Doppelausstellung Menschen und Illusionen im Lingener Theaterfoyer

Von Manfred Buschhaus


Lingen. Den Jahresreigen der Kunstausstellungen im neu gestalteten Lingener Theaterfoyer hat die Stadt Lingen mit einer Gemeinschaftsausstellung der beiden Maler Reiner Bollmer und Zain Landozz eröffnet.

Die Ausstellung wurde mit einer Begrüßung durch Oberbürgermeister Dieter Krone und musikalischer Begleitung durch die Combo „Landozz und Freunde“ eröffnet und kann bis 5. November besichtigt werden.

Einem Wechselbad der Gefühle und Eindrücke setzt sich der Besucher aus, der sich auf einen Rundgang durch die eng gehängte, umfangreiche Ausstellung einlässt. Dem Eingangsbereich zugewandt, fallen die Bilder von Zain Landozz zuerst auf. Sie sind meist in der Technik Acryl oder Öl auf Leinwand, die Zeichnungen in „Kugelschreibertechnik“ gearbeitet und als Malereien von kraftvoller Farbigkeit und von meist warmen Farbtönen dominiert.

Gestaltet wurde fast das gesamte Sujet Spektrum angefangen mit afrikanischen Motiven über Landschaften mit Haus- und Ortsszenen, Genrebilder, Porträts als Kopfbilder bis zu statuarischen Ganzkörperbildern, Gruppendarstellungen und weiblichen Akten und Halbakten.

Akribisch bis ins Detail

Überall erscheinen Menschen, sind Menschen dargestellt, auch in den oberflächlich abstrakten Gestaltungen. Die Vereinfachung der Details geht so weit, dass alle Individualität der Darrgestellten aufgelöst ist und die Bilder stattdessen von einer geheimnisvollen, symbolistischen Aura erfüllt scheinen.

In den hinteren Regionen des Ausstellungsbereiches finden sich die großflächigen Arbeiten von Reiner Bollmer. Sie zeigen Ortsansichten und Gebäudedetails und werden von dem Künstler selbst als „Illusions- und Wandmalerei“ bezeichnet und mit dem Slogan „Illusionen schmücken Wände“ in ihrer Konzeption vorgestellt.

Besonders beeindruckend wirkt ein großformatiges Bild eines Weinkellers mit seinen Gängen, alten Mauern, Fässern und Gewölben. Wenn sich der Betrachter an eine vorbezeichnete Stelle stellt, scheint er nicht mehr vor einem zweidimensionalen Bild zu stehen, sondern wird als Person Element der dreidimensional scheinenden Szene. Oberbürgermeister Krone macht das verblüffende Experiment vor.

Akribisch hat Bollmer jedes Detail dargestellt. Von der Bodenluke im Vordergrund über den schwachen Lichtschein aus dem Nachbarraum bis zu den teilweise gefüllten Gläsern auf den Fässern. Originalgetreu wollte er den Weinkeller darstellen, so authentisch wie möglich denn sonst wäre die angestrebte Illusion der Räumlichkeit nicht erreichbar.

Diese sorgfältige Abbildung von Natur oder Artefakt enthält Elemente des Kunsthandwerks (August Endell) ebenso wie die völlige Loslösung von der Individualität. So weisen beide Ausstellungen – so unterschiedlich sie auch sind – faszinierende Gemeinsamkeiten auf.

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