Hüter des Beichtgeheimnisses Nepomuk kommt 1742 nach Herzford in Lingen

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Lingen. Der Einfluss und die Bautätigkeit der jeweiligen Besitzer von Schloss Herzford sind weit über den eigentlichen Schlossbezirk hinausgegangen.

Hermann Werner Joseph von Schorlemer stiftete 1746 als Besitzer von Schloss Herzford für die Kapelle im benachbarten Dorf Elbergen einen neuen Turm und ließ seinen Hausgeistlichen dort die Messe lesen. Die Gemeinde trat ihm dafür verschiedene Markengrundstücke ab, aus denen sich später der landwirtschaftliche Betrieb des Gutes entwickelte.

Auch engagierte sich der Adelige für die Verehrung des Heiligen Johannes von Nepomuk. Der 1393 als unnachgiebiger Bewahrer des Beichtgeheimnisses ermordete Prager Generalvikar wurde zwar schon bald nach seinem Tode als Märtyrer verehrt, aber erst 1729 heiliggesprochen. Besondere Verehrung galt ihm als Hüter des Beichtgeheimnisses.

Im 18. Jahrhundert zählte Johannes von Nepomuk zu den volkstümlichsten Heiligen überhaupt, und im Andenken an seine Ermordung durch Sturz von einer Brücke in die Moldau wurden an vielen Brücken und Flussübergängen Figuren des Heiligen aufgestellt.

Um 1740 gründete der Baron von Schorlemer in der Kapelle zu Elbergen zum Fest des heiligen Johannes von Nepomuk eine besondere Messstiftung: jeder auswärtige Geistliche, der am Nepomuk-Gedenktag (16. Mai) zur Mitfeier der Messe erschien, erhielt dafür ein Messstipendium ausbezahlt. Ferner kam zur Abnahme der Beichte am Vortage und zur Predigt am Festtage selber ein Franziskanerpater aus Rheine, der dafür ein besonderes Honorar erhielt. Diese Stiftung ging zwar später wieder ein, sorgte aber doch für die Verbreitung der Nepomuk-Verehrung rings um das Schloss Herzford.

Papst Benedikt XIII. hatte der Kapelle in Elbergen für den Nepomuk-Tag einen allgemeinen Ablass gewährt. Die dortige Messe wurde nach einem besonderen Ritus gehalten, der in gedruckter Form erhalten ist. Das Blatt wurde 1742 im Verlag Koerding in Münster herausgegeben.

Im gleichen Jahr stiftete von Schorlemer auch eine Nepomuk-Figur aus Sandstein. Sie stand ursprünglich wohl auf der Brücke über die Schlossgräfte, später auf einem Sockel am Weg vom Schloss zur Ems. Im vorigen Jahrhundert wurde am Standort der Figur eine neue Scheune errichtet. Seitdem ist die Figur in einer Wandnische der Scheune untergebracht. Der Sockel der Figur trägt die Jahreszahl 1742 sowie die Wappen der Stifter: Hermann Werner von Schorlemer und seiner zweiten Ehefrau Maria von Korff-Schmiesing zu Tatenhausen.

Eine weitere Nepomuk-Figur befindet sich an der gegenüberliegenden Seite der Ems in Hanekenfähr an der Hanker-Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal. Dort in der Nähe stand früher eine hölzerne Nepomukfigur auf einem Grundstück des Bauernhofes Greving in Darme an einem alten Weg zur Ems.

Aus konservatorischen Gründen brachte man die Nepomukfigur später in das Heimathaus Darme, während an der Hanker-Brücke eine Kopie aus Sandstein aufgestellt wurde. Die Originalfigur stammt aus der Zeit um 1760. Sie zeigt den Heiligen in seiner typischen Darstellungsweise als Angehörigen eines Domkapitels in einem barocken Priestergewand mit Rochett und Talar sowie einem Birett als Kopfbedeckung. Als Attribut des Heiligen dient das über den linken Arm gelegte Kruzifix.

Verschiedene Hinweise deuten darauf hin, dass es sich um eine frühere Altarfigur handelt, die erst später im Freien aufgestellt wurde. Vielleicht stammt sie ursprünglich aus der Kirche in Elbergen.

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