Jazz-Urgestein Chris Barber überzeugt mit seiner Band in Lingen

Von Meike Blunk

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Begeisterten das Publikum: Chris Barber, Jackie Fuavelle und Helge Lorenz (v. l.) Foto: BlunkBegeisterten das Publikum: Chris Barber, Jackie Fuavelle und Helge Lorenz (v. l.) Foto: Blunk

Lingen. Ein großer CD-Tisch hat das Foyer des Lingener Theaters an der Wilhelmshöhe gesäumt, an dem schon vor dem Konzert der legendären „The Big Chris Barber Band“ die Besucher miteinander ins Gespräch kamen. Erinnerungen sind wach geworden von Konzerterlebnissen aus den vergangenen 60 Jahren, bei denen der charismatische Jazzmusiker und Bandleader Chris Barber mit seiner Posaune bleibenden Eindruck hinterlassen hatte.

Als sich dann der 83-jährige Musiker ganz bescheiden und charmant selbst hinter den Stand gesellte, bekamen die Gespräche einen ehrwürdigen und fast intimen Charakter.

Viele Besucher bedankten sich bei Barber für seine großartige Musik und dafür, dass er immer noch auf Europatour gehe. Es entstand das Gefühl, einem ganz besonderen Moment, dem ein ganz besonderer Zauber anhaftete, beiwohnen zu dürfen.

Dieses Gefühl wurde auch während des Konzertes der insgesamt elf Spitzenmusiker umfassenden „The Big Chris Barber Band“ unter anderem mit Adaptionen der Evergreens von Duke Ellington wie zum Beispiel „Black & Tan Fantasy“ oder „Jubilee Stomp“ genährt.

Die Band spielte sich virtuos im Dixielandstil der Zwanzigerjahre oder mit Jazz-, Blues- und Soulsongs wie „The Spell of the Blues“ oder „Merry go round“ in die Herzen der ungefähr 400 begeisterungsfreudigen Zuschauer.

Temperamentvoll und mit großer Spielfreude agierten die Bandmitglieder auf fantastisch harmonische Weise miteinander. Darüber hinaus verblüfften sie mit ihrem ausgeprägten Improvisationsreichtum und vielen brillant gespielten Instrumental-Soli.

Mal waren es die verschiedenen, vollmundigen Saxofone und Klarinetten (brillant von Amy Roberts, Richard Exall und Bert Brandsma gespielt) oder die sauber klingenden Trompeten (Mike Henry und Pete Rudeforta), die sich einzeln zu „Wort meldeten“, mal waren es die warm klingenden Posaunen (Bob Hunt und Barber) sowie die von Helge Lorenz exzellent gespielte Gitarre oder auch die wohltemperierten Soli des Kontrabassisten Jackie Flavelle und Banjonisten Joe Farler und des Akzente setzenden Schlagzeugers Gregor Beck, die das Publikum zu fulminanten Beifallsstürmen bewegten. Zwischendurch erzählte Barber auf Deutsch Anekdoten aus der nun über sechzig Jahre andauernden Chris-Barber-Band-Zeit oder er nahm Flavelle liedweise den Bass aus der Hand, um seiner immensen Musikalität und Spielfreude weiteren Ausdruck zu verleihen.

Vollmundig gespielt

Zum Markenzeichen seiner Konzerte ist das „Dixie-Lied „Ice-Cream“ geworden. Darüber hinaus gehören „Petite fleur“ und „When the Saints go marching in“ für Barber unverzichtbar zu jedem Konzert. Dem Konzert in Lingen wohnte von Anbeginn ein besonderer Zauber inne. Teilweise wirkte Barber wie ein weiser Häuptling, der stets um das Wohl seiner Musiker und des Publikums bemüht war und der eine Brücke schlug zu der guten alten Zeit – der Wiege des Jazz und des Blues.

Das Publikum bedankte sich bei dem Grand-Seigneur mit einem stürmischen Applaus.

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