Unbekannte Akten aufgearbeitet Vom Lieben und Leben auf Gut Herzford in Lingen

Von Burkhard Müller

Alles neu: Die Geschichte von Schloss Herzford wird neu geschrieben werden müssen. Das mustergültig restaurierte Haus gehört Bernd Merswolke. Foto: EmslandmuseumAlles neu: Die Geschichte von Schloss Herzford wird neu geschrieben werden müssen. Das mustergültig restaurierte Haus gehört Bernd Merswolke. Foto: Emslandmuseum

Lingen. Die Geschichte von Schloss Herzford wird neu geschrieben. Das ist das Ergebnis einer dendrochronologischen Untersuchung, bei der das Bauholz des Barockschlosses vor drei Jahren genauer unter die Lupe genommen wurde.

Doch damit nicht genug: In Zusammenarbeit mit Andreas Eiynck, Museumsdirektor des Emslandmuseums, veröffentlicht die Lingener Tagespost unter einem „Thema der Woche“ ab kommendem Montag weitere interessante Dinge rund um das barocke Kleinod im Emsland.

Bernd Merswolke, der heutige Eigentümer der Schlossanlage , hatte die Historikerin Regine Schiel und Eiynck mit der systematischen Aufarbeitung der Geschichte seines Hauses beauftragt. Das gestaltete sich zunächst unerwartet schwierig, weil die alten Herzforder Akten nicht so einfach aufzufinden waren. Durch einen Zufall stieß man dann doch noch auf die Baurechnungen des Schlosses im Stadtarchiv Lippstadt. Die Nachfahren der Familie Schorlemer, im 18. Jahrhundert die Besitzer von Herzford, hatten diese Akten gemeinsam mit anderen Archivbeständen ihrer Vorfahren dorthin gegeben. Diese Archivalien waren zuvor noch nie bearbeitet worden.

Am Dienstag geht es um „Barocke Lebensfreude und Familiendramen“. 1735 kreiste über dem Gut bereits der Pleitegeier, weil Schorlemer mittlerweile hoch verschuldet war. Rettung versprach eine Heirat mit einer standesgemäßen Braut, wo eine üppige Aussteuer winkte. Gedacht, getan. Maria Alexandria von Korff hieß die Glückliche, die 1736 in den Stand der Ehe mit Schorlemer eintrat. Nach einem Darlehen bei seiner „geliebten Frau Gemahlin“ war es 1744 mit der großen Liebe schon vorbei, und es begann ein erbitterter Scheidungskrieg.

Am Mittwoch steht die Verehrung des heiligen Johannes von Nepomuk im Fokus unserer Berichterstattung. Der 1393 als unnachgiebiger Bewahrer des Beichtgeheimnisses ermordete Prager Generalvikar wurde zwar schon bald nach seinem Tode als Märtyrer verehrt, aber erst 1729 heilig gesprochen.

Über Liebe, Entführung und Leidenschaft wird am Tag drauf berichtet. Hier geht es um eine junge 15-Jährige, die mit ihrem Vetter Graf von Nesselrode-Reichenstein vermählt wurde. Die Ehe konnte aber nicht vollzogen werden, weil ein Ehehindernis bestand – wohl aufseiten des Bräutigams. Die junge Frau lebte weiter bei ihrer Mutter und wurde von dort vom Baron Gustav von Müller entführt. Die beiden heirateten 1819, und sie zog zu ihm auf Schloss Herzford.

Der vorletzte Teil unseres Themas der Woche beschäftigt sich mit dem Verfall der Anlage. Der Barockgarten wurde Weideland, der Schlossplatz diente als Stapelplatz für Holzverkauf, und die Gräften verlandeten.

Den Schlusspunkt bildet am Samstag der Neubau der zweiten Remise.

Weitere Nachrichten aus Lingen finden Sie unter www.noz.de/lingen