Vorwürfe zurückgewiesen Geschäftsmann aus Lingen: Ich bin kein Salafist

Ein orientalischer Basar mit Gebetsraum befindet sich in der Großen Straße 17 in Lingen. Foto: Burkhard MüllerEin orientalischer Basar mit Gebetsraum befindet sich in der Großen Straße 17 in Lingen. Foto: Burkhard Müller

Lingen. Jibril Ali ist aufgebracht, auch wenn ihm sein Glaube predige, den Mitmenschen gütig gegenüberzustehen. Dennoch: „Aus der Zeitung habe ich erfahren, dass insbesondere mir vorgeworfen wird, den Islam zu radikal zu vertreten. Das stimmt nicht.“ Ali betreibt in der Großen Straße in Lingen ein Geschäft, in dem man orientalische Dinge kaufen kann. Des Weiteren befindet sich in dem Haus ein Gebetsraum, in dem sich etwa zum Freitagsgebet bis zu 40 gläubige Muslime treffen.

„Wir sind nicht radikal und ich würde mich freuen, wenn uns Tanja Christiansen-Hamdi besucht“, sagt Jibril Ali. Im Juni hatte unsere Zeitung berichtet, dass es in der Innenstadt seit einigen Jahren zwar ein orientalisches Geschäft mit einem angrenzenden Gebetshaus gebe, aber: „Mit der dortigen radikalen Ausrichtung wollen aber viele in Lingen lebende Muslime nichts zu tun haben.“ Der neue Gebetsraum wäre ein Gegenpol zu der Einrichtung in der Großen Straße 17, hatte Christiansen-Hamdi erklärt, die als Integrationslotsin wirkt und für in Lingen lebende Muslime einen Raum für das Freitagsgebet sucht.

Nachdem nun auch in der vergangenen Woche von den Lingener Grünen befürchtet wurde, dass die „Salafisten aus der Großen Straße“ möglicherweise die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak finanziell unterstützen könnte, konfrontierte unsere Zeitung Ali mit den Vorwürfen.

Auf die Frage, ob Ali sich selbst zu den Salafisten, einer ultrakonservativen Strömung innerhalb des Islam, die eine geistige Rückbesinnung auf die „Vorfahren“ anstrebe, zähle, erklärte Ali: „Viel zu wenige der hier lebenden Muslime leben nach den Regeln des Propheten salla Allahu àlayhi wa sallam. Ich arbeite daran, diese Muslime wieder näher mit der Lehre vertraut zu machen und zurückzuführen.“

Zudem sagt er: „Wir sind nicht radikal. Das sind alles Lügen. Wir handeln friedlich.“ Der Prophet habe es zur Pflicht gemacht, fünf Gebete am Tag zu sprechen. Wer diesem nachkomme, befinde sich unter seinem Schutz. Wer nicht, der nicht. „Viele Muslime haben ihre eigene Religion im Kopf, die aber nicht der ursprünglichen Religion entspreche“, sagt Jibril Ali. Aber: „Allah kann das bestrafen, oder aber auch nicht – im Paradies.“

Zudem richtet der Inhaber des Geschäftes in der Großen Straße an alle, die ihn als Salafisten bezeichnen, die Bitte, „doch einmal vorbeizukommen, um miteinander zu sprechen. Damit wir uns kennenlernen“.

Auf die Frage, ob er sich von den Massenmorden an Christen und Jesiden im Irak distanziere, antwortet Ali: „Ich halte mich aus der Politik heraus und möchte das nicht kommentieren. Als gläubiger Muslim bis ich gegen jede Gewalt.“ Also auch gegen die Gewalt im Irak? Ali wirkt unruhig: „Also noch einmal: Wir sind nicht politisch und wir lieben keine Gewalt. Wir sprechen über den Glauben, das Paradies und den Frieden.“ Die Salafisten hätten schon vor über 1000 Jahren keine Gewalt gewollt – und sollte es heute noch welche geben, würden auch diese nur Frieden wollen.


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