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Kein Tag ist wie der andere Grimmsmann: Liebe meinen Beruf als Pastor – Man ist den Menschen in allen Lebenslagen sehr nahe

Von Burkhard Müller

Liebt seinen Beruf als Geistlicher: der evangelisch-lutherische Pastor Dieter Grimmsmann. Foto: Burkhard MüllerLiebt seinen Beruf als Geistlicher: der evangelisch-lutherische Pastor Dieter Grimmsmann. Foto: Burkhard Müller

Lingen. Ob zu Hause über Bescheinigungen brütend oder unterwegs zu Traugesprächen, zu Taufen und auch zu Sterbefällen oder mit Jugendlichen unterwegs in den Konfirmandenstunden: Der Beruf eines Pastors ist vielseitig und abwechslungsreich – eben wie das Leben. „Ich liebe meinen Beruf, weil er sich so nah am Menschen orientiert – so nahe, wie man einem Menschen nicht näher sein kann.“ Dieter Grimmsmann, evangelisch-lutherischer Pastor der Kreuzkirchengemeinde in Lingen nebst einer „Filiale“ in Lohne, bemüht sich keiner großen Gestik – braucht er auch nicht: Man nimmt ihm auf den ersten Blick ab, was er sagt.

Der Geistliche war von 1986 bis 1994 Pastor in der Johanneskirche in Lingen und von 1995 bis 2010 für die Landeskirche in Hannover für Spätaussiedlerfamilien tätig. 2004 war er für sieben Monate als Leiter für das Christuskirchenzentrum in Omsk (Westsibirien) verantwortlich, ebenso von 2006 bis 2010. In dieser Zeit war er auch als Probst in Omsk tätig. Seit 2010 ist er wieder in Lingen, und: „Wenn es auch durch den plötzlichen Weggang von Pastorin de Riese ein wenig überraschend kam, freue ich mich natürlich, wieder hier im Emsland zu sein“, schmunzelt Grimmsmann.

Auf die Frage, ob Kirchenarbeit in Sibirien mit der hiesigen vergleichbar sei, lehnt sich Grimmsmann mit einem verhaltenen „Puuuh“ zurück in seinen Sessel, um dann aber sofort zu erklären: „Nein in keiner Weise.“

Dabei spielten nicht nur die riesigen Entfernungen (bis zu 7000 Kilometern) in der flächenmäßig größten lutherischen Kirche der Welt eine Rolle, sondern auch, dass die evangelische Kirche nach dem Ende der Sowjetunion erst wieder aufgebaut werden müsse.

Kirche in Deutschland zu leben sei deshalb eigentlich nicht vergleichbar. Hier gelte es, sich heute mit ganz anderen Dingen auseinanderzusetzen – zum Beispiel mit dem Konfirmandenunterricht. Gab es früher zwei feste Nachmittage in der Woche, wo die Jugendlichen zusammenkamen, um dem Unterricht beizuwohnen, könne das heute oft nur am Abend realisiert werden. So ließen zum Beispiel die offenen Ganztagsschulen die früheren Unterrichtszeiten nicht mehr zu. Daneben müsse berücksichtigt werden, dass die jungen Menschen bereits einen langen Arbeitstag hinter sich hätten und damit natürlich auch weniger aufnahmefähig seien. Dazu komme: „Heute müssen wir den Mädchen und Jungen oft erst einmal die christlichen Grundkenntnisse nahebringen“, berichtet Grimmsmann. Mit Sorge hinsichtlich der Jugendarbeit schaut der Geistliche auch in die Zukunft. „Was wir brauchen, sind junge Diakone, die in den Jugendfreizeiten aktiv sind und auch Jugendgottesdienste zum Beispiel musikalisch begleiten.“ Hier sei es an der Zeit, junge Leute für diese Arbeit zu begeistern – und auch einzustellen.

Neben den Gottesdiensten, während derer die Gläubigen zu ihm kämen, sind Grimmsmann auch die Besuche bei seinen Gemeindegliedern von großer Wichtigkeit. „Dabei lernt man die Menschen kennen – ungeschminkt, und das gefällt mir, weil das ehrlich ist“, betont der Pastor. Natürlich seien Braut- und Taufgespräche anders als die Vorbereitung zu einer Trauerfeier – aber: „Man ist sich immer sehr nahe, und die Gespräche bleiben nicht an der Oberfläche, sondern gehen in die Tiefe – ergreifend, aber doch auch oft erlösend“, berichtet Grimmsmann aus seiner täglichen Arbeit.

Sind seine damaligen Berufswünsche von einem Pastor mit der heutigen Arbeit in Erfüllung gegangen? „Ich wollte nie etwas anderes machen“, betonte Grimmsmann, ohne auch nur eine Sekunde lang nachzudenken. Kein Tag sei wie der andere – aber an einem jeden geht es um den Menschen.