Infoabend in Lingen Diskussion über Fracking — Am Ende bleibt ein Unbehagen

Von Thomas Pertz

Entschieden lehnt die BI „Schönes Lünne“ eine Schiefergas-Förderung (Fracking) ab, wie deren Vertreter kürzlich bei einem Gespräch mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Daniela De Ridder (2. von rechts) und dem Speller Samtgemeindebürgermeister Bernhard Hummeldorf (rechts) deutlich machten.Entschieden lehnt die BI „Schönes Lünne“ eine Schiefergas-Förderung (Fracking) ab, wie deren Vertreter kürzlich bei einem Gespräch mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Daniela De Ridder (2. von rechts) und dem Speller Samtgemeindebürgermeister Bernhard Hummeldorf (rechts) deutlich machten.

Lingen. Am Ende der Veranstaltung von DGB und KAB im Hubertushof in Lingen war es wie so häufig, wenn es in einer Podiumsdiskussion um das Thema Fracking geht. Es blieb ein Unbehagen bei den meisten der über 60 Zuhörer, die sich am Donnerstagabend über diese umstrittene Form der Gewinnung von Erdgas aus tiefen Gesteinsschichten informieren wollten.

„Fracking in Deutschland – Chance oder Risiko?“ – so hatten die DGB-Kreisverbände im Emsland und der Grafschaft Bentheim und die KAB den Abend getitelt. Moderiert von Inga Graber, Redaktionsleiterin der Ems-Vechte-Welle, diskutierten Johanne Modder, Fraktionsvorsitzende der SPD im Landtag, Martin Bäumer, MdL, umweltpolitischer Sprecher der CDU, Daniel Schneider, Referent für Umwelt- und Klimapolitik im DGB-Bundesvorstand und Dietmar Le Calvez von der Bürgerinitiative Schönes Lünne. Dort hat der Energiekonzern Exxon 2011 Probebohrungen durchgeführt, weil im Gestein unter der Erde große Erdgasvorkommen vermutet werden. Dies hatte zur Gründung der BI geführt und auch die Politik auf Gemeinde- und Samtgemeindeebene auf den Plan gerufen.

Ob mit einem möglichen Fracking zur Gasgewinnung in Deutschland auch Chancen verbunden sein können, wie in der Eingangsfrage von DGB und KAB angedeutet, blieb unbeantwortet. Die möglichen Risiken, die mit dem Einsatz von Chemikalien beim Fracking verbunden sind, standen im Vordergrund.

Dietmar Le Calvez begründete seine Ablehnung nicht nur mit möglichen Gefahren für Mensch und Umwelt. Gas sei eine „endliche Energie“, seine Förderung durch Fracking unverantwortlich. Für eine differenziertere Herangehensweise plädierten Modder und Bäumer. Eine Gasförderung mittels Fracking kommt nach ihren Worten so lange nicht infrage, wie der Nachweis der Ungefährlichkeit nicht erbracht sei.

Ob eine solche mit viel Aufwand und zahlreichen Auflagen verbundene Form der Gasförderung überhaupt noch wirtschaftlich ist, zog Daniel Schneider in Zweifel. Der DGB-Vertreter verwies auf Studien, die von einem bis zu 90-prozentigen Rückgang der Förderquote an Bohrlöchern nach 24 Monaten ausgingen.

Die meisten Wortbeiträge der Zuhörer kritisierten Fracking als Fördermethode. Ein Zuhörer dagegen verwies auf einen „Panorama“-Beitrag vor wenigen Tagen, der Darstellungen von Fracking-Folgen, wie brennbares Wasser aus der Leitung, als falsch bezeichnet hatte.

Experten aus den Fachdisziplinen Wasserrecht oder Bergbau waren im Podium nicht vertreten. Ob sie tatsächlich Erhellenderes zum Thema hätten beitragen können, muss aber offen bleiben. In der Fracking-Debatte gilt inzwischen: zwei Experten, drei Meinungen.

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Was ist Fracking?

Fracking ist die Kurzform von „hydraulic fracturing“. Dabei werden Gesteinsschichten durch eine Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien aufgebrochen, die mit hohem Druck unter die Erde gepresst wird. Durch die dabei entstehenden Risse soll Erdgas aus Bodenschichten entweichen können, die an sich gasundurchlässig sind. Ein Problem sind die Stoffe, die dem Wasser dabei zugesetzt werden, darunter aggressive Säuren und giftige Korrosionsschutzmittel.

In der Gasförderung kommt Fracking weltweit seit Jahrzehnten zum Einsatz. Die Förderunternehmen selbst bezeichnen die davon ausgehenden Gefahren als gering. Wissenschaftler warnen hingegen: Vor allem die Folgen für das Grundwasser seien unkalkulierbar. Fracking wird insbesondere bei der Erdgasförderung aus sogenannten unkonventionellen Lagerstätten – also bei Gasvorkommen in besonders tief gelegenen Gesteinsschichten – angewandt.