Konzert, das unter die Haut geht Junge Ems-Dollart Philharmonie in Lingen

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Lingen. Kurz gesagt hat sie uns ein großartiges Konzert präsentiert, die Junge Ems-Dollart Philharmonie am Montagabend in der St.-Bonifatius-Kirche. Das Orchester aus jungen Musiktalenten der Region unter Leitung des versierten niederländischen Dirigenten Johannes Leertouwer konnte überaus begeistern mit einem Programm aus höchst anspruchsvollen Werken.

Spannend begann die sehr bildhafte Fantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia“ von Pjotr Tschaikowski, der die Shakespeare-Geschichte sehr eindrucksvoll in Töne packte. Die Musiker der Jungen Ems-Dollart Philharmonie bewiesen dabei ein erstaunlich nuanciertes und feinfühliges Zusammenspiel. Bis in die härtesten Fortissimi mit diffizilen Rhythmen schwang sich dieses Werk auf, berauschend ergreifende Melodien ließen es sehr emotional empfinden. Am Ende – so ist leider die Vorgabe – geht es aber nicht gut aus. Ein Trauermarsch besiegelt das Ende der Liebenden in dieser unglaublich bewegenden Komposition.

Ohne Umschweife stürzte sich folgend die „Carmen-Fantasie“ direkt in das Geschehen der gleichnamigen Bizet-Oper. Dieses Werk ist weit mehr als ein reines Bravourstück, setzt aber doch gleich zu Beginn eine unmissverständlich virtuose Marke für den Part der Solo-Violine. Dieses spritzige und feurige spanische Werk bedient sich nach Kräften an den Arien und Melodien Bizets, um sie mit effektvollen, teils imposant ausgefallenen Spieltechniken auf der Geige gekonnt in Szene zu setzten. Die erst 14-jährige Geigerin Anna Wassenberg aus Lünne konnte hier als Solistin vor dem Orchester sehr überzeugen. Bis in die höchsten Höhen ihres Instrumentes, in fingerbrecherischen Passagen mit Pizzicati oder Flageolettes, wie auch in anmutigen Pianostellen erklang sie sehr präsent und füllte mit ihrem Geigenton den Kirchenraum scheinbar mühelos. Großer, lang anhaltender Applaus und Bravo-Rufe aus den hinteren Reihen waren ihr verdienter Lohn.

Kompositorisch, spielerisch und auch in seinen Dimensionen war aber wohl der große Schwerpunkt dieses Konzertes eine grandios dargebotene „5. Sinfonie“ von Dmitri Schostakowitsch. Dieses Werk forderte von den Spielern alles. Nicht anders sah es da für die Hörer aus. Dies ist keine Musik, zu der man sich zurücklehnt. Hier ist auch das Hören Arbeit, aber die lohnt sich über alle Maßen. Bei aller poetischen Klanglichkeit des ersten Satzes, aller auch witzig deftigen, teils grotesken Ländlergestalt in Satz Nummer zwei oder den überschwänglichen Ausbrüchen des Schlusssatzes mit seinem monumentalen Finale: Es war der dritte, der langsame Satz, der hier tief unter die Haut ging. Das war großartig, ein sinfonisches Erlebnis , das man nicht mehr loslassen will.

Natürlich führte der tosende Applaus zu zwei Zugaben (von Modest Mussorgski die Chowanschtschina-Ouvertüre und unverschämt gut vom Orchester gesungen Anton Bruckners „Locus iste“) aber – ganz ehrlich – die hätte es nach solch umwerfender Aufführung nicht mehr gebraucht.

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