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„Keine Alternative zur Therapie“ Ulla Haar: Mit aller Kraft dem Opfer in Lingen helfen

Lingens Erste Bürgermeister Ulla Haar ist auch Vorsitzende des Vereins für Sozialtherapie der JVA. Foto: Burkhard MüllerLingens Erste Bürgermeister Ulla Haar ist auch Vorsitzende des Vereins für Sozialtherapie der JVA. Foto: Burkhard Müller

Lingen. Tief betroffen hat sich die Vorsitzende des Vereins für Sozialtherapie in Lingen, Ulla Haar, über den sexuellen Missbrauch eines 13-jährigen Mädchens geäußert. Gleichwohl gebe es keine Alternative zur Therapiearbeit, sagte Haar am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung.

Unter Tatverdacht steht ein 51-jähriger Straftäter aus der sozialtherapeutischen Abteilung der JVA Lingen. Ihm war aus therapeutischen Zwecken vom 28. Mai bis 1. Juni Langzeitausgang gewährt worden. Die Tat soll er am Abend des 30. Mai begangen haben. Seitdem ist er auf der Flucht.

Haar, die auch Erste Bürgermeisterin der Stadt Lingen ist, steht seit 16 Jahren an der Spitze des Vereins. Ziel sei es, in der Bevölkerung Akzeptanz für die Arbeit der Sozialtherapie innerhalb des Gefängnisses zu entwickeln, sagte die 66-Jährige. Dies sei aber nur die eine Seite. Ihr sei es auch immer wichtig gewesen, innerhalb der Abteilung Verständnis zu wecken für die Sorgen der Bürger und unter anderem auch „Gutachtergläubigkeit“ kritisch zu hinterfragen. „Ich habe mich da stets als Vermittler in die eine oder andere Richtung gesehen“, erklärte sie.

„Am Wichtigsten ist jetzt, den Blick auf das Opfer zu richten und mit aller Kraft dem Mädchen und ihrer Familie zu helfen. Die Opfer müssen im Mittelpunkt stehen, nicht die Täter“, unterstrich die Vorsitzende. So fürchterlich dieser Fall für die Betroffenen selbst sei, führe aber an der Notwendigkeit, Straftätern eine Therapie zu ermöglichen, kein Weg vorbei. „Was wäre die Alternative? Die Therapie zu lassen und dann? Irgendwann werden auch Menschen aus der Sicherungsverwahrung in die Freiheit entlassen“. Sie glaube trotz der schrecklichen Tat nicht, dass sich an der grundsätzlichen Einschätzung in der Bevölkerung etwas ändere, was die Bedeutung der Therapiearbeit bei Straftätern anbelange. Die Arbeit mit den Tätern sei somit potenzieller Opferschutz. Dass diese Arbeit nicht zu 100 Prozent gelingen könne, sei allerdings auch klar.

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