Was wird aus Fläche? 15 Jahre „Gedenkort Jüdische Schule“ in Lingen

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Lingen. Es war ein kalter, regnerischer Sonntagabend am 8. November 1998, als Ignatz Bubis, Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland, den Gedenkort „Jüdische Schule“ in Lingen besuchte. Exakt 15 Jahre ist die feierliche Einweihung nun her. Am Samstag steht das steinerne Zeugnis der jüdischen Geschichte Lingens erneut im Mittelpunkt. Der 9. November ist ein Tag der Erinnerung an die Pogromnacht 1938 in Nazideutschland, als an vielen Orten Synagogen brannten, auch in Lingen.

Die kleine, 1878 zeitgleich mit der Synagoge gebaute jüdische Schule blieb vor 75Jahren unversehrt. Die Brandstifter hatten Sorge, dass Nachbarhäuser möglicherweise auch in Flammen aufgehen könnten. Jahrzehntelang blieb sie im Privatbesitz, wurde zu Lagerzwecken genutzt, verfiel zusehends.

Vergessen war die kleine Schule gleichwohl nicht, insbesondere bei jenen Bürgern der Stadt Lingen nicht, denen die Erinnerung an die Heilbronns und Cohens, die Grünbergs und Markreichs eine Herzensangelegenheit war. Sie gründeten den Arbeitskreis Judentum-Christentum, Vorgänger des heutigen Forums Juden-Christen.

Die jahrelange Arbeit der Mitglieder war bewusstseinsprägend für die Bürgerschaft der Stadt – mit zwei herausragenden Ergebnissen: der Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Bernhard Grünberg und Ruth Foster am 13. Dezember 1993, die als Juden in Lingen geboren wurden und den Holocaust überlebt haben, und die Umwandlung der Schule als Gedenkort.

Das Wohn- und Geschäftshaus an der Straße, das den Blick auf das Gebäude verwehrte, wurde abgerissen und das etwa 275 Quadratmeter große Grundstück in eine kleine Grünfläche verwandelt. Der Kauf des im Privatbesitz befindlichen Schulgebäudes, die Sanierung und notwendige Grundstückskäufe kosteten die Stadt rund eine Million DM.

Eine gute Investition: Seit der Einweihung des Gedenkortes Jüdische Schule, verbunden mit einer von der Lingenerin Anne Scherger konzipierten Ausstellung über die leid- und wechselvolle Geschichte der jüdischen Bürger der Stadt, ist die Schule neben dem Jüdischen Friedhof fester Bestandteil von Besichtigungen, Gedenkveranstaltungen und Ähnlichem mehr.

Wenn an diesem Samstag die Gedenkfeier um 19 Uhr an der Jakob-Wolff-Straße stattfindet, wird die Grünfläche vor dem historischen Gebäude wegen der Dunkelheit nicht mehr zu sehen sein. Ansehnlich ist sie nicht. Heribert Lange, Vorsitzender des Forums Juden-Christen, hat deshalb Gespräche mit der Stadt geführt. „Ziel ist es, den Vorplatz würdiger zu gestalten, um den Gedenkort insgesamt noch stärker ins Bewusstsein der Bürger zu rücken“, sagte Lange.

Oberbürgermeister Dieter Krone zeigte sich solchen Wünschen sehr aufgeschlossen. „Damit wäre auch eine Würdigung dieser wichtigen Erinnerungsarbeit des Forums Juden-Christen verbunden“, betonte Krone.


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