Mini-Batmann“ in der Schule Zwergfledermaus verhindert Abriss in Lingen


Lingen. Wer kann bei einer Größe von nur 4,5 Zentimetern den großen Baggern des Lingener Abbruchunternehmens Moss Paroli bieten? Richtig, die Zwergfledermaus. Sie, vermutet wird ein Pärchen, verhindert zurzeit den Abriss der ehemaligen Hochschule am Wall Süd in Lingen. Das erklärten Erster Stadtrat Ralf Büring und Hubert Ungrun, Leiter Fachdienst Liegenschaften, auf Nachfrage unserer Zeitung.

Die Zwergfledermaus mit dem lateinischen Namen „Pipistrellus pipistrellus“ gehört zu der Familie der Glattnasen und ist die meistverbreitete europäische Fledermausart. Mit ihrem „Gewicht“ von
3,5 bis 7 Gramm gehört sie zu den kleinsten Vertretern der Säugetiere und ist laut Wikipedia neben der Mückenfledermaus eine der Kleinsten in ihrer Gattung.

Erster Stadtrat Ralf Büring sagte: „Es ist in der Tat so, dass wir das Gebäude jetzt nicht abreißen dürfen, weil in der Hochschule nach einem durchgeführten naturschutzkundlichen Gutachten eine einzelne Zwergohrfledermaus-Population nachgewiesen wurde.“ Und wie lange verzögert die flauschige „Glattnase“ den Abbruch? „Das wissen wir noch nicht genau, weil wir erst den Winter abwarten müssen. Winter heißt: Wir brauchen ein paar aufeinanderfolgende frostige Nächte, weil man dann mit einem Umzug der Zwergohrfledermaus in ihr Winterquartier rechnen kann“, ergänzt der Chef der Liegenschaft.

Auf die Frage, wohin der „kleine Batman“, kaum schwerer als ein Stück Würfelzucker, ausweichen könne, erklärte Ungrun weiter, dass die Stadt entsprechende Winterquartiere angelegt habe und zur Auswahl anbiete. „Wir haben für die Zwergfledermaus drei Quartiere in einer Entfernung von bis zu 250 Metern gebaut und hoffen, dass sie ihr neues Zuhause auch annimmt.“ Und wenn nicht? Schulterzucken in der Runde.

Büring: „Es ist natürlich ärgerlich, dass wir jetzt noch nicht abreißen können, weil damit auch die Einnahmen des an dieser Stelle geplanten Parkplatzes verloren gehen. Aber so ist es nun einmal gesetzlich festgelegt.“ Der Verlust dürfte sich im fünfstelligen Bereich bewegen.

Und während die Zwergfledermaus nach einem wohligen Winter-Quartier sucht, ist in der ehemaligen Hochschule eine groß angelegte Übung geplant. Der Zeitpunkt ist noch geheim, weil’s ja sonst keine Übung wäre. Dabei könnte die Rede von womöglich einstürzendem Mauerwerk sein, das natürlich, auch übungsbedingt, nicht wirklich einstürzt. Aber, weil’s ja eine möglichst realistische Übung sein soll, mit dementsprechendem Szenario begleitet sein will. Blaulicht, LaLüLaLa, Leitern, viele umherrennende Feuerwehrleute, vielleicht auch der Einsatz von Wasser – wer weiß das schon heute? Ob das der kleine „Batman“ wirklich gutheißt? Wohl eher nicht.

Keine Antwort hatte Ungrun auf die Frage parat, ob man die etwa Streichholzschachtelgroße „Glattnase“ höchstpersönlich gesehen hat oder nur ihre Exkremente. Sollten es nur die Hinterlassenschaften des kleinen Mückenfressers sein, stellt sich die Frage, wie groß, oder eher klein, die Spuren im Sand sind. Wie kann man die eigentlich finden? Mit einer Lupe und einer winzigen Pinzette?

Nun denn, jetzt heißt es erst einmal abwarten und hoffen, dass der Säuger in der ehemaligen Schule nicht nur von Klasse 3 in die Klasse 4 zieht, sondern wirklich in eines der von der Stadt bereitgestellten Domizile. Und wenn nicht, sollte man vielleicht mal in Erwägung ziehen, ihm beim Umzug zu „helfen“. Sonst wird womöglich aus der ehemaligen Hochschule am Wall im Laufe der kommenden Jahre ein Baudenkmal.


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