1960 verkaufen die Arenberger Im Garten von Herzford in Lingen weiden Rindviecher


Lingen. Seit etwa 1830 hatte die adelige Familie von Müller das Schloss Herzford an den Hauptmann Ferdinand von Morsey-Picard verpachtet. Dieser erwarb das Gut Ende 1847 für 38000 Taler und übertrug Herzford zwei Jahre später an seinen Sohn Konstantin.

Schon bald erfolgte der nächste Besitzerwechsel – 1853 erwarb der Herzog von Arenberg das Schloss mit sämtlichen Ländereien. Er übernahm das Schloss offenbar „besenrein“, also ohne jegliches historisches Inventar. Die wertvollen Möbel und Einrichtungsstücke hatten seine Vorgänger längst verbracht oder verkauft.

Die landwirtschaftlichen Flächen des Gutes wurden fortan verpachtet, auf den umfangreichen Ödländereien entstand durch systematische Waldanpflanzungen das arenbergische Forstgut Herzford. Es ist bis heute als Teil der Arenberg-Stiftung im Besitz der gemeinnützigen Arenberg-Meppen GmbH.

Um 1850 gehörten zu Herzford über 600 Morgen landwirtschaftliche Flächen und rund 800 Morgen Moor sowie weitere Ländereien in Elbergen und Lohne. Die Herzforder Windmühle hatte schon um 1820 die Müllerfamilie Hoffschlag erworben. Sie wurde später bei einem Sturm zerstört.

Die Arenberger haben niemals auf Herzford gewohnt und hatten für die einsam gelegene Schlossanlage wenig Verwendung. Daher wurden die Gutsgebäude ebenso wie die Ländereien verpachtet. Die Pächter und Heuerleute, darunter die Familien Bertling, Lambers, Menger, Merschel, Naber, Rickling, Schomakers und Woltering, wohnten auf der Vorburg und im Umfeld des Schlosses. In den einstigen Sälen und Kabinetten des Gutshauses richtete sich die langjährige Försterfamilie Altmeppen ein. Auch manche der arenbergischen Jagdpächter bezogen dort während der Jagdsaison ihr Domizil, darunter der legendäre Josef Koch. Er stammte aus einer Kaufmannsfamilie in Lingen und betrieb in den 1950er-Jahren das bekannte Kaufhaus „Koch am Wehrhahn“ in Düsseldorf. Seine privaten Leidenschaften als Waidmann und Antiquitätensammler teilte seine aus „besseren Kreisen“ stammende Ehefrau leider in keinster Weise, und so türmten sich in seinen Räumen auf Herzford bald Jagdtrophäen, wertvolle Teppiche, Kunstgegenstände und Antiquitäten.

Der prächtige Barockgarten war damals längst in Weideland umgewandelt und der Schlossplatz diente als Stapelplatz für den Holzverkauf. Die Schlossgräften verlandeten, und die Gebäude wurden nur noch notdürftig unterhalten – der allmähliche Verfall setzte ein. Die schwierige Gründung der direkt am Schlossgraben erbauten Scheunen und Torpavillons zeigte bald ernste Folgen. Durch Fundamentschäden bildeten sich Senkungen und Risse im Mauerwerk. Als der holländische Historiker Johan Belonje 1959 das Schloss Herzford besuchte, war die gesamte Anlage schon vom allgemeinen Verfall gekennzeichnet, und besonders die beiden Torpavillons neigten sich bereits bedenklich zur Seite. Wenig später wurden sie kurzerhand abgebrochen.

Ende der 1960er-Jahre trennten sich die Arenberger schließlich von der mittlerweile denkmalgeschützten Schlossanlage. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, nahmen die noblen Herrschaften mit, darunter selbst die blauen holländischen Wandfliesen, die seit dem
18. Jahrhundert zum Schlossinventar gehörten. Neuer Eigentümer des Schlosses wurde der Lingener Unternehmer Bernhard Merswolke. Ein Glücksfall, denn damit begann die behutsame langjährige Sanierung der Schlossanlage, die in den letzten Jahren mit der Rekonstruktion der Torpavillons und der Remisen ihren vorläufigen Abschluss fand.

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