung der Stationen 1 bis 4 sowie der Neubau der Nukleartherapie.

Die Bettenzahlen der Krankenhäuser im Emsland haben sich in den letzten 20 Jahren verändert. Lingen verzeichnet einen Rückgang von 416 auf 401 Betten. Das Ludmillenstift in Meppen dagegen einen Anstieg von 375 auf 388. Worauf sind diese Unterschiede zurückzuführen?

Betrachtet man die letzten 15 Jahre, ergibt sich ein vergleichbareres Bild: Die Planbettenzahl des Ludmillen-stifts ist von 418 auf 388 gesunken, die vom Bonifatius-Hospital von 416 auf 401 Betten. Dies hat mit der stetig sinkenden Patientenverweildauer zu tun. Das Land Niedersachsen passt regelmäßig die Planbetten der Krankenhäuser an die tatsächliche Bettenbelegung an.

Wie ist es um die medizinische Versorgung im Lingener Krankenhaus – Stichwort Fachkräftemangel – bestellt?

Wir sind froh, dass der ärztliche Stellenplan in unserem Krankenhaus besetzt ist. Er weist über das Jahr 147 Planstellen aus. 151 Vollstellen sind aktuell besetzt, die von 168 Ärzten ausgefüllt werden. Dennoch müssen wir sagen, dass wir nicht immer sofort unsere Arztstellen besetzen können und uns, wie inzwischen fast alle Kliniken in Deutschland, sehr um den Ärztenachwuchs kümmern. Wir freuen uns sehr, dass die Krankenhäuser in der Region dabei auch durch den Landkreis Emsland mit der Initiative „Meilenstein – Mediziner im Landkreis Emsland“ unterstützt werden. Medizinstudenten und -absolventen werden frühzeitig angesprochen, gefördert und für unsere Region gewonnen. Gleichwohl würde ich mir wünschen, dass es noch mehr Medizinstudenten in Deutschland gibt.

Und wie sieht es im Pflegebereich aus?

In der Pflege sind wir in der guten Situation, dass wir noch ausreichenden Pflegenachwuchs haben und ausbilden. In anderen Regionen ist dies ganz anders. In sofern müssen wir uns schon heute Gedanken machen, wie wir den Pflegenachwuchs langfristig an uns binden. Wichtig scheint mir, dass wir die Pflegenden und ihre anspruchsvolle Aufgabe wertschätzen.

In der Wahrnehmung des Patienten ist jedes Krankenhaus trotz großer Investitionssummen nur so gut, wie er es persönlich erlebt hat. Wie geht das Bonifatius-Hospital mit Kritik um, und welche Konsequenzen zieht es daraus?

Die Zufriedenheit unserer Patienten ist für uns ein sehr wichtiges Qualitätsmerkmal. Insofern sind wir sehr froh, dass wir bei einer Patientenbefragung der Techniker-Krankenkasse 2013/2014 überdurchschnittlich positiv bewertet wurden. Dies ist das Verdienst aller Mitarbeiter. Natürlich gibt es auch Beschwerden von Patienten. Wichtig ist uns der konstruktive Umgang mit der geäußerten Kritik, weil sie Chance zur Verbesserung bietet. Daher haben wir seit einigen Jahren ein Meinungsmanagement aufgebaut, das allen Patienten, aber auch Angehörigen die Möglichkeit bietet, positive sowie negative Kritik zu äußern und Rückmeldung von uns zu bekommen. Regelmäßig werten unsere Mitarbeiter des Qualitätsmanagements die Meldungen aus und geben Empfehlungen an die Krankenhausleitung für Verbesserungen.

Wie würden Sie das Leistungsspektrum des Bonifatius-Hospitals zusammenfassend einordnen?

Das Wichtigste sind und bleiben unsere guten Mitarbeiter. Eine gute Infrastruktur gehört jedoch ebenfalls dazu – Gebäude, Organisation, Technik. Sie sind auch ein Ausdruck der Wertschätzung für Mitarbeiter und Patienten. Ich sehe in Lingen ein sehr gutes Krankenhaus zur städtischen Regelversorgung, das sich schrittweise hin zur Maximalversorgung weiterentwickelt. Als Beispiele nenne ich die Gefäßchirurgie, wo wir überregional gut aufgestellt sind, die Kardiologie, die Schnittbilddiagnostik, aber auch das Stufenmodell in unserer Geriatrie mit Akut-, Reha- und tagesklinischer Versorgung. Hoch spezialisiert sind wir inzwischen auch in der Urologie und Kinderurologie, zusammen mit der Pädiatrie, der Kinderheilkunde.

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