Ein Anruf führt zur Versöhnung Lingen hat Ruth Foster viel zu verdanken

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Lingen. Es war Ruth Foster, die die Erforschung des Schicksals der früheren jüdischen Mitbürger in Lingen angeschoben hat – eingeleitet am 3. September 1984 mit ihrem Anruf bei der Stadtverwaltung: In diesem Gespräch erklärte sie, dass sie nach ihrer Kenntnis wohl die einzige überlebende Jüdin aus Lingen sei und seinerzeit in der Kaiserstraße 1 gewohnt habe. In einem Gastbeitrag für die Lingener Tagespost erinnert Alfred Storm an Ruth Foster. Storm war vor 30 Jahren Mitarbeiter im Hauptamt der Stadt Lingen und begleitete sie über Jahrzehnte.

Sie teilte ihre Adresse in London mit und fragte, ob auch in Lingen beabsichtigt sei, Gedenktafeln mit den Namen der im Dritten Reich ums Leben gekommenen jüdischen Mitbürger aufzustellen. Der damalige Oberstadtdirektor Karl-Heinz Vehring l

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Lingens Ehrenbürgerin Ruth Foster ist am 5. August in London im Alter von 92 Jahren gestorben und einen Tag später beigesetzt worden. In Lingen erinnern unter anderem Stolpersteine vor dem Elternhaus in der Kaiserstraße 1 und ihre KZ-Häftlingskleidung in der Alten Jüdischen Schule an sie und ihre Familie. Auch in ihrer Geburtsstadt soll eine Trauerfeier stattfinden und eine Gedenktafel enthüllt werden. Am 14. November 1921 in Lingen als Tochter von Caroline und Wilhelm Heilbronn geboren, verlebte sie nach eigener Aussage „frohe und sorglose Kinderjahre“, musste die Höhere Töchterschule 1937 verlassen und zog zur Ausbildung nach Berlin. 1941 kam sie zurück, um ihre Eltern auf ihre Verschleppung ins Rigaer Getto zu begleiten. Vor ihren Augen wurde im Mai 1942 ihr Vater aufgrund einer ins Getto „geschmuggelten“ Scheibe Brot erschossen. Ihre Mutter wurde im Sommer 1944 ermordet. Sie selbst kam in die Konzentrationslager Stutthof und Ravensbrück. Auf einem der „Todesmärsche“ wurde sie in Lauenburg befreit. Bei einer Größe von 1,76 Metern wog sie noch 40 Kilogramm. Trotz dieser furchtbaren Erlebnisse kehrte sie im August 1945 in ihre Geburtsstadt zurück und wurde von ihren früheren Nachbarn Sauerbrey und Demann aufgenommen. Sie lernte Adolf Freudenheim kennen, mit dem sie nach der Heirat 1947 nach England zog. (vb)

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