Begeistertes Publikum Bodo Wartke in Lingen: Wortwitz mit Tiefgang

Von Sebastian Von Melle


mel Lingen. Bodo Wartke hat es wieder getan. Zum vierten Mal seit 2010 stand der scheinbar nette Junge aus Bad Schwartau im „schön grün“ renovierten Theater in Lingen auf der Bühne und brachte den ausverkauften Saal zum Toben, diesmal mit seinen Klaviersdelikten.

Nicht nur der smarte Enddreißiger mit dem gar nicht so kleinen Latinum und einer schier unerschöpflichen Kreativität ist ein Wiederholungstäter, seine zahlreichen Fans quer durch alle Generationen sind es auch. Viele sahen erneut ein absolut fantastisches Programm eines absolut fantastischen Künstlers, der gut gelaunt das gewaltige Pensum seiner Lieder und Texte routiniert und geistreich moderierte.

Sicher trägt seine unverkrampfte, jugendliche Frische viel dazu bei, dass das Publikum ihm von der „Stillen Ouvertüre“ bis zur allerletzten Zugabe („Liebeslied“ nach Zuruf auf Schwedisch, Latein und Platt) nach über drei Stunden zu Füßen lag. Im Gedächtnis bleiben nicht nur die vielen Sprachspiele und witzigen Wortwendungen von „Problemen, die ich früher noch nicht hatte“ über „das Schweigen der Spammer“ und die tanzende „Konstanze“ aus Konstanz bis hin zur unergründlichen „WG des Herrn“.

Bodo Wartke kann auch anders. Er baute einen ganzen Block tiefgründiger und nachdenklicher Balladen in den Abend ein, von denen das Lied über seine früh verstorbene Schwester Christine viele am meisten berührt haben dürfte. Auch die brandaktuelle Zugabe „Dazwischen“ aus dem Programm seines nächsten Klavierkabaretts, die in Lingen als „Welturaufführung außerhalb Berlins“ erklang, brachte nach witzigen Gedanken über Labskaus und andere Delikatessen überraschende Strophen, mit denen auch echte Bodo-Fans nicht gerechnet haben. Da sang er von Menschen mit apallischem Syndrom, die weder tot noch lebendig sind, sondern „irgendwo dazwischen“, von Scheidungskindern, die zwischen den streitenden Eltern auf der Strecke bleiben, und von Migranten, die nicht hierhin gehören und auch nicht dorthin und damit „’n büschen dazwischen“ stecken.

Bodo behauptete zwar, ihm fehlten die Worte für gewisse Körperteile unter der Gürtellinie, aber mithilfe seines fundamentalen Wortwitzes und seiner gehobenen Bildung bewahrte er das Publikum vor peinlichen Erkenntnissen. Für das Geschehen in einer lauen Frühlingsnacht bot er sogar drei verschiedene Schlussversionen ab 6, ab 12 und ab 18 Jahren an.

Nicht nur für Anneke, Dietlind, Hilda und Julia, zu deren Vornamen er mal eben lustige Reime sang, dürfte ein Wiedersehen im Emsland eine swingende Notwendigkeit sein. Bodo, wir wartken!

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