Krieg in Gaza nicht ignorieren Lingener Theaterpädagogen und Palästinenser im Gedenken

Hier liegt kein Toter auf dem Boden im Innenhof des Instituts für Theaterpädagogik: Es ist eine Performance, um gegen den Krieg in ihrem Land zu demonstrieren. Foto: HochschuleHier liegt kein Toter auf dem Boden im Innenhof des Instituts für Theaterpädagogik: Es ist eine Performance, um gegen den Krieg in ihrem Land zu demonstrieren. Foto: Hochschule

Lingen. „Bahaf al-Jabbour, vier Jahre alt, ist tot, Amir Areef, zehn Jahre alt, ist tot, Basim Karaweh, zehn Jahre alt, ist tot, Abdullah Abu Ghazzal, fünf Jahre alt, ist tot…“ Scheinbar endlos lang ist die Liste von Zivilisten, die in den letzten zwei Wochen bei Angriffen im Gazastreifen ums Leben gekommen sind – der Palästinenser Rami Khader liest im Innenhof des Instituts für Theaterpädagogik in der Baccumer Straße 3 die Liste auf Englisch vor.

Andere Mitglieder der Theatergruppe liegen auf dem Boden und haben Tücher über sich ausgebreitet. Diese künstlerische Demonstration soll auf den Krieg aufmerksam machen, der derzeit in Palästina wütet. Rund 45 Teilnehmer zählt die Veranstaltung „Gathering for Gaza“. Diese Gedenkveranstaltung haben das Institut für Theaterpädagogik der Hochschule Osnabrück und das Palästinensisch-Deutsche Netzwerk Theater und Theaterpädagogik spontan ins Leben gerufen.

„Die politischen Ereignisse im Nahen Osten haben alle unsere Vorstellungen der Auseinandersetzung zwischen Palästinensern und Israelis übertroffen. Ein Weltereignis wie das jetzige Theaterfestival kann diesen Krieg nicht ignorieren“, erklärt Andreas Poppe, Dozent und Beauftragter für Internationales am Institut für Theaterpädagogik. „Im Zuge des Welt-Kindertheater-Festes haben wir uns mit Theaterpädagogen aus Palästina in Lingen getroffen, um unsere langjährige Kooperation bei einer Konferenz auszubauen. Die Kollegen sind allerdings gedanklich auch viel im Heimatland und trauern mit ihren Landsleuten um die bisher rund 450 Toten.“

Auch Ghousun Abu Shammala vom Career Center der Fakultät in Lingen kennt diese Gedanken, denn sie hat Wurzeln in Palästina. Sie ist aus Solidarität mit ihrem Ehemann und ihren drei Kindern in den Innenhof gekommen, und ihr gefällt die Veranstaltung: „Diese Stille und Friedlichkeit heute – es wäre schön, wenn es die auch in Palästina gäbe.“

Nach der Aufzählung der Namen verstreichen einige Gedenkminuten. Alle Teilnehmer, Akteure wie Zuschauer, tragen schwarze Klebestreifen auf dem Mund als Zeichen ihres Entsetzens. „The people are killed, but you give them a voice today“, fasst Khader zusammen, was so viel heißt, wie, dass die Menschen zwar getötet worden sind, aber das die Anwesenden durch ihre Teilnahme auf den sinnlosen Tod aufmerksam machen können.

Auch Heribert Lange vom Forum Juden-Christen ist zur Veranstaltung gekommen und möchte sich damit solidarisch erklären im Namen der Menschlichkeit und in einen Dialog treten. Eine Rede hält er aber dann doch nicht, sondern überreicht jedem der zwölf Palästinenser eine Rose. Diese Botschaft wird auch ohne Worte verstanden, ebenso wie die schlichte, aber deutliche Performance.