Lohner rückt in CDU-Landesspitze auf Hilbers: Campus Lingen Chance für Unternehmen

Mit 91,8 Prozent wurde Reinhold Hilbers (links) als einer von drei Stellvertretern des CDU-Landesvorsitzenden David McAllister gewählt. Foto: BammelMit 91,8 Prozent wurde Reinhold Hilbers (links) als einer von drei Stellvertretern des CDU-Landesvorsitzenden David McAllister gewählt. Foto: Bammel

Lingen.Unternehmen in der Region sollten noch stärker als bislang die Zusammenarbeit mit dem Campus Lingen nutzen, um dem Fachkräftemangel vorzubeugen. Das hat Reinhold Hilbers, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion, in einem Interview mit unserer Zeitung betont. Der Lohner ist außerdem einer von drei Stellvertretern des Landesvorsitzenden David McAllister.

Herr Hilbers, Sie sind auf dem Landesparteitag der CDU in Braunschweig als einer von drei stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt worden. Und das mit dem besten Ergebnis. Ein doppelter Grund zur Freude?

Sicher freut einen so etwas besonders, weil ich darin auch ein Stück weit Anerkennung meiner politischen Arbeit sehe. Aber es bedeutet auch eine große Mitverantwortung. In der CDU-Fraktion bin ich für die Themenbereiche Haushalt und Finanzen zuständig. Auch die Sozialpolitik gehört dazu. Auf der Ebene der Landes-CDU geht es um gesellschaftliche Fragen und um ein neues, in die Zukunft gerichtetes Grundsatzprogramm. Hier will ich mich auch einbringen.

Wie sieht es nach dem Wechsel von David McAllister ins Europaparlament mit dem Spitzenkandidaten für die nächste Landtagswahl aus?

Ihn oder sie jetzt schon zu benennen, wäre viel zu früh. Zunächst einmal gilt es, den Blick auf die Kommunalwahl 2016 zu richten und die Aufstellung guter Kandidatinnen und Kandidaten, die für die CDU um die Mehrheit in den Rathäusern ringen.

Diskussionsstoff gab es auf dem Parteitag beim Thema Maut. Die Pläne von Bundesverkehrsminister Dobrindt haben auch in der Grafschaft für Unruhe gesorgt. Hier gibt es Befürchtungen, dass die Maut Grenzregionen benachteiligt. Wie ist Ihre Position?

Der Parteitag geht mit seinem Beschluss davon aus, dass es nur auf Bundesfernstraßen und nicht auf Kreis- und Landesstraßen eine solche Maut geben wird. Die neue Formulierung plädiert für eine Regelung, die den Handel, Arbeitsmarkt sowie das kulturelle und gesellschaftliche Leben in den Grenzregionen nicht belastet. Das ist genau das, was wir wollen.

Haushalt und Finanzen sind Ihre Schwerpunktthemen in der Fraktion. Derzeit sprudeln ja die Steuereinnahmen bei den Ländern. Eine komfortable Situation auch für Niedersachsen?

Es kommt darauf an, was man daraus macht. Wir verzeichnen in Niedersachsen Mehreinnahmen von einer Milliarde Euro. Dennoch will das Land 600 Millionen Euro neue Schulden aufnehmen. Das ist unseres Erachtens der völlig falsche Weg. Wann gibt es eine günstigere Gelegenheit, die Neuverschuldung zurückzufahren, als in Phasen solcher Mehreinnahmen? Die derzeitige Landesregierung macht das Gegenteil und bläht sogar die Ministerialbürokratie durch weitere Mehreinstellungen auf.

Sie haben verschiedene Unternehmen im Emsland und der Grafschaft besucht. Was brennt den Betrieben auf den Nägeln?

Vor allem das Thema Fachkräftemangel. Die wirtschaftliche Stärke der Region rekrutiert sich insbesondere aus der Stärke des Mittelstandes. Diese Position werden wir nur halten können, wenn es gelingt, Fachkräftenachwuchs auszubilden bzw. wieder zurück in die Region zu holen. Vor allem bei Unternehmen in der Grafschaft habe ich für die Möglichkeiten geworben, die der Hochschulstandort Lingen bietet. Die Betriebe sollten die Möglichkeiten des Campus Lingen verstärkter nutzen, zum Beispiel bei der Vergabe von Studienarbeiten, Praktika, dualen und berufsbegleitenden Studiengängen.

Ein anderes Thema - die Schulen. Der Landesrechnungshof hat die Empfehlung ausgesprochen, kleine Grundschulen zu schließen und als Untergrenze eine Schülerzahl von 50 genannt. Betroffen wären von einer solchen Regelung auch kleine Standorte in dieser Region. Wie ist Ihre Meinung?

Ich bin gegen solche gesetzlichen Regelungen. Was soll das schon heißen: Ab 49 Kindern ist eine Grundschule schlecht und ab 51 gut? Hier sollten die Schulträger entscheiden, was das Beste ist.

Die Landesregierung hat ja erklärt, dass sie vorerst keine Konsequenzen aus dem Bericht ziehen wird. Aber könnte es nicht auch zu einer schleichenden Entwicklung in diese Richtung kommen, indem frei werdende Rektorenstellen an Zwergschulen nicht mehr besetzt werden?

Diese Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen. Das ist aber genau der falsche Weg. Notwendig ist vielmehr eine Aufwertung der Rektorenstellen an Grundschulen durch eine bessere Besoldung der Leitung. Außerdem muss diese unbedingt bei der Verwaltungsarbeit entlastet werden.

Was tut sich bei den weiterführenden Schulen?

Hier habe ich die große Sorge, dass wir auf dem Weg zur Einheitsschule sind, wenn die Pläne von Rot-Grün Wirklichkeit werden. Bislang konnten Gesamtschulen nur dort eingerichtet werden, wo auch ein dreigliedriges Schulsystem in der Nähe ist. Diese Einschränkung soll fallen. Das bedeutet, dass eine Gesamtschule anstelle eines dreigliedrigen Systems eingerichtet werden oder dies verdrängen kann. Das ist ein Angriff auf das dreigliedrige Schulsystem und insbesondere auf die Gymnasien.

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