Interview mit Franz Rosen Erstes Todesopfer in SOS-Kinderdorf in Liberia

Meine Nachrichten

Um das Thema Lingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Emsbüren. Die Ebola-Epedemie in Westafrika hat nun auch das erste Todesopfer in dem SOS-Kinderdorf Juah Town in Liberia gefordert. Darauf wurden auch die Sicherheits- und Schutzmaßnahmen in dem SOS-Kinderdorf in der Hauptstadt Monrovia erhöht. Die Sanierung des Dorfes dort ist das aktuelle Spendenprojekt der Niedersachsenaktion für SOS-Kinderdörfer, die auch im Emsland viele Unterstützer hat.

Im Interview mit unserer Zeitung erklärte der Leiter der Niedersachsenaktion, Franz Rosen aus Emsbüren, dass die SOS-Kinder in Monrovia ihr Dorf wegen der Ansteckungsgefahr nicht mehr verlassen dürfen. Das Interview im Wortlaut:

Herr Rosen, von der Ebola-Epedemie in Westafrika ist auch Liberia betroffen. Die Sanierung des SOS-Kinderdorfes in der Hauptstadt Monrovia dort ist das aktuelle Projekt der Niedersachsenaktion für SOS-Kinderdörfer. Welche Informationen haben Sie über die Situation vor Ort?

Der Ebola-Virus hat nach Aussage des SOS-Leiters in Liberia, George Kordahi, das erste Todesopfer unter den rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gefordert. SOS-Mutter Pannah Saywrayne aus dem SOS-Kinderdorf in Juah Town, 40 Kilometer von Buchanan, der drittgrößten Stadt des Landes, hatte sich bei einem Besuch ihrer erwachsenen leiblichen Tochter in Monrovia mit dem tödlichen Erreger infiziert und starb kurze Zeit später an den Folgen der Krankheit. Da sie nach dem Besuch nicht in ihr Kinderdorf zurückkehrte, schließt Kordahi eine Ansteckung der Kinder aus. Dennoch wurden die Sicherheits- und Schutzmaßnahmen in den Kinderdörfern in Monrovia und Juah Town verstärkt. Ein Team der SOS-Klinik desinfizierte die Wohnhäuser.

Dürfen die Kinder und Mütter angesichts der Ansteckungsgefahr mit Ebola überhaupt das SOS-Kinderdorf verlassen?

Seit Ausbruch der Seuche dürfen die SOS-Kinder nur noch auf dem Kinderdorf-Gelände spielen. Dabei haben sie sich so auf den Schulbeginn gefreut, um ihre Freunde zu treffen. Stattdessen blicken sie einer unbestimmten Zeit entgegen, in der sie das SOS-Kinderdorf nicht verlassen dürfen. In Liberia wurden die SOS-Schulen und -Kindergärten und alle anderen Schulen bereits vor Wochen auf Veranlassung der Regierung geschlossen, um Infektionswege zu verringern und die Kinder bestmöglich zu schützen.

Es gibt in Monrovia ja ein medizinisches Zentrum des SOS-Kinderdorfes, das rund um die Uhr geöffnet hat. Kann das Personal sein medizinisches Angebot angesichts der Gefährdungssituation weiter aufrechterhalten?

Der Betrieb der SOS-Klinik in Monrovia mit rund 70 Mitarbeitern läuft auf Hochtouren. Viele öffentliche Krankenhäuser mussten schließen, weil Ärzte und Personal sich mit dem Virus infizierten oder aus Angst vor Ansteckung flohen. „Unsere SOS-Klinik nimmt Patienten rund um die Uhr auf, und unsere Mitarbeiter arbeiten bis zur Erschöpfung“, so beschreibt Kordahi die Lage.

Die Niedersachsenaktion finanziert im SOS-Kinderdorf den Neubau von zehn Häusern sowie von vier Klassenzimmern in der bereits eingeweihten Schule. Gerade erst hat der SV Meppen für die gute Sache in Bawinkel gekickt. Wie schätzen Sie die weitere Spendenbereitschaft ein?

Nach unseren Erfahrungen sind Menschen gerne bereit – vor allem auch im Emsland – eine gute Sache zu unterstützen, wenn sie regelmäßig und umfassend informiert werden. Immer häufiger hören wir, dass unsere Spenderinnen und Spender überzeugt sind von der wirkungsvollen Hilfe der Niedersachsenaktion für SOS-Kinderdörfer, die vor Ort ankommt. Für dieses große Vertrauen bedanke ich mich im Namen der Kinder und auch persönlich sehr herzlich. Gott vergelt’s!

Planen Sie wie schon zuletzt in Mosambik und Mexiko wieder eine Reise nach Liberia, um sich vor Ort von der Verwendung der Spendengelder ein Bild zu machen?

Im März 2015 sollen mit der offiziellen Einweihung durch den Ehrenpräsidenten Helmut Kutin die Baumaßnahmen in Monrovia abgeschlossen sein. Geplant ist, dass wir mit einer kleinen Delegation – natürlich auf eigene Kosten – nach Liberia reisen, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Anschließend werden wir von unseren Eindrücken in Wort und Bild ausführlich berichten. Dies hängt aber natürlich alles von der weiteren Entwicklung vor Ort ab.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN