Neue Regelung für Diskussionen Künftig öfter verschlossene Kita-Türen in Lingen?

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Die Kinderbetreuungsangebote sind in Lingen in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut worden – 26 Kitas gibt es im Stadtgebiet. Eine landesweit geltende neue Vertretungsregelung sorgt aktuell aber für Probleme.Archivfoto: NiehausDie Kinderbetreuungsangebote sind in Lingen in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut worden – 26 Kitas gibt es im Stadtgebiet. Eine landesweit geltende neue Vertretungsregelung sorgt aktuell aber für Probleme.Archivfoto: Niehaus

Lingen. Wenn in einer Lingener Kindertagesstätte eine Erzieherin längerfristig erkrankt ist, sind bislang ab dem vierten Tag andere Erzieherinnen in der betroffenen Gruppe eingesetzt worden. An den ersten drei Tagen ist die freigestellte Kita-Leiterin, eine Praktikantin oder im Notfall auch einmal eine Mutter ehrenamtlich eingesprungen, um die Betreuung sicherzustellen. Wenn es nach dem Land geht, soll diese Regelung nun ein Ende haben.

„Bei einem Ausfall von pädagogischem Fachpersonal muss unverzüglich eine Vertretungskraft im Sinne des Gesetzes eingesetzt werden. Der zeitlich befristete Einsatz von ,ansonsten geeigneten Kräften‘ ist nicht mehr gestattet.“ Mit diesen Worten hat Kaplan Jan Wilhelm Witte als Vertreter der in Lingen für sieben Kitas zuständigen Pfarreiengemeinschaft Lingen-Süd jetzt in einem Elternrundbrief die für Kindertageseinrichtungen zuständige Referatsleiterin im niedersächsischen Kultusministerium , Monika Lütke-Entrup, zitiert. Als Konsequenz sei, wenn kurzfristig geeignete Fachkräfte nicht zu finden sind, auch „die vorübergehende Schließung der betroffenen Gruppe nach derzeitigem Sachstand nicht zu vermeiden“.

Ein Schreiben, welches viele Eltern beunruhigt hat, machen sich doch auch im südlichen Emsland jeden Morgen viele Kinder mit leuchtenden Augen mit ihren Müttern (oder Vätern) auf den Weg in eine Kita oder eine vergleichbare Einrichtung. Tag für Tag und verlässlich, sodass die Eltern sich anschließend um den Haushalt kümmern oder zur Arbeit fahren können. Bislang zumindest.

Günter Schnieders, bei der Stadt Lingen für Jugend, Arbeit und Soziales zuständiger Fachbereichsleiter, ärgert sich im Gespräch mit unserer Zeitung, dass das zitierte Schreiben aus dem Ministerium in Hannover erst Ende Juni bei der Stadt eingegangen ist und so mitten im Kita-Jahr neue Regelungen wirksam werden sollen: „Wir befinden uns derzeit auf allen Ebenen – bis hin zum Staatssekretär – in Gesprächen, um herauszufinden, ob diese Vertretungsregelung künftig tatsächlich so gehandhabt werden muss. Unser System hat schließlich 20 Jahre gut funktioniert.“

Ab dem ersten Tag in allen Fällen für fachlich gleich qualifizierten Ersatz zu sorgen sei aktuell faktisch unmöglich. „Wir müssten dann künftig mit Springern und Vertretungspauschalen arbeiten“, erklärte Schnieders. 2011 hätten nach seiner Aussage die Vertretungskosten in einem solchen Fall allein in Lingen rund 400000 Euro betragen. „Und die Kosten lägen heute mit Sicherheit deutlich höher.“

Deshalb soll am Donnerstag auch kurzfristig ein Gespräch mit Vertretern des Landkreises und des für viele emsländische Kitas zuständigen Bistums Osnabrück geführt werden. „Auf der Sitzung des städtischen Jugendhilfeausschusses am kommenden Mittwoch werden wir zu dieser Problematik sicher auch noch konkreter etwas sagen können“, sagte der Fachbereichsleiter. So wird der Jugendhilfeausschuss am Mittwoch, 1. Oktober, ab 16 Uhr im Ratssitzungssaal im Lingener Rathaus öffentlich tagen.

Eine erste Auswirkung dieser bislang „nur“ durch die Ministeriumsvertreterin angekündigten Neuregelung gibt es aber schon für die Eltern zumindest einiger Lingener Kindergartenkinder: So hat das Team mindestens einer Lingener Kita in einem Schreiben an die Eltern um Unterstützung gebeten, die kommenden Herbstferien und die damit verbundenen Urlaube von Erzieherinnen trotz der geplanten Neuregelung überbrücken zu können. In dem Rundschreiben wurde abgefragt, ob die Kinder nicht zumindest in einer der beiden Ferienwochen auch zu Hause bleiben können.

„Die meisten Eltern werden wohl ankreuzen, dass sie so kurzfristig in beiden Wochen eine Betreuung für ihr Kind benötigen“, erklärt Horst Flachmann vom Lingener Fachdienst Jugendarbeit aus Erfahrung. Und diese werden sie laut seinem Kollegen Schnieders auch bekommen. „Die Kitas können in begründeten Fällen Aushilfen beantragen. Und im Notfall wird ein Kind auch in der Tagespflege betreut“, versprach Schnieders, dass auch in den Herbstferien kein Kind und keine Eltern unversorgt vor verschlossenen Türen stehen werden.


In Niedersachsen hat jedes Kind von der Vollendung des ersten Lebensjahres bis zum Schuleintritt Anspruch auf einen Platz in einer Kindertageseinrichtung oder in der Tagespflege.

2013 sind landesweit 46745 von 188744 Kindern bis zum vollendeten dritten Lebensjahr und 187655 von 198184 Kindern vom dritten bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr betreut worden.

2013 sind in ganz Niedersachsen 56658 Personen in den 4843 Einrichtungen der Kindertagesbetreuung tätig gewesen. In den Krippen (117), Kindertagesstätten (1988), Horten (394) und 2344 altersübergreifenden Einrichtungen gibt es 297431 Betreuungsplätze.

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