Kneipentour Arbeiten, wenn andere in Lingen feiern


Lingen. Die deutsche Nationalmannschaft spielt um den Einzug ins Achtelfinale der Fußballweltmeisterschaft. Viele Fußballfans wollen dies auch am Donnerstagabend in geselliger Runde genießen: In fast allen Lingener Kneipen, Studentenlokalen, Restaurants oder Sportbars ist dies wieder möglich gewesen.

„Ich krieg die Krise. Jetzt kann ich nur noch die letzten zwei Minuten der ersten Halbzeit sehen.“ Karolin Kaden ist Fußball-Fan, und zwar sowohl von der deutschen Nationalmannschaft als auch von Borussia Dortmund. Drei Spiele der Schwarz-gelben hat sie in der vergangenen Saison live gesehen. Doch in der ersten Halbzeit von Deutschland gegen die USA hat es am Donnerstagabend nur zu zwei Minuten gereicht. Denn die 26-jährige gelernte Köchin ist im Grünen Jäger in Lingen einer der beiden Küchenchefs.

„Mein Kollege hat diese Woche Urlaub, also war ich dran. Und die Gäste gehen natürlich vor – die Arbeit in diesem Team macht aber trotzdem Spaß“, hofft sie auf einen 2:1-Sieg der Löw- über die Klinsmanntruppe.

Es ist klar: Wenn die einen ein Fußballspiel bei einem kühlen Getränk oder einem frisch zubereiteten Snack genießen, bedeutet dass für andere: Arbeit ist angesagt. Für Köche und Servicekräfte ebenso wie für Polizeibeamte, Verkäuferinnen oder Taxifahrer... und die Liste ließe sich noch lange fortführen.

Viele Stammgäste

Und die Stimmung in der direkt am Dortmund-Ems-Kanal gelegenen Kult-Kneipe ist auch an diesem Abend wieder gut und entspannt. Vielleicht noch ein wenig familiärer als sonst schon. Neben einigen Monteuren sind es vor allem Freunde und Stammgäste, die das Fußballspiel im Jäger gemeinsam genießen. Die meisten der rund 50 Gäste werden mit „Du“ oder gleich beim Vornamen angesprochen. Auch einige Mitarbeiter aus dem inzwischen 45 Personen zählenden Serviceteam, die an diesem Abend nicht arbeiten müssen, sind gekommen. Und diejenigen, die arbeiten, haben sich freiwillig für diesen Abend gemeldet. „Jeder ist aber nur für einen kleinen Bereich und für wenige Gäste zuständig, sodass auch Zeit für einen Blick auf den 60 Zoll messenden Bildschirm bleiben sollte“, berichten die Wirte Seppl und Bernhild Schoo.

Nur die Jägermeistervorräte vom Grünen Jäger, die sind an diesem Abend nicht sonderlich geschrumpft: Gibt es die doch als Lokalrunde nach jedem Tor der deutschen Kicker. Also eine Runde. Und eine Trostrunde als „Aufheller“ zum 0:0 in der Halbzeitpause. Aber für die deutsche WM-Truppe geht es ja weiter. Runde für Runde. In Brasilien und im Grünen Jäger. Und von der zweiten Halbzeit hat auch Karolin Kaden ein wenig mehr gesehen. Und nächste Woche ist auch ihr Kollege wieder da.


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