Spenden für Dorf in der Ukraine Lingener Hilfe für die Flüchtlinge in Juskowzy

Von Wilfried Roggendorf

Das Storchennest im ukrainischen Dorf Juskowzy mag idyllisch erscheinen, kann aber nicht über die ärmlichen Verhältnisse, die dort herrschen, hinwegtäuschen. Foto: Hinrikus UdeDas Storchennest im ukrainischen Dorf Juskowzy mag idyllisch erscheinen, kann aber nicht über die ärmlichen Verhältnisse, die dort herrschen, hinwegtäuschen. Foto: Hinrikus Ude

Lingen. Seit über 20 Jahren unterstützt der Ukraine-Freundeskreis aus Lingen und dem südlichen Emsland die Menschen in Juskowzy. Jetzt hat die Gruppe ein besonderer Hilferuf aus dem westukrainischen Dorf erreicht.

Larisa, Leiterin der mit deutscher Hilfe gegründeten Sozialstation des ukrainischen Roten Kreuzes in der benachbarten Kleinstadt Lanowzy, hat sich mit einer E-Mail an ihre Freunde im Emsland gewandt: „Im Bezirk Lanowzy gibt es auch viele Flüchtlinge aus Lugansk.“ Die Stadt im Osten der Ukraine hat sich im Kampf zwischen prorussischen Separatisten und der ukrainischen Armee in ein Schlachtfeld verwandelt.

Nun wohnen die Flüchtlinge in den Dörfern um Lanowzy in seit geraumer Zeit leer stehenden Häusern. Larisa schreibt: „Es gibt in diesen Häusern nichts. Diese Menschen, meistens Mütter mit Kindern, brauchen neben der Einrichtung auch etwas zu Essen, Kleidung, Geschirr. Könnt Ihr bitte einen Hilfstransport organisieren?“

Der Freundeskreis möchte gerne helfen, hält aber die Organisation eines Hilfstransportes kurzfristig für sehr schwierig. Dies wurde jetzt bei einem Treffen deutlich. „Der offizielle Weg dauert sehr lange“, meinte Hinrikus Ude. Er bezog sich auf ein Schreiben der deutschen Botschaft in Kiew zu humanitären Hilfsgütertransporten in die Ukraine. „Um eine Genehmigung für humanitäre Hilfslieferungen zu erteilen, benötigt das Ministerium für Sozialpolitik der Ukraine eine Zustimmung von sieben Behörden“, heißt es dort. Dieses Verfahren könne mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Der Freundeskreis geht eher von Monaten aus, bis für einen Hilfstransport die Genehmigung vorliegt. Bis dahin sei längst der ukrainische Winter über die Dörfer um Lanowzy hereingebrochen. Deshalb möchten die Helfer erst einmal Spenden sammeln. „Es gibt, wenn das Geld vorhanden ist, in der Ukraine fast alles zu kaufen, was dringend benötigt wird“, war sich die Runde einig. Ude betonte: „Das Rote Kreuz vor Ort ist sehr zuverlässig. Wir haben da gute Erfahrungen gemacht.“ Mit Geld, das der Sozialstation zur Verfügung gestellt wird, könne den Flüchtlingen am schnellsten geholfen werden.

Trotzdem denkt der Freundeskreis, der auch auf die Unterstützung durch die Stadt Lingen und Firmen aus der Umgebung setzt, mittelfristig über die Organisation eines weiteren Hilfstransportes nach. Hierzu soll von Larisa eine Liste mit den Dingen angefordert werden, welche die Flüchtlinge dann am dringendsten benötigen.

Denn eines ist für die Mitglieder des Ukraine-Freundeskreises klar: „Wir wollen den Flüchtlingen, die jetzt in Juskowzy und in Lanowzy leben, auf jeden Fall helfen.“

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Lingen und die Ukrainehilfe

87 ukrainische Zwangsarbeiter waren während des 2. Weltkrieges im Eisenbahnausbesserungswerk Lingen tätig. 1990 besuchten einige der aus dem Dorf Juskowzy stammenden Männer Lingen und berichteten über die Situation in ihrer Heimat. Seitdem organisieren das DRK und private Initiativen aus Lingen und dem südlichen Emsland Hilfstransporte nach Juskowzy und die benachbarte Stadt Lanowzy.