Schon mit 15 Drogen konsumiert Gericht verurteilt Dealer zu einer Haftstrafe

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Justizia hat gesprochen. Symbolfoto: dpaJustizia hat gesprochen. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Fortwährender Verkauf von Hartdrogen sowie die Anstiftung zum Überfall auf eine Postfiliale in Lingen haben einen 31-Jährigen nun in sichere Verwahrung gebracht. Die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Osnabrück setzte in einer Revisionsverhandlung eine Strafe von vier Jahren und sechs Monaten fest und ordnete die Unterbringung des Angeklagten in einer Entzugsklinik an.

Seit seinem 15. Lebensjahr gehören Drogen zum Alltag des Angeklagten. Zuerst waren es Haschisch und Marihuana, später stieg er auf Kokain, Amphetamine und Heroin um. Nach seinem Umzug aus Ostdeutschland nach Lingen begann der Berufslose mit dem Handel von Drogen, aus dessen Erlös er seinen Lebensunterhalt, aber auch den eigenen Konsum finanzierte. Von November 2011 bis August 2012 hat er nachweislich 36 Mal Heroin an einen gesondert verfolgten Mann abgegeben.

Weil dieser Abnehmer nicht selten Probleme mit der Bezahlung der in Empfang genommenen Drogen zeigte, schlug ihm der Angeklagte eines Tages den Überfall auf ein Glückspiellokal in Lingen vor, den dieser zusammen mit einem Dritten durchführte. Die Beute von 197 Euro erschien ihnen aber dann als sehr gering im Vergleich zum Risiko. Danach drängte der Angeklagte seinen Abnehmer zum Coup auf die Postfiliale in Lingen, beschaffte ihm dafür sogar eine Softairpistole. Um Druck zu machen, verweigerte er dem Drogenabhängigen in den nächsten Tagen die Abgabe von Heroin.

Die Tat in der in einem Schuhgeschäft befindlichen Poststelle verlief dann überhaupt nicht nach Plan. Zuerst einmal ließen sich die beiden dort anwesenden Beschäftigten von der Waffe nicht täuschen und erkannten ihre Ungefährlichkeit. Als dann noch einer der Schuhverkäufer zur Hilfe eilte und der Räuber die Geldschublade nicht zu öffnen vermochte, brach er das Vorhaben ab und flüchtete.

Letzteres war von der 10. Strafkammer in Osnabrück im März dieses Jahres als Anstiftung zur versuchten schweren räuberischen Erpressung gewertet worden. Zusammen mit der Beschaffung, dem Besitz, Gebrauch und Verkauf von Drogen, der einschlägigen Vorstrafen des Angeklagten waren vier Jahre und neun Monate Haft gegen ihn ausgesprochen worden. Auch war die Unterbringung in einer Suchteinrichtung angeordnet worden, doch zuvor hätte er 16 Monate der Haftstrafe absitzen sollen.

Die von seinem Anwalt eingelegte Revision zeigte jetzt Erfolg. Die 1. Große Strafkammer reduzierte das gesamte Strafmaß um drei Monate und verkürzte die Zeit der Vorwegvollstreckung auf drei Monate. Der Angeklagte habe durch die Aufnahme einer Berufsausbildung und dem Eingehen einer Lebenspartnerschaft „ein Zeichen gegeben, seine Bemühung in Richtung eines normalen Lebens anzustrengen und seine Belange in die Hand zu nehmen“, erkannte die Kammer. Nach Verbüßung der dreimonatigen Haft muss der jetzt außerhalb von Lingen lebende Mann eine zweijährige Drogentherapie antreten, die, falls erfolgreich, Auswirkungen auf die dann noch ausstehende Reststrafe haben kann.


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