400 Bürger informieren sich Geplantes Krematorium in Lingen sorgt für Proteste


Lingen. Nach wie vor lassen die Planungen für ein Krematorium in Lingen die Wellen höher schlagen – so auch am Dienstagabend in Brögbern. Rund 400 Bürger waren in den Gasthof Lübben an der Duisenburger Straße gekommen, um sich von den Investoren über die Planungen zu informieren. Als möglicher Standort für ein Krematorium wird das Quartier links an der Duisenburger Straße in Richtung Langen an der „Kapelle“ favorisiert.

Nach der Begrüßung durch Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone und seiner Erklärung eingangs, dass derzeit noch nicht einmal ein Bauantrag vorliege und man die gesamte Diskussion um diesen geplanten Standort „ergebnisoffen“ diskutiere, stellten die Investoren Bert van der Weide, Wim van der Lee (beide aus den Niederlanden) und der Brögberner Heinz Herrmann Tyding das Projekt vor.Als weiterer Fachmann stand Elmar Sommer, Sommer-Verfahrenstechnik, bei technischen Fragen zu einer Feuerbestattungsanlage zur Verfügung.

Als Geschäftsführer der „respectrum“ Brögbern GmbH erklärte van der Weide, dass sich 2012 bundesweit rund 38 Prozent der Bürger für eine Feuerbestattung ausgesprochen hätten, Tendenz steigend. Im Emsland seien es etwa 30 Prozent, auch hier mit zunehmender Tendenz.

Der Geschäftsführer erläuterte weiter, dass das Einzugsgebiet für ein mögliches Krematorium in einem Radius von rund 30 Kilometern um Lingen liege und damit rund 400000 Menschen einbeziehe. Geplant sei, bis zu fünf Kremierungen am Tag vorzunehmen. Dies bedeute, dass im Jahr in Brögbern maximal 1500 Feuerbestattungen möglich wären. Das geplante Gebäude sei rund 643 Quadratmeter groß und beherberge unter anderem eine kleine Aula und einen Ofen.

Als Experte in Sachen Einäscherungsanlagen erläuterte Sommer, dass die ganze Einäscherung voll automatisiert, vom Einfahren des Sarges bis zur Entnahme der Asche, vonstatten ginge und bis zu 90 Minuten dauern könne. Auf die Frage aus dem Publikum, was letztendlich aus dem rund 13 Meter hohen Schornstein des Krematoriums nach einer Bestattung herauskäme, erklärte Sommer, das CO (Kohlenmonoxid), Staub oder auch Dioxine/Furane kaum noch messbar seien, also eigentlich keine Rolle spielten. Sommer: „Man spricht immer nur bei einem Krematorium von Schadstoffen und vergisst dabei, dass auch eine Erdbestattung den Boden belastet.“ Das führe schlimmstenfalls bis zu einer Verunreinigung des Grundwassers.

Ferner machte Sommer deutlich, dass alle Emissionen kontinuierlich überwacht würden und auch jährlich ein entsprechender Bericht abgegeben werden müsse. „Die Grenzwerte dürfen nicht überschritten werden, weil sonst die Anlage sofort ausgestellt wird und erst dann wieder in Betrieb genommen werden kann, wenn das Übel abgestellt ist.“

Auf die Frage aus dem Publikum, ob es mehr als die geplanten 1500 Verbrennungen im Jahr geben könne, erklärte der Oberbürgermeister, dass das in einem ersten Gespräch von der Investorenseite angedacht gewesen sei. „Wir haben dann über den Bebauungsplan und einem städtebaulichen Vertrag geregelt, dass es nicht mehr als zu diesen 1500 Kremierungen kommen kann.“

Zudem machte der Verwaltungschef deutlich, dass Menschen aus der Region, die eine Feuerbestattung wünschten, dann nicht mehr bis nach Osnabrück oder Hamm fahren müssten – auch an diese müsse man denken.

Alle weiteren Schritte würden auch zukünftig mit den Bürgern und dem Ortsrat offen diskutiert.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN