Ausbildung bei der Feuerrwehr Lingen: Stadtjuristin im Blaurock

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Prüfung geschafft: Katrin Möllenkamp ist jetzt Feuerwehrtruppfrau. Foto: Burkhhard MüllerPrüfung geschafft: Katrin Möllenkamp ist jetzt Feuerwehrtruppfrau. Foto: Burkhhard Müller

Lingen. Nein, sie ist kein kleiner feuerspeiender Drache namens „Grisu“, und, nein sie wollte auch nie eine Feuerwehrfrau werden. Was sie aber wollte, ist mitreden zu können, wenn es um feuerwehrtechnische Belange geht. Und deswegen hat sich Katrin Möllenkamp, Fachbereichsleiterin Bürgerservice, Recht und Ordnung bei der Stadt Lingen, zur Feuerwehrtruppfrau ausbilden lassen.

Die 32-jährige Juristin ist noch immer „ganz voll von den Eindrücken“, die der vierwöchige Lehrgang bei ihr hinterlassen hat. „Unser Fachbereich ist immer, wenn es wirklich brenzlig wird, wie etwa bei Großbränden, vor Ort, um einen solchen Ernstfall zu begleiten und die städtischen Interessen vor Ort wahrzunehmen. Und deshalb ist es für mich wichtig, auch die Fachbegriffe zu erlernen, um die Situation besser einschätzen zu können,“ erklärt die Feuerwehrtruppfrau ihre Ambitionen, diesen Lehrgang zu absolvieren. Sie wolle einen „grundsätzlichen Einblick“ in die Materie erlangen und wissen, wie es um die „aktive Seite“ der Blauröcke bestellt ist.

Einen ganzen Monat lang hieß es nun, jeden Montag- und Mittwochabend Theorie zu büffeln und an den vier Samstagen die Theorie von 8 bis 15 Uhr in die Praxis umzusetzen.

„Das war nicht mal eben so zu machen, sondern wirklich schwierig“, blickt Möllenkamp auf die vergangenen vier Wochen zurück. Knotenkunde, Schläuche aus- und einrollen oder die Klamotten, denen man nicht ansieht, wie schwer sie sind“, stöhnt die 32-Jährige hörbar. Die „heftigste Herausforderung“ für sie sei das Klettern auf einer offenen, vierteiligen Steckleiter an eine rund acht Meter hohe Plattform gewesen, um sich anschließend von ihr wieder abzuseilen, berichtet sie. „Mit Turnschuhen und Sportdress OK, aber mit diesen schweren Arbeitsstiefeln, der sperrigen Hose und Jacke und dazu den Helm auf dem Kopf – ich war stolz die Leiter erklommen zu haben und doppelt stolz, unten wieder heile angekommen zu sein“, lacht die 32-Jährige über die jetzt eine Woche zurückliegenden Strapazen.

Was ihr aber „mächtig imponiert“ habe, sei das Engagement der 5 jungen Frauen und 19 jungen Männer gewesen. Ob Schüler, Azubi oder Schichtarbeiter – „Sie alle sind mit Leib und Seele freiwillig und in ihrer Freizeit dabei gewesen und das verdient einfach viel Respekt,“ lobt die Juristin.

Als „ganz toll“ wertete die Fachbereichsleiterin zudem das Zusammengehörigkeitsgefühl der „Auszubildenden“. Möllenkamp: „Es gab einfach keine Situation, in der man alleine gewesen ist, sondern man wusste immer, dass man sich auf die Unterstützung der anderen verlassen konnte – unbedingt.“

Aber die Theorie und das Üben am Feuerwehrhaus seien nur die eine Seite der Medaille. Richtig „abgehen“ werde es erst, wenn diese jungen Kameraden etwa zu einem Unfall gerufen würden, wo oft Tragik und Leid an Seele und Herz der Kameraden ihre Wunden hinterließen. „Klar hat man uns immer wieder gesagt, an wen man sich in solchen Situationen wenden kann und auch ein Notfallseelsorger präsent sei , wenn es wirklich mal hart würde. Aber, zunächst steht man erst einmal alleine da und muss versuchen die Situation irgendwie zu meistern, um den Unfallopfern zu helfen. Man selbst hat ja erst viel später die Möglichkeit, wieder mit sich ins Reine zu kommen – wenn sich die Bilder nicht zu fest eingebrannt haben,“ berichtet Möllenkamp leise.

Und, jetzt aktives Mitglied bei der Feuerwehr? „Nein“, antwortet die Feuerwehrtruppfrau und verweist gleichzeitig darauf, dass sie in zwei Jahren auf jeden Fall den zweiten Lehrgang besuchen würde, um die Ausbildung in Gänze abzuschließen. „Angemeldet haben die Kameraden mich schon“, lacht die 32-Jährige im Hinblick auf ihre „zweite Karriere“ und ergänzt, dass sie jetzt wirklich gestärkt in die Dienstbesprechungen gehen könne, weil ihr niemand mehr einen A-Schlauch als C-Schlauch „verkaufen“ könne. „Ein gutes Gefühl.“


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