Junge Virtuosen Neue Musik mit Überraschungen in der Kunsthalle in Lingen

Von Peter Löning


Lingen. Neue Musik macht Spaß. So ist die Überzeugung wohl der Mehrheit der Hörer nach einem Konzert mit dem Ensemble „Black Pencil“ in der Lingener Kunsthalle.

Das „Summerwinds Münsterland“-Festival, veranstaltet von der Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit (gwk), wagte für dieses Konzert den Schritt über die Landesgrenze. Damit würdigte man nicht nur die langjährige Zusammenarbeit mit Lingens Kunstverein mit der Reihe „Junge Virtuosen“, es huldigte auch der so unverwechselbaren Atmosphäre und dem einmaligen Klang der Kunsthalle.

„Black Pencil“, das sind fünf exzellente Musiker aus fünf Nationen mit fünf sehr unterschiedlichen Instrumenten. Blockflöte, Panflöte, Bratsche, Akkordeon und Schlagzeug; wer könnte solche Kombination erfinden? Sie scheint nicht zu passen und ergänzt sich doch vorzüglich.

„Black Pencil“, das ist ein stetes Gegenüberstellen alter bis sehr alter Musik und sehr neuer Musik. So gab es bei diesem Gastspiel gleich zwei Uraufführungen zu hören. Doch auch hier stellt man zunehmend fest, dass vordergründige Brüche sich am Ende doch ergänzen, eine musikalische Einheit entsteht.

Werk mit Knalleffekt

„Black Pencil“ ist zum Dritten auch immer wieder das Hinzunehmen schauspielerischer Elemente, Bezüge zur Commedia dell’Arte sind programmatisch. So ist immer alles in Bewegung, die Stücke gehen beinahe ineinander über. Ein roter Faden führt durch das Programm.

Diesbezüglich den Höhepunkt bot bei diesem Konzert „Buffoni!“, ein Werk des niederländischen Komponisten Roderik de Man, das auch als Titel für den Abend diente. Mit einiger Groteske, mit venezianischen Masken, italienischen Texteinwürfen und skurriler Instrumentenbehandlung durch Höhen und Tiefen schreitend, erzählte es scheinbar eine Geschichte, deren Sinn sich aber dem unbedarften Hörer gern entzog. Eindrücklich allemal. Ein bildreiches Werk mit Knalleffekt.

Ruhiger, tiefer, doch zunächst als chaotisches Nebeneinander erklang „Arlecchino Unmasked“. Die im Raum verteilten Musiker werfen einem Ostinato ihre eigenen Kommentare entgegen. Ein Durcheinander, das sich erst nach und nach verbindet, sich als intensiver Dialog der Musiker entpuppt, schlussendlich den Harlekin tatsächlich unmaskiert präsentiert. Ein spannendes Werk der Amerikanerin Vanessa Lang, das hier mit großem Beifall seine Uraufführung erlebte.

Die zweite Uraufführung galt Robert van Heumens Komposition „A Short Piece of Decay“, das zunächst zugespielte Geräusche (eindeutig aus der Küche) bereithielt. Der Deckel wird auf eine
bratende Pfanne gelegt. Die dabei entstehenden Geräusche werden vom Ensemble instrumental kommentiert. Es entsteht ein überaus
imposantes Stück mit groovigen Elementen und erkennbarer Verwandtschaft zu elektronischer Popmusik. Ein fantasievolles Werk, packend, einnehmend und voller Energie, das endlich erste Begeisterungsbekundungen bereits vor seinem Schluss-akkord hervorrief. Wow!

Diese wie auch die anderen Werke dieses höchst lohnenswerten Konzerts überzeugten vor allem auch durch die Spiellust, die überragende Akkuratesse und – nicht zu vergessen – die erstaunliche Klanggestaltung des Ensembles. Musik und Musiker ware

n eins. Auch in den extremsten Momenten, den schrillsten Passagen war Schönheit im Klang, war es eine Freude, dem Geschehen zu folgen. Eindeutig: Neue Musik macht Spaß. Erstklassig.

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