Figuren mit eigenem Charakter Bauchredner Sascha Grammel in Emslandarena


to Lingen. „Keine Ahnung“ – so schlicht und bescheiden lautet der Titel des Programms von Sascha Grammel, als wüsste er nicht, warum Tausende Zuschauer aus dem Häuschen sind, wenn ein Mann mit Puppen auf der Bühne spielt.

Ein Geheimnis seines Erfolgs ist die fantastische Stimmung, die bei seiner Show herrscht. Der erfolgreichste Bauchredner Deutschlands ist stets so gut gelaunt und versprüht so viel Charme, dass er das Publikum von Anfang an mitreißt. In der ausverkauften Emslandarena war es nicht anders.

Mit ausgebreiteten Armen begrüßte Sascha Grammel die Zuschauer, und die wenigen, die ihn tatsächlich noch nicht kannten, waren sofort für ihn eingenommen, denn er sprang von der Bühne, um sie persönlich anzusprechen. Als er wieder zurück wollte, stellte er fest: „Spontaneität ist auch nicht immer gut“ – er fand keinen Aufgang.

Der Showkünstler weiß, wie er die Spannung aufbaut. So ein Einstieg steigert die Erwartungshaltung, denn die Zuschauer warten darauf, dass die Puppen endlich ins Spiel kommen. Und da ist er: „Chacka!“ – der schräge Vogel Frederic Freiherr von Furchensumpf, die Promenadenmischung aus Adler und Fasan hockt neben Grammel, diesmal als Zorro mit Hut und Maske, und liefert sich einen hämischen Disput mit dem Künstler.

Witz und Humor

Er macht sich über ihn lustig, lästert über den Lidstrich, die Wischmopp-Frisur, den Schweißgeruch. Aber auch sich selbst nimmt der Vogel auf den Arm, wenn er verlangt, dass sein Meister den Stock entfernt, mit dem er seinen Arm führt. „Keine Angst, ich lebe weiter!“, höhnt Frederic, merkt nach einer Weile aber, dass er ohne Gestik nicht genügend Energie hat.

Die romantische Schildkröte Josie mit zerbrechlichem Stimmchen und kreisrunden schwarzen Pupillen bildet ein Kontrastprogramm zu dem frechen, schielenden Frederick. Ihre treuherzigen Überlegungen zum Thema „Heiraten“ sind herrliche Wortspiele. Als sie gemeinsam mit Sascha „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ singt, gewinnt sie endgültig die Herzen der Zuschauer, die völlig vergessen, dass die Puppe sie nur zum Lachen und Weinen bringt, weil der Künstler sie belebt.

Es ist faszinierend, Bauchredner zu erleben. Ihre an Zauberei grenzende Fähigkeit, sich der Sprache zu bedienen, ohne die Lippen zu bewegen und dadurch leblose Gegenstände zum Leben zu erwecken, ist nicht nur verblüffend und sehr unterhaltsam, sondern löst mitunter auch ehrfürchtiges Staunen aus. Grammel ist ein absoluter Meister seines Fachs. Wenn seine Puppen agieren, sind sie selbstständige, individuelle Wesen mit unterschiedlichen Charakteren und Stimmen. Sie scheinen sogar eine ausgeprägte Mimik zu haben und vermitteln differenzierte Gefühle. Vor allem aber versprühen sie Witz und Humor.

Neben Frederic und Josie treten der Außerirdische „Herr Schröder“ mit der Sternschnuppe Ursula, der gelbe Strumpf mit riesigen Glupschaugen „Außer Rüdiger“, mit dessen Hilfe Grammel einen Bauchrednergrundkurs bietet, ein singendes Huhn mit dem Pseudonym „Lady Gacka“ und natürlich Professor Dr. Peter Hacke, der Fachmann fürs Flambieren von Quadratwurzeln, auf.

Die eigenwilligen Figuren bestimmen die bunte, fantasievolle Show, die außerdem mit märchenhafter Bühnenausstattung und ausgefeilten Lichteffekten aufwartet und unbeschwerte Unterhaltung bietet. Die Zuschauer sind so begeistert, dass sie nach fast drei Stunden den Künstler nicht ohne Zugabe entlassen.