Viele Gruppen vertreten 380 Menschen demonstrieren in Lingen gegen IS-Gräuel

Von Mike Röser


Lingen. Rund 380 Menschen sind am Samstagnachmittag dem Aufruf des Vereins Kurdistan Kultur Gemeinde in Lingen gefolgt und haben in der Lingener Innenstadt gegen die Gräueltaten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Kurdistan, dem Irak und Syrien demonstriert.

Aus dem Emsland, der Grafschaft Bentheim, dem Osnabrücker Land, dem Münsterland und auch dem nahen Holland waren Menschen gekommen, um dem Aufruf zur Demonstration zu folgen. Die Teilnehmer stammten dabei aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen, betonte Hassan Ibrahim vom Verein Kurdistan Kultur Gemeinde. „Kurden, Deutsche, Ägypter, Christen, Muslime, Jesiden – quer durch alle Gruppen sind hier Menschen vertreten“, sagte Hassan.

Bei der Demonstration gehe es darum, Solidarität mit Jesiden, Christen, Alawiten, Schiiten und vielen anderen zu zeigen, die im Irak, Kurdistan und Syrien dem Völkermord, Entführungen, Enthauptungen, Vertreibungen und Menschenhandel durch IS ausgesetzt seien. „Die Gräuel sind unbeschreibar“, erklärte Hassan und nannte das Beispiel von enthaupteten Männern, deren Köpfe auf die Schöße von Müttern oder Frauen geworfen würden. Menschen würden lebendig begraben; Häuser von Christen mit einem N für Nazarener markiert wie einst während des Nationalsozialismus in Deutschland jüdische Häuser mit dem Judenstern.

Dem Marsch, auf dem die Demonstranten immer wieder „Stoppt die Isis“, „Salafisten raus“ oder auch „Kindermörder Isis“ riefen, schlossen sich auch Vertreter der SPD, der Grünen, der Bürgernahen, der CDU und des Forums Juden-Christen an. Auch Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone mischte sich später unter die Demonstranten.

In einer Rede erklärte die SPD-Bundestagsabgeordnete Daniela De Ridder ihre Solidarität mit den Demonstranten. „Ich bin stolz darauf, dass wir ein Zeichen der Solidarität aus Lingen heraus in die Welt senden.“ Zudem erklärte sie, warum sie am vergangenen Montag im Bundestag für die Waffenlieferungen in den Irak gestimmt habe: „Entscheidend für mich war ein Bericht des DRK, das nicht mehr bereit ist, Leute zu opfern. Es muss einen Korridor für humanitäre Hilfe geben. Meine Entscheidung war ein Akt der Solidarität.“ Das, was Isis tue, habe mit Religion nur ganz entfernt etwas zu tun.

Als Katastrophe bezeichnete Grünen-Ratsherr Michael Fuest die Massenmorde durch IS im Irak. Zugleich machte er jedoch auch deutlich, dass er die Waffenlieferungen für falsch hält: „Waffen an Kurden zu liefern ist ein Problem, denn die Waffen drohen in die falschen Hände zu fallen.“ Wichtig sei humanitäre Hilfe. Fuest: „Wir rufen aus Lingen: Hört auf mit den Vertreibungen und Ermordungen.“

Das Wirken der IS verurteilte auch Heribert Lange, Vorsitzender des Lingener Forums Juden-Christen: „Zu Brandschatzung, Menschenverfolgung und Mord legitimiert keine Religion, weder die christliche, noch die jüdische und auch nicht der Islam. Wer solches dennoch behauptet oder tut, der versündigt sich an den Religionen.“ Lange zitierte einen Artikel der Süddeutschen Zeitung , um seine Solidarität zu bekunden: „Wir müssen Juden sein, wenn Synagogen bedroht werden, und Muslime, wenn es Anschläge auf Moscheen gibt. Und eben Nazarener, wenn die Brandzeichen an den Häusern der Christen stehen.“

Ibrahim Hassan betonte vor den Demonstranten, dass man sich hier nicht gegen Muslime versammelt habe: „Ich wäre froh, wenn noch mehr Muslime hier her gekommen wären und damit gesagt hätten: Isis, ihr seid Faschisten und ihr gehört nicht zu uns.“ Jeder sei aufgerufen, darauf zu achten, dass hier, in Deutschland, Salafisten nicht das Grundgesetz ausnutzen, um den IS-Terror zu unterstützen. Zudem kritisierte er die Türkei: Diese unterstütze die Islamisten. Mehrfach wurde auf der Demonstration, sowohl auf Flugblättern als auch via Mikrofon, gefordert, das Verbot der „Arbeiterpartei Kurdistans“ (PKK) aufzuheben.

Begleitet wurde die Demonstration von der Polizei, die unter anderem einen Mannschaftsbus neben dem historischen Rathaus bereit hielt, auf halben Weg zwischen dem Demonstrationsort und einem Geschäft in der Großen Straße . Ibrahim Hassan hatte in einem Gespräch mit unserer Zeitung die Befürchtung geäußert, dass die dort beheimateten Salafisten die IS durch ihre Geschäfte unterstützen könnten. Den Vorwurf der Radikalität hatte der Geschäftsinhaber zurückgewiesen .