Hänsel und Gretel Singen, Tanzen und Schattenspiel im Theater Lingen

Von Peter Löning


Lingen. Auch wenn er nicht selbst zugegen gewesen ist, zweifellos kommt „Hänsel und Gretel“ als Tom Kraus’ Abschiedsgeschenk für Lingen und das TPZ. Seine letzte Inszenierung verflechtet die Vorlage von Engelbert Humperdinck zu einem Singspiel mit Tanz, mit Zirkus und mit Schattenspiel.

Neben dem bescheiden am Bühnenrand platzierten Pianisten, Roun Zievernik, und den sechs Gesangssolisten finden sich über fünfzig Kinder auf der Bühne. Und um Kinder geht es in diesem Weihnachtsstück, wenn auch zunächst nur um zwei.

Erzürnt über die Faulheit ihrer Kinder, schickt die Mutter (Sarah Baghdadi) der bettelarmen Familie ihre Kinder (Hänsel und Gretel) in den Wald, Erdbeeren zu suchen. Die verirren sich und geraten in die Fänge der bösen Hexe. Doch ehe diese sich an den Kindern vergehen kann, wird sie von den beiden gelyncht und stirbt einen bitterlichen Feuertod. Auch alle zuvor verzauberten Kinder werden hierbei erlöst und ins Leben zurückgeholt. Die besorgten Eltern finden ihre Kinder unversehrt. Happy End.

Das Bühnenbild, ein weit überdimensionierter Tisch mit zwei Stühlen vor weißer Leinwand, zeigte sich hier als sinnfällig wandelbare Kulisse. Wenn Hänsel und Gretel (sehr schön gesungen und dargestellt von Sophia Bockholdt und Larissa Neudert) hinaufklettern, um an der dort abgestellten Milch zu naschen, wirken sie winzig klein. Es ist Bett für die erschöpfte Mutter und, garniert mit zwei stilisierten Tannenbäumen, ist es tiefer Wald mit Fliegenpilz und allerlei merkwürdigen Gestalten, die auf Skatern oder per Einrad über die Bühne rollen. Im Wald erscheint auch das Sandmännchen (fabulös von Fabienne Haßlöwer), sein Werk zu verrichten und die Kinder im Schutze von 14 Engeln sanft entschlafen zu lassen.

Eine zwischen die Tischbeine gespannte Leinwand erweitert die Fläche für ein alles begleitendendes Schattenspiel. Sah man im vorherigen Hintergrund Traumerscheinungen und anderes, was die Geschichte illustrierte oder auch nur dekorierte, so loderte unter dem einstigen Tisch nun der tötende Ofen der Hexe (Sarah Kramer).

Die Solisten in dieser Aufführung konnten durchweg gesanglich wie darstellerisch sehr wohl punkten. Und zwischen spätromantischen Melodiewülsten konnte man etliche alte Kinderlieder entdecken (wer sie noch kennt). Die Akrobatiknummern und Tänze, die fantasievollen Schattenbilder und nicht zuletzt ein Lied, das alle Kinder am Ende sangen, belebte das Bühnengeschehen dabei durchaus vorteilhaft, lockerten es hie und da auf, was nicht zwingend notwendig erschien, aber Spaß machte.

Diese Produktion des TPZ in Kooperation mit der Gesamtschule Emsland ist ein erfreuliches Theatererlebnis zur Adventszeit nicht nur für Kinder.