Unternehmen suchen Azubis Emsland ist Ballungszentrum der Oberflächenveredelung

Sie werben für den Beruf des Verfahrensmechanikers Beschichtungstechnik: (v.l.) Maik Schmeltzpfenning (MEMA), Yvonne Lithmeyer-Kohl (Agentur Protein) und Ingo Wildemann (Wessling Oberflächenveredelung). Foto: RoggendorfSie werben für den Beruf des Verfahrensmechanikers Beschichtungstechnik: (v.l.) Maik Schmeltzpfenning (MEMA), Yvonne Lithmeyer-Kohl (Agentur Protein) und Ingo Wildemann (Wessling Oberflächenveredelung). Foto: Roggendorf

Lingen. Händeringend suchen acht Unternehmen aus der Region Auszubildende für den Beruf des Verfahrensmechanikers Beschichtungstechnik. Doch für die 14 freien Plätze liegen derzeit bei den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Lingen gerade einmal drei Anmeldungen vor.

Deshalb haben die Unternehmen unter Federführung des emsländischen Metall- und Maschinenbaunetzwerkes (MEMA) eine ungewöhnliche Initiative ergriffen. Im Internet und auf Facebook wollen sie Schulabgänger für den Beruf als Beschichtungsprofi begeistern.

Ingo Wildermann aus der Geschäftsleitung der Wessling Oberflächenveredelung mit Sitz in Dalum ist zugleich Vorsitzender des Prüfungsausschusses der Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim für diesen Beruf. „Seit 2006 wird der Verfahrensmechaniker Beschichtungstechniker als Ausbildungsberuf im dualen System gemeinsam mit den BBS angeboten.“ Vorher seien klassisch ausgebildete Lackierer einfach umgeschult oder in den Betrieben angelernt worden.

Anfangs habe es auch Klassen mit bis zu 15 Auszubildenden gegeben, aber jetzt sinke die Zahl. Schichtdienst und körperliche Belastung führt Wildemann neben dem geringen Bekanntheitsgrad als Gründe für diese Entwicklung an. Dabei biete der Beruf Vorteile und Perspektiven. „Arbeit zu finden ist kein Problem. Die Unternehmen reißen sich um ausgelernte Pulverbeschichter“. Zudem sei die Bezahlung nicht schlecht. Zwischen 12,50 und 15 Euro Stundenlohn plus Zulagen seien drin.

Maik Schmeltzpfenning vom Netzwerk MEMA weist auf die guten Weiterbildungsmöglichkeiten hin, verschweigt aber auch nicht die Schwierigkeiten in der theoretischen Ausbildung. „Mathematik und Farbmetrik haben schon einen gewissen Anspruch.“ Der überwiegende Teil der bisherigen Auszubildenden sei Hauptschüler gewesen. Und diese, aber nicht nur, möchte Yvonne Lithmeyer-Kohl vom Lingener Projektbüro Protein mit der jetzt entwickelten Kampagne ansprechen. „Mit der im April ins Netz gestellten Internetseite www.werde-beschichtungsprofi.de haben wir eine Informationsplattform entwickelt, die alle wichtigen Angaben zu diesem Beruf enthält.“ Über Facebook sei eine erste Kontaktaufnahme zu den Ausbildungsbetrieben möglich. „Wir wollen die Hemmschwelle dafür nierig halten“. Die Kampagne sei langfristig auf fünf Jahre ausgelegt. Bereits jetzt gebe es aber eine gute Resonanz darauf.

Darauf setzen Wildermann und Schmeltzpfenning. Es gelte, nicht nur Auszubildende zu finden, sondern das Angebot der BBS zu erhalten. Wildermann: „Dort wird die Ausbildung teilweise schon mit den Lackierern zusammengelegt.“ Zu kleine Klassen seien für die BBS auf Dauer nicht finanzierbar. Dabei sei die Region ein „Ballungszentrum der Oberflächenveredelung“. Im Umkreis von 150 Kilometern gebe es rund 100 Betriebe, die in der Beschichtung arbeiten würden.

Anforderungen wachsen

Für Wildermann ist die Ausbildung auch ein wenig Selbstzweck: „Die Anforderungen an die Oberflächenveredelung wachsen. Mit gut ausgebildeten Fachkräften sinkt die Zahl der Reklamationen“, hofft er darauf, dass sich weitere Unternehmen an der Initiative beteiligen. „Es ist übrigens kein Problem, zum 1. September oder gar 1. Oktober mit der Ausbildung zu beginnen“, wirbt er um Nachwuchs für die Gestalter edler Oberflächen.


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