Trauerakt für Ehrenbürgerin Gedenktafel erinnert an Ruth Foster in Lingen

Von Burkhard Müller


Lingen. Es ist ein sehr stiller und auch ein sehr feierlicher Moment, als Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone die Gedenktafel für Ruth Foster auf dem jüdischen Friedhof am späten Dienstagnachmittag enthüllt. Im stillen Gebet gedenkt die Trauergemeinde der Ehrenbürgerin der Stadt Lingen als einer „großen Persönlichkeit“, die am 5. August im Alter von 92 Jahren in London verstorben ist.

„Der jüdische Friedhof, genauso wie die Stolpersteine und die jüdische Schule erinnern uns an Menschen, die einmal zu uns gehört haben. Die Teil der städtischen Gemeinschaft waren – Nachbarn, Freunde und Bekannte“, betonte der Oberbürgermeister in seinem Grußwort.

Ruth Foster war das letzte in Lingen geborene Mitglied der jüdischen Familie Heilbronn. Die Familie wurde 1941 gemeinsam nach Riga deportiert, wo ihr Vater, Wilhelm Heilbronn, im Mai 1942 von den Nazis erschossen wurde. Ihre Mutter, Caroline Heilbronn, wurde im Sommer 1944 im Zuge der sogenannten „Dr. Krebsbach-Aktion“ ermordet. Ruth Foster überlebte als einziges Familienmitglied das Getto Riga, das Konzentrationslager Stutthof sowie den Todesmarsch von Stolp in Pommern nach Lauenburg, wo sie von den Truppen der Alliierten befreit wurde. Sie kehrte im August 1945 nach Lingen zurück und emigrierte 1947 mit ihrem Mann, Adolfo Freudenheim, nach London, wo sich das Ehepaar den Namen „Foster“ gab.

„In den 80er-Jahren war es dann Ruth Foster selbst, die uns die Hand zur Versöhnung und Verbrüderung reichte, und damit eine intensive Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit anstieß“, erinnerte Krone und ergänzte: „Ein Zeichen ihrer unendlichen Versöhnungsbereitschaft lässt sich daran ablesen, dass sie – trotz aller Gräueltaten, die sie in Deutschland erfahren musste – dennoch bereit war, die Ehrenbürgerwürde der Stadt Lingen anzunehmen.“ Sie habe der Stadt die Hand gereicht und „und uns letztlich die Ehre erwiesen“.

Auch Heribert Lange, Vorsitzender des Forums Juden-Christen, erinnerte daran, dass es Ruth Foster gewesen sei, die „zuerst“ ihre Hand zur Versöhnung ausgestreckt habe. „Eine Hand, die wir voller Ergriffenheit, aber auch voller Bewunderung über so viel menschliche Größe ergriffen haben“, betonte sichtlich berührt der Vorsitzende des Forums. Freilich immer verbunden mit ihrem Vertrauen darauf, aus der Geschichte zu lernen und unserem Bemühen darum, dieses auch zu leben.

Lange: „Wir stehen heute hier, um Dank zu sagen. Dank für ein Leben, das auch uns galt – ein Leben voller Großmut, von beispielhafter menschlicher Größe und von der unerschütterlichen Hoffnung auf die gute Zukunft des Menschengeschlechts.“

Neben gemeinsam gesungenen Liedern feierte Kantor Baruch Chauskin von der jüdischen Gemeinde Osnabrücks den Liturgischen Trauergesang.