Verfahren vor dem Landgericht Hat Schulbetreuer Sex für Drogen gefordert?

Das Verfahren gegen den 56-Jährigen wird vor dem Landgericht in Osnabrück geführt. Foto: ArchivDas Verfahren gegen den 56-Jährigen wird vor dem Landgericht in Osnabrück geführt. Foto: Archiv

Osnabrück. Den Verkauf von Drogen an Jugendliche hat ein 56-jähriger ehemaliger Schulbetreuer aus dem südlichen Emsland eingeräumt, auch den „einvernehmlichen sexuellen Kontakt“ zu einer heute 17-Jährigen: Am zweiten Verhandlungstag legte der Angeklagte vor der Jugendkammer des Landgerichts Osnabrück ein Teilgeständnis ab.

Zweimal hing vor der Tür des Saals 188 im Landgericht am Neumarkt das Schild mit der Aufschrift „Öffentlichkeit ausgeschlossen“. Gleich nach Verhandlungsbeginn hatte der Angeklagte durch seinen Anwalt mitteilen lassen, eine Aussage machen zu wollen. Nach einer Beratung erklärte die Kammer, die Zuschauer von der Vernehmung auszuschließen, da „schützenswerte Interessen der Nebenklägerin“, einer 17-jährigen Schülerin, zu berücksichtigen seien. Sie soll, wie es in der Anklageschrift steht, im Alter zwischen 13 und 14 Jahren vom Angeklagten in Kontakt mit Drogen gebracht und später, als Heroinabhängige, in mindestens vier Fällen vom Angeklagten als Gegenleistung für Drogen zu sexuellen Handlungen aufgefordert worden sein .

Nach Auskunft des Staatsanwalts hat der 56-Jährige hinter der verschlossenen Tür eingeräumt, dass es im Fall der Nebenklägerin zu „sexuellen Kontakten“ gekommen sei, die jedoch einvernehmlich gewesen seien. Den Vorwurf des Verkaufs von Drogen habe er bestätigt, doch sei es ausschließlich Marihuana gewesen, das er selber in seiner Wohnung gezüchtet hatte.

Auch bei der Vernehmung der Schülerin war die Tür geschlossen geblieben. Bevor die Zuschauer den Saal verließen, war aber der angeschlagene Zustand der 17-Jährigen wahrzunehmen, die zitternd und mit Tränen in den Augen unruhig auf und ab lief. Wie aus den Aussagen ihrer Angehörigen im weiteren Verlauf deutlich wurde, ist sie seit mehreren Jahren drogenabhängig und war in therapeutischer Behandlung in einer Einrichtung.

Im ganzen Ort bekannt?

Ihr Bruder erhob schwere Anschuldigungen gegen den Angeklagten. Es sei bei Konsumenten „im ganzen Ort bekannt gewesen, dass in seiner Wohnung im Industriegebiet alle Arten von Drogen zu haben waren“. Auch Schüler und Jugendliche hätten sich bei ihm eindecken können. Der Bruder nannte außer Marihuana Haschisch, Amphetamine, Kokain und Heroin. Das Verfahren wird fortgesetzt.


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