Tod durch „Gewalteinwirkung“ Verhandlungstag 4: Frau erstickte im Lingener Schrebergarten

In der Schrebergartensiedlung am Schwarzen Weg in Lingen kam am 2. November 2013 eine Frau ums Leben. Wegen Totschlags angeklagt ist ein 52-jähriger Meppener. Foto: Henrik HilleIn der Schrebergartensiedlung am Schwarzen Weg in Lingen kam am 2. November 2013 eine Frau ums Leben. Wegen Totschlags angeklagt ist ein 52-jähriger Meppener. Foto: Henrik Hille

Osnabrück. Der vierte Verhandlungstag in dem Verfahren um Totschlag in der Lingener Kleingartenkolonie am Schwarzen Weg machte einmal mehr deutlich, dass es in diesem Indizienprozess große Mühen kosten wird, dem 52-jährigen Angeklagten aus Meppen die Tat nachzuweisen. Vier weitere Zeugen und eine Sachverständige wurden gehört, die alle nicht dabei waren, sondern nur im Nachhinein mit Tatort und Tatbeteiligten zu tun hatten.

Die potenziellen Tatzeugen, die drei Überlebenden des Vierer-Zechgelages, waren allesamt stark alkoholisiert, mit eigenen Verletzungsfolgen beschäftigt beziehungsweise eingeschlafen, sodass sie von dem Martyrium des Opfers, einer Frau aus Lingen, nichts mitbekamen. Der Angeklagte hatte sich zwar über seinen Anwalt mit einer verlesenen Erklärung zum Tatvorwurf geäußert, berief sich aber auf Bewusstseinslücken in dem Zeitraum, in dem die Frau zu Tode kam.

Der Tatrahmen ist unstrittig und schnell erklärt: Ein Meppener und ein Lingener Ehepaar, beide Pächter einer Gartenparzelle mit Datscha am Schwarzen Weg, treffen am Abend des 2. November 2013 eher zufällig aufeinander und verabreden sich zum Essen und zum Trinken. Selbst gebrannter Schnaps kommt in Einmachgläsern auf den Tisch. Die fröhliche Stimmung mit Musik und Tanz kippt, als der Lingener in Anbetracht der mittlerweile gestiegenen Temperaturen den Oberkörper entblößt und der Meppener ihn daraufhin als „wohl schwul“ bezeichnet. Die Männer streiten sich, versöhnen sich wieder und unterhalten sich über Tomatenanbau und andere Gartenthemen. Doch plötzlich flammt der Streit wieder auf und geht in körperliche Gewalt über.

Wer mit den Tätlichkeiten begann, ist strittig. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte den Lingener von hinten attackiert haben. Der ging dabei zu Boden. Der 97 Kilo schwere Angeklagte soll sich auf den Brustkorb des Lingeners gesetzt, ihm so jede Bewegungsmöglichkeit genommen und ihm mit zwei Fingern in die Augen gestochen haben. Da das Opfer sich nicht anders zu helfen wusste, soll es seinem Peiniger die Fingerkuppe des kleinen Fingers abgebissen haben.

Dann soll die Lingenerin ihrem Ehemann zu Hilfe gekommen sein und die Aggressionen des Meppeners auf sich gezogen haben. Das Kampfgeschehen verlagerte sich in die Gärten, wo niedergewalzte Büsche, Bambusmatten und heruntergetretene Zäune Rückschlüsse auf Flucht und Verfolgung erlaubten. Wie genau es zum Tod der Frau kam, ist noch unklar. Manche Indizien wie etwa Blutspuren belasten den Angeklagten.

Mehr als drei Promille

Nach dem Gutachten einer sachverständigen Pathologin steht fest, dass der Tod der Lingenerin gewaltsam herbeigeführt wurde. Sie nahm die erste Leichenschau am Tatort vor und später auch die Obduktion. Sie sprach von „komprimierender Gewalteinwirkung“ auf den Brustkorb des Opfers, wodurch Rippen zu Bruch gingen und es zu Stauungsblutungen kam. Möglicherweise seien zusätzlich auch Mund und Nase zugehalten und somit der Tod durch Ersticken beschleunigt worden. Die erhebliche Alkoholisierung des Opfers – 3,05 Promille im Blut und 3,75 Promille im Urin – sei nicht todesursächlich gewesen.

Die Verhandlung wird am 15. Oktober mit weiteren Gutachten fortgesetzt.


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