Theater im Professorenhaus Pinkstinks in Lingen: Mädchen nur mit Modelmaßen?

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Lingen. Mädchenaccessoires sind meistens rosa, und für Jungen sind Spielzeuge, Schultüten oder Tornister häufig blau oder bunt. Ist das denn so ein Problem, dass man eine ganze Kampagne „Pinkstinks“ nennen muss? „Es geht nicht darum, die Farbe Pink zu verteufeln. Das Problem ist aber, was Pink heute symbolisiert“, erklärte Stevie Meriel Schmiedel am Dienstag im Professorenhaus.

Spielzeug für Mädchen sei größtenteils nur auf Schminken und Verschönerung ausgerichtet. Mädchen würden zu reinen Anschauungsobjekten. Dauerbebilderung von Frauen mit Konfektionsgröße „Size Zero“ in der Werbung setzten sich in den Köpfen fest. Die Deutsch-Britin ist Dozentin für Genderforschung und Vorsitzende der nach eigenen Aussagen jüngsten Frauenrechtsbewegung Deutschlands.

Lingens Gleichstellungsbeauftragte Angelika Roelofs und der Arbeitskreis Mädchen, bestehend aus Mitgliedern diverser Bildungsinstitutionen und sozialer Einrichtungen, hatten Schmiedel und das Theaterensemble von Pinkstinks aus Hamburg nach Lingen eingeladen, um die Arbeit der Protestbewegung vorzustellen. „Dies ist ein enorm wichtiges Thema“, betonte Roloefs. Mädchen dürften nicht auf Modelmaße reduziert werden. Dies geschehe jedoch täglich in Form von Werbung und Castingshows wie „Germany’s Next Topmodel“. „Eine ganze Generation von Mädchen lebt in ständiger Unsicherheit über ihren Körper“, mahnte Schmiedel.

Was für einem Druck gerade Mädchen – für Jungen gelte dies analog, jedoch nicht in gleichem Ausmaß – ausgesetzt seien, stellten in beeindruckender Form die beiden mitgereisten Schauspielerinnen Blanca Fernandez (zugleich zweite Vorsitzende von Pinkstinks) und Manuela Stange dar. Die 14-jährigen Freundinnen Lola (Fernandez) und Lena (Stange) bereiten sich dabei auf eine in einigen Wochen anstehende Party vor. „Am Anfang hat es Spaß gemacht. Wir wollten nur die Klamotten für die Party aussuchen. Vielleicht hätten wir nicht so früh unsere Fotos posten sollen“, erzählt die korpulente Lola aus dem Off. „Euch zwei zu sehen, da bekommt man ja Augenkrebs. Ihr seid fett wie sonst was“, so lautet einer der noch milderen Kommentare zu ihren Fotos von Schulfreundin Kathie im Internet.

Die negative Resonanz löst bei den Freundinnen ein Gefühlschaos aus. Während Lola völlig verzweifelt und sich in ihre Dickleibigkeit durch Fressattacken und dem völligen Verlust des Selbstwertgefühls ergibt, wird in Lena der Ehrgeiz abzunehmen erweckt. Was zunächst wie gesunde sportliche Betätigung beginnt, endet mit Magersucht und schließlich dem Zusammenbruch.

Nach Lenas Zusammenbruch wacht Lola auf. „Stop! Ich wollte doch nur schön sein und bewundert werden wie die Mädchen auf den Plakaten. Dann wirst du richtig glücklich, dachte ich mir. Aber ich lasse jetzt nicht mehr zu, dass Zentimeter mein Leben bestimmen. Ich liebe meine Nase, meinen Bauch und meine Beine. Vielfalt ist Schönheit!“, so Lolas Schlusssatz und der gleichnamige Titel des Aktionstheaterstückes, das auch von Schulen gebucht werden kann. „Bitte unterstützen Sie Pinkstinks, damit wir weiter Mediendruck ausüben können“, warb Schmiedel. Jedes „like“ auf Facebook und jedes Teilen auf Twitter helfe.

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