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Interview mit Johanna Quae Diplom-Sozialpädagogin: Ein gutes Gesprächsklima in der Familie ist für die Erziehung sehr wichtig

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Lingen. „Lassen Sie Ihr Kind jeden Tag spüren, dass Sie es gern haben. Dann legen Sie die Basis für ein Vertrauensverhältnis, das ein Leben lang trägt.“ Mit diesen Worten appellierte Diplom-Sozialpädagogin Johanna Quae (53) an Eltern, die liebevolle Zuwendung in den Mittelpunkt jeder Erziehung zu stellen. Zugleich warb sie um Teilnahme an dem Kursus „Starke Eltern – starke Kinder“ in der Beratungsstelle Logo in Lingen.

Frau Quae, warum sollen Eltern Ihren Kursus besuchen?

Weil sich Eltern darüber klar werden müssen, was es bedeutet, dass sie für ihr Kind verantwortlich sind. Das Kind ist wie eine Pflanze, die prächtig gedeihen soll. Das Kind kann seine Persönlichkeit aber nur in einem Klima der Liebe, der Annahme und des Vertrauens entwickeln. Ziel ist, Eltern darin zu bestärken, sich auf ihre guten Seiten zu besinnen und ihren Kindern die Sicherheit zu geben, die sie für ihre Entwicklung brauchen.

Was heißt das konkret?

Die Erziehung sollte weder autoritär noch antiautoritär, sondern anleitend sein. Dazu gehört es vor allem, dem Kind Selbstvertrauen zu geben. Jedes Kind hat Stärken und braucht ehrlich gemeintes Lob. Mithilfe der anleitenden Erziehung soll erreicht werden, dass die Kinder allmählich – ihrem Entwicklungsstand entsprechend – Verantwortung für ihr eigenes Tun und für ihr eigenes Leben übernehmen. Sie sollen lernen, ihren eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vertrauen. Außerdem sollen die Jungen und Mädchen Kooperationsbereitschaft und Kreativität entwickeln lernen.

Wie soll dies geschehen?

Indem unter anderem ein gutes Gesprächsklima in der Familie herrscht. Konflikte sind das Natürlichste von der Welt, aber sie müssen so ausgetragen werden, dass sie den anderen nicht verletzen. Im Idealfall reift eine Familie an Konflikten.

Aus diesem Grund spielt ein Werkzeugkoffer in Ihrem Kursus eine große Rolle?

Genau. Richtige Erziehung ist auch solides Handwerk, das Eltern lernen sollten. Dazu zählen neben Liebe, Annahme und Vertrauen auch Humor, klare Werte, Rückmeldungen, Verhandlungskunst, Grenzen setzen, Ich-Botschaften und aktives Zuhören. Ganz wichtig ist überdies ein strukturierter Tagesablauf. Das abendliche Vorlesen könnte diesen zum Beispiel abrunden. Der Kursus soll den Eltern insgesamt mehr Sicherheit und Orientierung geben. Es macht Spaß, im Kreise von Gleichgesinnten über dieses spannende Thema zu reden.

Macht der allgegenwärtige Leistungsdruck die Familien kaputt?

Leistung gemäß der individuellen Fähigkeiten gehört zu einem gelingenden Leben dazu. Schlimm wird es aber immer dann, wenn Eltern ihre Kinder maßlos unter Druck setzen, weil diese das schaffen sollen, was sie selbst nicht erreicht haben. Dann werden die Jungen und Mädchen um ihre Kindheit und deren Freiräume betrogen.

Trotz aller Erziehungsbemühungen passiert es immer wieder, dass Jugendliche in „falschen Kreisen“ einem unheilvollen Einfluss ausgesetzt sind. Lässt sich dieses Risiko überhaupt reduzieren?

Ja, indem die Eltern ein Haus der offenen Tür pflegen. Dann kennen sie in der Regel die Freunde ihrer Kinder.

Wenn Erziehung scheitert, hat dies fatale Folgen für die Familien. Was ist die tiefere Ursache?

Die Ursachen sind vielfältig: Eine hohe Scheidungsrate, fehlende Vorbilder, überzogene Erwartungen an die perfekte Familie und das pflegeleichte Wunschkind oder die Doppelbelastung von Beruf und Familie. Hinzu kommen Erfolgsdruck und hohe Leistungsanforderungen, gedämpfte Zukunftsaussichten oder finanzielle Sorgen. Deshalb möchte ich mit diesem Kursus im Sinne der Prävention einen Beitrag dazu leisten, dass Familien glücklich werden können, indem sie die täglichen Herausforderungen besser meistern.


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