Bislang keine Probleme Freigang aus JVA Lingen um einen Tag „verlängert“

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Die JVA  an der Kaiserstraße in Lingen. Foto: peDie JVA an der Kaiserstraße in Lingen. Foto: pe

Lingen. Aus der Sozialtherapeutischen Abteilung der JVA Lingen ist ein Inhaftierter nach einem Freigang nicht sofort, sondern erst einen Tag später in die Anstalt zurückgekehrt. Entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigte Anstaltsleiter Roland Schauer am Montag auf Anfrage.

Der Mann verbüßt eine Haftstrafe wegen eines Sexualdeliktes. In der geschlossenen Haftanstalt an der Kaiserstraße befindet er sich seit zwei Jahren.

Nach Angaben Schauers ist es der erste Fall seit mehreren Jahren, dass aus der Sozialtherapie heraus ein so genanntes „Versagen“ beim Freigang festgestellt werde. Auf die gesamte Anstalt bezogen seien es null bis zwei Fälle pro Jahr.

Der Inhaftierte hatte den Angaben von Schauer und Psychologe Gerd Bielenberg zufolge am Montag letzter Woche an einer Bildungsveranstaltung in Lingen teilgenommen. Zuvor seien ihm bereits rund 60 Lockerungen gewährt worden, „bei denen es nie Probleme gegeben hat“, sagte Schauer.

Die beiden Vollzugsbeamten beschrieben den Inhaftierten gleichwohl als eine ungefestigte Persönlichkeit. Er hatte nach der Abendschule nicht den Weg zur JVA eingeschlagen, sondern zum Bahnhof, und war mit dem Zug zu einem Freund nach Amsterdam gefahren.

Bereits unterwegs hatte er aber offenbar Panik bekommen, eine Verwandte angerufen und diese gebeten, sich mit der JVA in Lingen in Verbindung zu setzen. Diese habe deshalb, so Schauer, in der Vollzugsanstalt angerufen. „Wir konnten dann selbst mit dem Inhaftierten Kontakt aufnehmen, der sich in Amsterdam bei einer niederländischen Sozialarbeiterin gemeldet hatte“, beschrieb Schauer den weiteren Gang der Ereignisse.

Es sei daraufhin mit dem Entflohenen vereinbart worden, dass er am nächsten Tag mit dem Zug nach Bad Bentheim fahren solle und Bedienstete der JVA Lingen ihn dort abholen würden. So geschah es dann in Absprache mit den polizeilichen Dienststellen auch. Am Dienstagabend war er wieder da. Zu Straftaten in diesen 24 Stunden war es nicht gekommen.

Schauer machte keinen Hehl daraus, dass der Vorgang natürlich ärgerlich sei. Alle bislang gewährten Vergünstigungen seien gestrichen, „bis das alles aufbereitet ist“. Richtig sei aber auch, dass der Inhaftierte den Kontakt zur Anstalt und zu den Bediensteten der Sozialtherapeutischen Abteilung selbst gesucht habe. Dies zeige, dass ein Beziehungsgeflecht bestehe und das Vertrauen zu den Fachleuten in der Sozialtherapie vorhanden sei.

Schauer erinnerte daran, dass es die Aufgabe des Strafvollzuges sei, Inhaftierte auf die Entlassung vorzubereiten. Dies könne nur gelingen, wenn Lockerungen erprobt würden. Trotz aller professionellen Arbeit der Fachdienste und Gutachter könne aber nie ausgeschlossen werden, dass jemand so reagiere wie im vorliegenden Fall.


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