Betreuerinnen berichten Zu „Oma“ und „Opa“ nach Schepsdorf

Von Christiane Adam

Die polnischen Betreuungskräfte erzählen, wie ihr Alltag in Deutschland aussieht: (von links) Ania Zimoch, Anna Ciszewska, die Chefin Katharina Klatt, Iwona Drogosz und die Assistentin Joanna Streitz. Foto: Christiane AdamDie polnischen Betreuungskräfte erzählen, wie ihr Alltag in Deutschland aussieht: (von links) Ania Zimoch, Anna Ciszewska, die Chefin Katharina Klatt, Iwona Drogosz und die Assistentin Joanna Streitz. Foto: Christiane Adam

Lingen. Wie ergeht es den polnischen Betreuerinnen, die für lange Monate ihre Heimat verlassen, um in Deutschland für Pflegebedürftige da zu sein? Unsere Zeitung sprach mit dreien von ihnen, die zurzeit in Lingen arbeiten.

Ania Zimoch ist 52 Jahre alt. Sie stammt aus einem kleinen Dorf in der Woiwodschaft Wielkopolska. Anna Ciszewska ist 40 Jahre alt und kommt aus Nowa Ruda, etwa 100 Kilometer von Breslau entfernt. Iwona Drogosz, ebenfalls 40, lebt in Niederschlesien nahe Breslau. Zumindest lebt sie dort, wenn sie nicht gerade in Schepsdorf bei ihrer „Oma“ und ihrem „Opa“ wohnt, wie die Polinnen ihre alten Leute liebevoll nennen.

Wie ergeht es Ihnen, wenn Sie in Deutschland sind?

Ania Zimoch: Wir kommen wie nach Hause. „Meine“ Oma musste einmal während der Urlaubszeit zwei Wochen in ein Pflegeheim. Sie hat die Tage gezählt und jeden Tag nach mir gefragt.

Iwona Drogosz: Wir geben unser ganzes Herz bei der Arbeit.

Wie sieht der Tag aus?

Drogosz: Nach dem Aufstehen mache ich das Frühstück. Dann wecke ich meine Oma, helfe ihr beim Waschen und Anziehen. Anschließend frühstücken wir gemeinsam. Dann ist die Hauswirtschaft dran: Putzen, Abspülen, Einkaufen, Wäsche machen und so weiter. Und dann koche ich das Mittagessen.

Katharina Klatt: Ganz wichtig ist, dass die Frauen täglich zwei Stunden freihaben. Außerdem haben sie Anspruch auf einen freien Nachmittag pro Woche. Sie sind ja von 7 Uhr bis 21 Uhr für die alten Leute da, und nachts haben sie Rufbereitschaft. Wenn man dann keine freie Zeit für sich hat, hält das auf Dauer niemand aus.

Was ist, wenn die zu betreuende Person gar nicht alleine sein kann?

Klatt: Dann muss sie für zwei Tage die Woche in eine Tagespflegeeinrichtung gehen. Die Regeneration ist für die Betreuerinnen wichtig. Außerdem muss in jedem Falle ein Netzwerk von Ansprechpartnern in der Nähe sein, seien es die Kinder oder zuverlässige Nachbarn, für den Notfall.

Welche Aufgaben haben die Betreuerinnen noch?

Drogosz: Wir leisten den alten Menschen Gesellschaft. Ich spiele jeden Tag Mensch-ärgere-dich-nicht und Karten mit meiner Oma.

Zimoch: Wir dürfen aber keine medizinischen Leistungen übernehmen, also Spritzen setzen oder Tabletten rationieren.

Haben Sie schon einmal erlebt, dass Ihre Frauen ausgenutzt wurden?

Klatt: Ja, das kommt vor. Zum Beispiel brachte eine Tochter immer ihre eigene Bügelwäsche mit. Dann greife ich ein. Aber das passiert selten.

Welche Rahmenbedingungen stehen sonst noch in Ihren Verträgen?

Klatt: Die Grundausstattung der Zimmer. Jede Betreuerin muss ihre eigenen vier Wände haben. Außerdem muss die Möglichkeit, mit den Familien in Polen zu telefonieren, gegeben sein. Sei es per Telefon oder Skype.

Anna Ciszewska: Ich habe außerdem einen Fernseher, auf dem ich sogar polnische Programme empfangen kann.

Klatt (schmunzelnd): Du sollst lieber Deutsch lernen! Jeden Donnerstag findet von 18.30 Uhr bis 20 Uhr Am Markt 22 in Lingen bei Lernlotse ein Deutschkurs statt. Ich empfehle allen meinen Mitarbeiterinnen, dort hinzugehen. Aber meine Klienten müssen sich trotzdem darüber im Klaren sein: Die Polinnen können nicht perfekt Deutsch. Sie machen ihre Arbeit mit dem Herzen und mit den Händen. Das ist bei ihrer Tätigkeit viel wichtiger als die Sprache.


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