Projekt im Ortsrat in Brögbern Krematorium: Stimmungswechsel „verwundert“


Lingen. Die Gesellschafter der „respectrum Brögbern GmbH“ halten an ihrem Ziel fest, ein Krematorium in dem Lingener Ortsteil Brögbern zu bauen (wir berichteten). Das erklärten am Dienstag die beiden Gesellschafter des Unternehmens, Bert van der Weide und Wim van der Lee, gegenüber unserer Zeitung.

Mit dem von ihnen so wahrgenommenen Stimmungswechsel beim Thema „Bau eines Krematoriums in Brögbern“ haben van der Weide und van der Lee gleichwohl nicht gerechnet. Waren sie im September noch „vorsichtig optimistisch“, sind sie nach eigenen Angaben von der emotional aufgeladenen Bürgerversammlung Anfang November völlig überrascht worden. In dieser hatte sich die Mehrheit der rund 400 anwesenden Bürger gegen den Bau eines Krematoriums ausgesprochen.

Nach Angaben der beiden Niederländer ist mit dem Ortsrat und weiteren Bürgern eine Fahrt in die holländische Stadt „Sneek“ in Friesland unternommen worden, um vor Ort ein bereits betriebenes Krematorium zu besichtigen. „Unser Eindruck war, dass alle Teilnehmer dieser Fahrt von der Sauberkeit und der pietätvollen Atmosphäre des Krematoriums positiv beeindruckt waren“, betonten die beiden Unternehmer und ergänzten: „Wir haben jedenfalls nichts Negatives gehört.“

Und mit diesem Optimismus seien sie auch in die Bürgerversammlung gegangen, um offen und nach allen Seiten transparent das geplante Objekt vorzustellen. Zudem hätten sie Elmar Sommer vom Ingenieurbüro und Verfahrenstechnik GmbH aus Thüringen eingeladen, um bei dem technischen Verfahrensablauf einer Einäscherungsanlage für Klarheit zu sorgen (siehe Infobox). Auch mit den Bestattern vor Ort und aus der Region hätten sie gesprochen, um zu erfahren, wie groß die Nachfrage bei Kremierungen sei.

Auf die Frage, wie es um die Wirtschaftlichkeit des geplanten Krematoriums bestellt sei, antwortete van der Wilde: „Mein Partner und ich haben in verantwortlicher Position in den vergangenen Jahren etwa 20 niederländische Krematorien betreut. Vor diesem Hintergrund wissen wir nicht nur, was die Menschen von einer pietätvollen Einäscherung erwarten, sondern wissen auch, wie ein Krematorium wirtschaftlich betrieben werden kann.“ Sei es der Neubau eines Krematoriums oder das Optimieren mit modernster Filtertechnik: Sie würden in dieser Sache auf jahrzehntelange Erfahrungen bauen.

Dennoch hätten sie natürlich eine Wirtschaftlichkeitsanalyse erstellen lassen, um als Betreiber keinen Reinfall zu erleiden. Das Projekt sei beurteilt und von vielen Seiten mit dem Ergebnis untersucht worden, dass sich bei „vorsichtiger Rechnung“ ein Krematorium in Brögbern an der Duisenburger Straße betreiben ließe.

„Wir wollen hier ein relativ kleines Krematorium mit bis zu 1500 Einäscherungen pro Jahr bauen“, erläuterten van der Weide und van der Lee weiter. Rund 1,5 Kilometer vom Ortskern und etwa 200 Metern von der nächsten Wohnbebauung entfernt, könnte hier in der Nähe der Kapelle und des evangelischen Friedhofes ein eingeschossiges Gebäude gebaut werden, das keinem zum Nachteil gereiche.

Modernste Technik

„Es ist natürlich schwer, mit nüchternen Argumenten gegen Emotionen und Gefühle aus dem Bauch heraus zu argumentieren“, bedauerten die beiden Niederländer. Und dennoch: „Wir können versprechen, dass wir nur das Beste, was es an Technik gibt, einbauen werden, um alle möglichen Belästigungen so gering, wie es irgend geht, zu halten. Wir werden weder die Bürger in Brögbern noch die in Lingen enttäuschen“, versprachen die beiden Unternehmer abschließend.

Der Ortsrat Brögbern berät am heutigen Mittwoch um 16.30 Uhr im Heimathaus in öffentlicher Sitzung das Thema Krematorium.


Krematorium und Emissionen Nach Angaben von Elmar Sommer vom Ingenieurbüro und Verfahrenstechnik gibt es in Deutschland keinen Grenzwert für Quecksilber. Wenn eine Abgasreinigungsanlage über einen guten Quecksilberabscheider verfügt, wie auch in dem Krematorium in Brögbern vorgesehen, so ist nach seinen Angaben mit einer Emission von weniger als einem Gramm pro Jahr zu rechnen. Andeutungen, wonach laut „Federation of Burial and Cremation Authorities“ 16 Prozent der Quecksilberemissionen aus Krematorien stammen, sind nach seinen Worten „Unfug“ und stammten aus einer Zeit, als in England noch kein Krematorium mit Abgasreinigungstechnik ausgestattet war. „Als völligen Unsinn“ beschreibt Sommer auch die Diskussion um Herzschrittmacher, die im Körper verbleiben. In Deutschland könnten Herzschrittmacher im Körper verbleiben, weil diese über Batterien verfügten, die keine radioaktiven Stoffe enthielten. Es gelangten also keine radioaktiven Partikel aus Plutoniumbatterien ins Freie.

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