Neues Programm der VHS Lingen: Zumba, Buchbinden oder Nähen?

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Gesundheitsbewusstsein und Bildung sind eng verzahnt – VHS-Leiterin Ute Bischoff und Mitarbeiterin Christina Jaspers gehen mit gutem Beispiel voran. Foto: Volkshochschule LingenGesundheitsbewusstsein und Bildung sind eng verzahnt – VHS-Leiterin Ute Bischoff und Mitarbeiterin Christina Jaspers gehen mit gutem Beispiel voran. Foto: Volkshochschule Lingen

Lingen. Ein Dienstagabend um halb sieben während des Herbstsemesters im Forum der Lingener Volkshochschule (VHS) an der Straße Zum Neuen Hafen: Kursteilnehmer kommen mit Yogamatten herein, andere verlassen leicht verschwitzt das Haus, weil sie ihren Zumba-Kurs beendet haben. Eine Gruppe transportiert große Bilderrahmen in das Atelier, junge Leute mit Gitarrenkoffern stehen am Kaffeeautomaten, andere vor dem großen Bildschirm im Eingangsbereich und suchen ihren Literaturkurs.

In einem Kursraum kann Buchbindern bei der Arbeit oder jungen Frauen beim „In-Hobby“ Stricken zugeschaut werden. Und eine Teilnehmerin für den Nähkurs ist im falschen Haus gelandet, denn diese Kurse finden jetzt in der VHS An der Kokenmühle statt. Dort werden Bügelbretter aufgestellt, Bügeleisen ausgepackt, und die Maschinen surren über Stoff. Kreatives Gestalten als Bildung? Gerade viele Politiker bezweifeln, ob solche Kurse zum Bildungsauftrag gehören.

Mittlerweile sind die Kritiker laut einer Mitteilung der VHS zumeist verstummt. „Und das ist gut so“, sagt die zuständige Programmbereichsleiterin Margrit Lehmkuhl-Wiese: „Die Kritiker haben übersehen, dass gerade Kreativkurse zur Grundbildung gehören. Nähkenntnisse zum Beispiel verschwinden langsam aus unserer Gesellschaft. Wer kann heute von der jüngeren Generation noch Kleidung kürzen, einen neuen Reißverschluss einnähen oder eine Naht erneuern?“

Dass viel Alltagskompetenz aus der Gesellschaft verschwindet, findet auch VHS-Leiterin Ute Bischoff „bedauerlich“. Die aktive Sportlerin hat auch ein besonderes Auge auf die Gesundheitskurse der VHS. „Wir können nicht zum einen bedauern, dass Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung zu gesundheitlichen Problemen führen und volkswirtschaftliche Millionenschäden verursachen – zum anderen aber Angebote wie Lauftraining, Nordic Walking oder auch Kochkurse an der Volkshochschule belächelt werden.“

Die PIAAC-Studie zur Untersuchung von Alltagsfertigkeiten Erwachsener komme laut Bischof zu der Erkenntnis, dass alle Fertigkeiten der Menschen die Gesellschaft beeinflussen. Probleme mit der Gesundheit etwa melden Personen mit niedriger Lesekompetenz in Deutschland häufiger als in allen anderen Ländern. „Auch hier gilt wieder, niederschwellige und kostengünstige Angebote schaffen, damit jeder teilhaben kann.“

Ines Deguara, bei der VHS für den Gesundheitsbereich zuständig, kann dies bestätigen. „Kochen ist mittlerweile ja eine Art von Lifestyle geworden, aber Grundkenntnisse der Nahrungszubereitung verschwinden langsam. In unseren Kursen soll der Spaß nicht zu kurz kommen, aber unsere Dozenten vermitteln ,nebenbei‘ Grundlagen einer gesunden Ernährung.“

Lehmkuhl-Wiese weist noch auf einen besonderen Aspekt hin. „Kreativkurse machen bei uns nur einen Anteil von zwölf Prozent aus, sind aber ein wichtiger Schlüssel, um in Weiterbildung bei uns einzusteigen. Hemmschwellen können so abgebaut und Kontakte geknüpft werden.“

Und Ute Bischoff ergänzt: „Besuchen Sie doch einen Volkshochschulkurs, wird oft geraten, wenn man neu in der Stadt ist. Auch das kann man belächeln. Bedenkt man aber, dass die Zahl der Single-Haushalte ständig steigt, sich viele Menschen über soziale Vereinsamung beklagen und sich dann klarmacht, dass sich in unseren Kursen thematisch Gleichgesinnte treffen, dann sehen wir unsere Arbeit auch als einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag.“


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