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Ein Interview mit unserer Zeitung Die ersten 100 Tage des OB Krone

Von Burkhard Müller


Lingen. Zur Emslandarena, zum Emsauenpark und zur Ulanenstraße wurde bereits viel gesagt, und auch der Altenlingener Forst lässt sich nicht innerhalb von 100 Tagen wieder aufforsten. Deshalb wollte unsere Zeitung von Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone wissen, wie er und seine Familie die ersten 100 Tage im neuen Amt erlebt haben.

Herr Oberbürgermeister, haben sich ihre Vorstellungen und Erwartungen erfüllt?

Ja, eindeutig. Ich habe mich der Wahl gestellt, um mit neuen Gedanken und Ideen den Bürger bei Entscheidungen der städtischen Politik mitzunehmen. In Einzelgesprächen und Bürgerversammlungen wurde mir bestätigt, dass dieser neue Kurs sehr positiv begleitet wird.

Was hat Sie am meisten überrascht?

Die Vielfältigkeit der Aufgaben und, dass kein Tag wie der andere ist – das hatte ich so nicht erwartet. Ob Empfänge, Jubiläen, Sitzungen oder Gespräche mit der Wirtschaft: an Vielfältigkeit kaum zu übertreffen.

Was macht Ihnen in Ihrem neuen Amt den meisten Spaß?

Die Vielzahl der Gespräche, die ich jeden Tag führe. Der Kontakt zu den Menschen dieser Stadt ist mir das Wichtigste und Schönste, was die Arbeit eines OB in sich birgt.

Wie tritt man Ihnen als Lingener OB in anderen Städten und Gemeinden gegenüber?

Was mich anfangs überrascht hat, ist, dass einen alle kennen. Und dann ist bei vielen zum einen Respekt vor dem Amt und die nicht ausgesprochene Frage, wie er die Wahl als parteiloser gewonnen hat. Kurzum: Respekt und ein Quäntchen Neugier.

Als Lehrer „Gleicher unter Gleichen“ und heute Verwaltungschef mit rund 600 Mitarbeitern. Wie händeln Sie diese Verantwortung?

Alleine gar nicht. Ich verlasse mich auf meine guten Mitarbeiter und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Zu Beginn meines Amtsantritts bin ich durch alle Abteilungen gegangen und habe mich vorgestellt, um sich ein gegenseitiges Bild voneinander machen zu können. Zudem gibt es neue Gesprächsrunden und das Prinzip der kurzen Wege – und es funktioniert.

Zu was lässt Ihnen das Amt des OB noch Zeit?

Ich leite noch die Chorwerkstatt, weil es neben meiner Familie die Musik ist, die mir Kraft und Impulse für den Alltag gibt. Ansonsten ist meine private Zeit sehr stark eingeschränkt worden, und vieles musste neu organisiert werden.

Was hat sich an Ihren Arbeitszeiten geändert?

Eigentlich alles. Heute habe ich 15-Stunden-Tage und 90-Stunden-Wochen. Aber ich habe diesen Ehrgeiz, weil viele Projekte weiterverfolgt werden mussten oder auch Fördermittel bereitlagen, die bei Nichtbearbeitung verfallen wären. Der Arbeitsaufwand ist wirklich enorm.

Früher Ferien, heute Urlaub –geht das?

Heute habe ich 30 Tage Urlaub, und das ist mit den Ferien, die ich 20 Jahre lang als Lehrer hatte, nun wirklich nicht mehr zu vergleichen. Alles muss viel genauer terminiert werden. Aber, und darauf freuen wir uns schon riesig: Ostern gönnen wir uns als Familie einen zweiwöchigen Urlaub – einfach abschalten und Zeit für meine „drei Mädchen“ haben.

Was hat sich durch ihre neue Arbeit in der Familie geändert?

Meine Frau Ingrid muss nun erheblich mehr Aufgaben übernehmen, die wir in der Vergangenheit zu zweit gemanagt haben. Sei es der Einkauf oder die Aufsicht über die Schularbeiten der beiden Töchter Areta undDinah – das, was wir früher zu zweit gemacht haben, muss sie nun alleine bewerkstelligen. Aber auf eines lege ich besonders viel Wert: Es ist das gemeinsame Frühstück. Erst danach gehe ich aus dem Haus.

Werden auch Ihre Kinder auf den Job des Vaters angesprochen?

Ja. Meine Töchter wissen, dass ich Oberbürgermeister bin, und darauf sind sie auch stolz. Ihr Freundeskreis ist der Gleiche geblieben, und dort ist meine Arbeit eher ohne Belang. Wirklich von Belang und ganz neu in der Familie ist allerdings Kater „Lieven“. Nur wenige Tage nach meinem Amtsantritt haben meine Töchter das nur wenige Wochen alte Kätzchen aus dem Lingener Tierheim geholt – er ist jetzt der Star des Hauses, und ich bin froh (augenzwinkernd), dass nun auch über den Tag wieder ein Mann im Haus ist.


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