Wachsender Widerstand Viele Unterschriften gegen Krematorium in Brögbern

Vehement wehren sich Bürger aus Brögbern gegen ein geplantes Krematorium auf dem hinter ihnen liegenden Acker. Foto: Burkhard MüllerVehement wehren sich Bürger aus Brögbern gegen ein geplantes Krematorium auf dem hinter ihnen liegenden Acker. Foto: Burkhard Müller

Lingen. Nach wie vor stemmt sich ein Großteil der Brögberner gegen das geplante Krematorium an der Duisenburger Straße in Brögbern. „Der Ortsrat soll sich für den Ortsteil Brögbern aussprechen und sich damit einhergehend gegen den geplanten Bau eines Krematoriums einsetzen.“

Darüber sind sich Klaus Vugler, Katja Swarte, Ludger Swarte, Marion Budden, Christel Pollmann und Sandra Heskamp in einem Gespräch in der Redaktion der LT am Mittwochabend einig. Als möglicher Standort für ein Krematorium wird das Quartier links an der Duisenburger Straße in Richtung Langen an der „Kapelle“ favorisiert.

Dem Gespräch am runden Tisch vorausgegangen war eine Bürgerversammlung am Dienstag, 5. November, an der sich „gefühlte“ 90 Prozent der rund 400 Teilnehmer in der Gaststätte Lübben in Brögbern, gegen den Bau des geplanten Krematoriums ausgesprochen hatten .

Pollmann: „Wir bezweifeln, dass die Investoren mit Bert van der Weide, Wim van der Lee (beide aus den Niederlanden) und Heinz Herrmann Tyding es wirklich bei 1500 Kremierungen im Jahr belassen wollen. Unserer Meinung nach bedeutet dieser erste geplante Ofen nur, einen Fuß in der Tür zu haben, um dann schon bald diese Verbrennungsstätte zu erweitern.“ Andernfalls, so die Meinung der Brögberner, sei dieses Krematorium nicht wirtschaftlich zu betreiben.

Schon jetzt hege man zudem in dem Lingener Ortsteil die Befürchtung, dass das in der Öffentlichkeit diskutierte Einzugsgebiet von rund 400000 Einwohnern, oder einem Radius von rund 30 Kilometern um Lingen, nicht der Wirklichkeit entspreche.

Mehr Pkw-Verkehr

Zwarte: „Wir glauben, dass sich der Radius schon bald erweitern wird, und hier dann erheblich mehr Einäscherungen vorgenommen werden sollen als versprochen.“ Da helfe dann auch kein städtebaulicher Vertrag mehr, denn Verträge könnten auch aufgehoben werden.

Zusätzlich erklärte Vugler, dass sich mit dem Krematorium auch der Verkehr auf der Duisenburger Straße erhöhen werde. „Hier fahren täglich viele Kinder in die Schule, die ein solches Verkehrsaufkommen nicht gewohnt sind. Die Gefahr, dass es unter diesen Gesichtspunkten zu einem Unfall kommen kann, wird ungleich höher als heute sein.“ Vor diesem Hintergrund empfinde man auch die verkehrliche Anbindung als „suboptimal“. Schaue man einmal nach Darme, wo sich im März 2010 der Ortsrat einstimmig gegen ein Krematorium ausgesprochen habe, hätten diese verkehrstechnisch an der B213 viel besser gelegen.

Pollmann: „Und dann stellen wir uns hier in Brögbern die Frage, warum in Darme nicht gebaut wurde und wir urplötzlich aus der Zeitung erfahren mussten, dass auf einmal Brögbern in den Fokus der Kremierer rückte.“

Ein Ortsbürgermeister Ludger Ströer, der Anfang des Jahres noch verkündet hatte, dass die Bevölkerung hinter dem Projekt stehe ; eine SPD, die noch im März den Planungen „grundsätzlich positiv gegenüberstand“ hatten, so vermuten die Brögberner, anscheinend noch nicht mit der Bevölkerung gesprochen – jedenfalls nicht mit allen, wie es sich bei der Bürgerversammlung vor einer Woche ja nun einmal herausgestellt habe.

„Kein Vorteil“

„Wir haben überhaupt keinen Vorteil durch dieses Krematorium“, macht die Runde am Tisch geltend. Der „Wohlfühlaspekt“, den man noch bis vor Kurzem für sich in Anspruch nahm: „perdu“; dagegen die Vermutung, dass sich aufgrund eines Krematoriums der Wert der eigenen Immobilie nach unter korrigiere: „hoch“.

„Wir sind dabei, mit einer Unterschriftenliste durch den Ortsteil zu gehen, und haben schon jetzt über 500 Unterzeichner, die sich gegen diese Planungen aussprechen,“ betont Pollmann zuversichtlich. Heskamp: „Zum Abschluss unserer Aktion wollen wir diese Unterschriften dem Oberbürgermeister übergeben, weil dieser ja gesagt hat, dass die Planung ergebnisoffen geführt wird.“ Auch eine Internetseite, die ihrem Protest Ausdruck verleiht, gibt es mittlerweile unter www.kkbr.de .

Abschließend machten die Brögberner deutlich, dass man sich von der Bürgerversammlung mehr erwartet habe. Es sei nicht deutlich geworden, wer mögliche Emissionsmessungen überwache und welche Behörde dieses überprüfe. Außerdem habe man eindeutige Erklärungen vermisst, wie mit möglichen Quecksilberrückständen (Zahnfüllung aus Amalgan) eines verbrannten Leichnams umgegangen werde. Im Kreis Steinfurt sei gerade erst der Bau eines Krematoriums abgelehnt worden, weil die dortige Bevölkerung ähnliche Sorgen gehabt hätten. „Und deshalb wollen wir hier auch keins.“


„Entgegen der Behauptung in einer Vorlage der Kreisstadt Steinfurt gibt es derzeit weder einen Bauantrag zum Bau eines Krematoriums in Lingen-Brögbern, noch ist ein entsprechendes Bauleitverfahren eingeleitet worden.“ Das erklärte am Freitag Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Steinfurter hatten unter anderem ihr geplantes Krematorium gekippt, weil laut Verwaltungsvorlage „das Bauleitverfahren zum Neubau eines Krematoriums im nördlich gelegenen Stadtteil Brögbern unmittelbar vor der Satzungsfassung steht“. „Eine Entscheidung für oder gegen das Krematorium ist nicht gefallen“, stellte Krone noch einmal ausdrücklich fest. „Wie ich bereits in der Bürgerversammlung gesagt habe, ist der Investor bisher zwar mit den Planungen an uns herangetreten – es liegt aber nach wie vor noch kein Bauantrag vor.“ Die Aussagen hinsichtlich der Situation in Lingen in der Steinfurter Vorlage träfen insofern nicht zu.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN