Verteidigung kündigt Rechtsmittel an Anwalt in Lingen zu Geldstrafe verurteilt

Auf der Anklagebank des Amtsgerichts musste jetzt ein Lingener Anwalt vor Platz nehmen. Symbolfoto: Manuel GlasfortAuf der Anklagebank des Amtsgerichts musste jetzt ein Lingener Anwalt vor Platz nehmen. Symbolfoto: Manuel Glasfort

Lingen. Wegen versuchter Nötigung ist ein Rechtsanwalt vom Amtsgericht Lingen zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen verurteilt worden. Der Richter bestätigte damit einen Strafbefehl über 3000 Euro, gegen den der Jurist Einspruch erhoben hatte. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Dem Anwalt war vorgeworfen worden, im September 2013 versucht zu haben, der Schuldnerin eines Mandanten in rechtswidriger Weise und durch wahrheitswidrige Drohung zur Zahlung restlicher Schulden zu nötigen. Im Vorfeld hatte er im Namen seines Mandanten Strafanzeige gegen eine junge Frau erstattet, weil diese eine Rechnung von 75,70 Euro nicht bezahlt hatte. Zwangsvollstreckungsmaßnahmen blieben ohne Erfolg.

Das gegen die Frau eingeleitete Strafverfahren wegen Betrugs wurde vom Amtsgericht vorläufig eingestellt mit der Auflage, die Rechnung binnen zwei Monaten zu bezahlen. Nachdem die Frau diese beglichen hatte, wurde das Verfahren eingestellt.

Etwa zehn Tage darauf erhielt sie ein Schreiben des angeklagten Anwalts, in dem sie aufgefordert wurde, auch Mahnkosten, Zinsen und Kosten der Zwangsvollstreckung von 237,89 Euro zu bezahlen. Weiter hieß es, die Staatsanwaltschaft erwarte von ihm Mitteilung, ob sie Zahlung geleistet habe. Zahle sie nicht, werde er dem Amtsgericht das mitteilen. Dann werde das Strafverfahren wieder aufgenommen. Die Frau sagte, dass sie aus Angst bezahlt hätte, um einer Fortführung des Strafverfahrens zu entgehen. Zur Seite gestanden hätten ihr aber die Jugendgerichtshilfe und ein Schuldnerberater.

Der Jugendrichter, der das Verfahren gegen die junge Frau eingestellt hatte, informierte die Staatsanwaltschaft über den Inhalt des Schreibens: „Ich war ziemlich erbost, weil es so offensichtlich nicht meinem Beschluss entsprach.“

Schützt Zeugin Chef?

Der angeklagte Anwalt sagte aus, dass er zur Zeit des Beschlusses im Urlaub gewesen sei und keine Kenntnis davon gehabt habe. Das Schreiben sei von einer Mitarbeiterin verfasst worden, die Zwangsvollstreckungen selbstständig bearbeite. Er habe es weder diktiert noch gelesen, aber im Vertrauen auf Richtigkeit unterschrieben. „Das können Sie mir zivilrechtlich vorwerfen, strafrechtlich vermag ich darin kein Verschulden zu sehen“, so der Anwalt, der darauf verwies, dass der Fehler seiner Mitarbeiterin keine Konsequenzen für sie gehabt habe. Die Mitarbeiterin bestätigte die Angaben des Anwaltes.

Keinen Glauben schenkten der Oberstaatsanwalt und der Richter der Angestellten. „Ich vermute, dass die Zeugin ihren Chef schützen möchte“, so der Oberstaatsanwalt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Verteidigung hat Rechtsmittel angekündigt.

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