Automatisierung geplant Wetterstation in Lingen wird nach Baccum verlegt

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Lingen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) plant, seine Wetterwarte an der Lingener Teichstraße bis Ende 2016 nach Baccum zu verlegen. Dies hat Joachim Horn, Leiter der regionalen Messnetzgruppe Hamburg des DWD, jetzt bei einem Besuch der SPD-Ortsratsfraktion Baccum in der Warte erklärt. Nur für die Radioaktivitätsmessung wird noch Personal benötigt. Ansonsten ist die Warte voll automatisiert.

Horn begründete die Verlegung mit den schlechten Bedingungen für die Datenerhebung an der Teichstraße. „Die hohe Bebauung, die Bäume entlang des Kanals und die Wasserfläche des Freibades verfälschen die Messergebnisse.“ Auf den Standort in Baccum sei der DWD eher zufällig gestoßen. „Wir sind rumgefahren und haben eine geeignete Fläche für ein Messfeld entdeckt.“ Mit dem Besitzer der Fläche an der Straße Deeringhook, einem Baccumer Landwirt, sei sich der DWD weitestgehend über die Bedingungen für einen 30 Jahre lang laufenden Pachtvertrag einig.

Horn schätzt die Kosten für die Errichtung des 1200 Quadratmeter großen Messfeldes auf etwa eine halbe Million Euro. Der Bau des Messfeldes und die Schaffung der notwendigen Infrastruktur, beispielsweise der Anschluss an Telefonleitungen zur Datenübertragung, würde zwischen 150000 und 180000 Euro kosten. Die gleiche Summe müsse für die Beschaffung der meteorologischen Instrumente veranschlagt werden.

Ein Pilotprojekt des DWD wird das Messfeld in Baccum bei der Radioaktivitätsmessung der Luft werden. „Es gibt 48 Radioaktivitätsmessstellen des DWD. Bislang sind diese Messungen nur mit Personal durchzuführen“, erklärt Horn. Doch Ende 2016 sei die Technik so weit, dass auch diese Messungen automatisch durchgeführt werden könnten. Auf bis zu 200000 Euro schätzt der Meteorologe die Kosten für die benötigten Geräte.

In der Wetterwarte an der Teichstraße wird derzeit hierfür noch Personal benötigt – aber nur hierfür. Die Erfassung anderer meteorologischer Werte ist auch dort schon automatisiert. „Wir reduzieren die Anzahl der Dienstposten deshalb von fünf auf anderthalb“, erklärt Horn. Er betont, dass der DWD seinen Personalabbau sozialverträglich gestalte und die Mitarbeiter nicht einfach versetze. „Das geht zwar nach dem Beamtenrecht. Aber wir brauchen motivierte Mitarbeiter, die nicht durch eine Versetzung aus ihrem sozialen Umfeld gerissen werden und dann einen dicken Hals haben.“

Personelle Probleme sieht Horn beim Betrieb der Wetterwarte an der Teichstraße in den verbleibenden zwei Jahren trotzdem auf sich zukommen. „Die Mitarbeiter sehen sich angesichts fehlender langfristiger Perspektiven nach Alternativen um.“

So wechsele ein Beamter den Dienstherrn, der DWD ist dem Verkehrsministerium unterstellt, und gehe zur wehrtechnischen Dienststelle der Bundeswehr nach Meppen. Silvia Golke, bisherige Leiterin der Wetterwarte, bleibt ihm jedoch erhalten. Obwohl sie gerne in Lingen geblieben wäre, geht sie in zwei Wochen nach Hamburg in die Dienststelle von Horn. „Hamburg ist nach Lingen die zweitschönste Stadt Deutschlands“, macht Horn seiner Kollegin die Versetzung schmackhaft. Zugleich gab er seiner Hoffnung Ausdruck, dass das Messfeld in Baccum Ende 2016 den Betrieb aufnehmen kann. „Dann geht die Nachfolgerin von Silvia Golke nämlich in den Ruhestand“, macht er das Bemühen des DWD um sozialverträglichen Personalabbau deutlich.


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