Aktion für mehr Datenschutz Demonstration gegen Überwachung in Lingen

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cman Lingen. Zum Schutz privater Daten und der Möglichkeit eines selbstbestimmten Lebens riefen am Samstagnachmittag in Lingen rund 40 meist junge Menschen auf. Ein Anliegen, das bei vielen Passanten Gehör fand, dessen Form jedoch mitunter irritierte.

Ein grauer, nieseliger Nachmittag, gegen 15 Uhr. Es ist der Samstag des dritten Advents, und die Lingener Innenstadt wird von Besuchern und weihnachtlichen Düften durchzogen, im Schein von Lichterketten werden Einkaufstüten geschleppt und Glühwein getrunken.

Nur wenige Meter weiter, auf dem Pferdemarkt, hat sich eine Gruppe eingefunden, welcher diese vorweihnachtliche Harmonie geradezu verdächtig erscheint. Ausgerüstet mit Bildern von Edward Snowden und selbst gebastelten Transparenten, geht es ihnen um alles andere als Gemütlichkeit: Sie möchten auf die zunehmende Überwachung hinweisen, die sie in der Gesellschaft ausmachen. Eine Überwachung, die, wie sie sagen, Freiräume beschneidet und Anpassung fördert. Eine Anpassung, wie sie exemplarisch im vorweihnachtlichen Konsumrausch zum Ausdruck kommt.

„Wer hier nicht funktioniert, nicht mithalten kann, wird ausgegrenzt“, sagt Robert Köster. Er ist Mitorganisator des Protestzugs und sicher, für ein wichtiges Anliegen einzustehen, dessen Einbettung in einen größeren weltanschaulichen Zusammenhang der Veranstaltung generell anzumerken ist.

So philosophieren unter schwarz-roten Antifa-Flaggen die Teilnehmer über verschiedene Facetten sozialer Kontrolle, welche es abzuschaffen gilt. Der Anspruch reicht dabei bis in die politische Mitte hinein, wie Köster betont: „Uns ist besonders wichtig, auch Gruppen zu erreichen, die nicht der klassische Resonanzboden für linke Positionen sind“, umreißt er das ambitionierte Anliegen.

Während er eifrig Handzettel an Passanten verteilt, wendet sich einer der Redner mit der Forderung nach Abschaffung aller Geheimdienste an das geschenkbeladene Bürgertum. Köster stimmt ihm zu: „Wir haben nicht nur durch Snowden vom Umfang der gesetzwidrigen Tätigkeiten erfahren, sondern im Verfahren um den Nationalsozialistischen Untergrund auch von den tödlichen Alleingängen dieser Dienste.“

Wichtiges Thema

Dass diese gerade nicht im Dienste des Volkes wirken, wird immer wieder betont. Ebenso wie die Widersprüchlichkeit der Forderung nach Sicherheit: „Es kann sie niemals wirklich geben, deshalb ist die Forderung danach ein politisches Instrument zur Ausforschung und Verdächtigung ganzer gesellschaftlicher Gruppen“, entlarvt auch Lea Rosen die politische Agenda der gesellschaftlichen Eliten.

Doch obwohl die Veranstaltung insgesamt friedlich und die Beiträge im Ton zumeist sachlich bleiben, gelingt der herrschaftsfreie Diskurs mit der Lingener Bevölkerung nicht in jedem Fall. Dies liegt nicht allein an der Unklarheit bezüglich der vertretenen Positionen. „Mir ist gar nicht klar, was die von mir möchten“, zeigt sich Passantin Regine Hörmann irritiert über das Auftauchen des Zugs vor dem Weihnachtsmarkt, „diese Masken finde ich auch nicht gut. Die machen Kindern sicher Angst.“

So bleibt neben grundsätzlicher Anerkennung der Wichtigkeit des Themas Datenschutz vor allem die Feststellung, dass eine lebendige Zivilgesellschaft das Einstehen für Interessen jederzeit zulässt – auch an einem Samstag vor Weihnachten.


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