Vielfältiges Kulturprogramm Offene Türen in der langen Nacht der Kirchen in Lingen


jf/ct Lingen. Zum vierten Mal hat in Lingen die „Lange Nacht der Kirchen“ stattgefunden. Man hätte sie auch die Nacht der offenen Kirchentüren nennen können, denn den ganzen Abend über hatten die Gotteshäuser ihre Tore geöffnet und luden mit überwiegend musikalischen Angeboten zum zwanglosen Eintreten ein.

Durch diese offene Präsentation hatten Besucher die Chance, möglichst viele Angebote wahrzunehmen, was auch vielfach getan wurde. „Freuen Sie sich auf das Konzert in unserer Kreuzkirche“, begrüßte Pastor Dieter Grimmsmann zahlreiche Besucher. „Die Klampflinge“ intonierte zu Beginn das Kirchenlied „Großer Gott, wir loben dich“ und ermunterten zum Mitsingen. Ihre englisch-, französisch- und deutschsprachigen Texte, zum Teil selbst geschrieben, waren geistliche und weltliche Lieder, die den Besuchern ein Lachen ins Gesicht zauberten. Herzlichen Beifall gab es nach jedem Lied für die spaßigen, liebevoll ironischen Einlagen, vor allem für den hervorragenden Gesang dieser A-cappella-Gruppe. Die sechs Kivelinge bereiteten 45 Minuten höchsten Hör- und Sehgenuss. Die Vorgeschichte zur „Unglaublichen Gnade“ stimmte abschließend ein auf das zu Herzen gehende Lied „Amazing Grace“. In dem Liebeslied „Willst Du?“ heißt es: „Komm her und lausche meiner Stimme.“ Mit großem Vergnügen haben die Kreuzkirchenbesucher das getan. Ebenso später, als es hieß „Ich träume eine Kirche“. Unter Leitung von Kantor Peter Müller gab es dann Auszüge aus den Oratorien „Passion heute“ und „Ostern heute“, die mit viel Beifall bedacht wurden.

Weitere Anziehungspunkte der langen Nacht waren die Konzerte in der St.-Bonifatius-Kirche, die Vorträge und Geschichten in der reformierten Kirche sowie die Bibelausstellung im Emslandmuseum.

Livemusik mit Dashboard lights und Stockbrotbacken am Lagerfeuer ließen es in der Zeltkirche vor dem Rathaus zeitweise recht eng werden. Von der Marktplatzbühne informierte Pastor Gernot Wilke-Ewert stets über die nächsten Programmpunkte.

Im Gegensatz zu den Veranstaltungen in den Kirchen ließen in der jüdischen Schule Text- und Gedichtrezitationen sowie jüdische Lieder Besucher, still, ergriffen und mitfühlend zuhören.

Michael Fuest, Benno Vocks und Johannes Wiemker vom Forum Juden-Christen hatten mit einem Mix aus „Historisches zur jüdischen Geschichte in Lingen“, ihren Erklärungen zum Gedenkort Jüdische Schule viel zu bieten. Das international bekannte Lied „ELI ELI – Mein Gott, Mein Gott“, erinnerte an die ungarische Widerstandskämpferin Hannah Szenes. Die Symbolik der jüdischen und christlichen Religion im Gemälde von Josef Möddel veranschaulichte Benno Vocks. Die Kreuzstiche, Vernarbungen, Wundmale auf der Rückseite der „Erinnerungsarbeit“ deuten darauf hin, dass die „Wunden bis heute noch nicht ganz verheilt sind“. Ob auf der kleinen Flöte oder am Keyboard: Johannes Wiemker zog die Zuhörer in seinen Bann. Den 12. Gesang von Jizchak Katzenelson, einmalige, erschütternde Dokumente der Judenverfolgung im Warschauer Getto, rezitierte Wiemker. Das gemeinsam gesungene Lied: „Schalom chaverim“ – „Friede sei mit euch, Freunde! Friede! Friede!“ ist zeitgemäßer denn je.