zuletzt aktualisiert vor

Gewalt an Kindern ist ein großes Problem

Meine Nachrichten

Um das Thema Lingen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Gewalt an Kindern ist in Uganda ein großes Problem. Dies erfuhr Nicole Titus, Studentin der Theaterpädagogik in Lingen, bei einem sechswöchigen Praktikum. Dieses Praktikum ist Teil des Studiums. Hier der Bericht von Frau Titus:

"Ich entschied mich dazu, das Praktikum in Kasangati, einem kleinen Dorf in der Nähe von Kampala, der Hauptstadt von Uganda, zu absolvieren. Dort wohnte und arbeitete ich in der Tender Talents Magnet School von Frank Katoola. Frank Katoola ist ein sehr theater- und musikinteressierter Mensch und nahm schon an zahlreichen Tagungen in Österreich und Deutschland teil. Im vergangenen Jahr war er auch mit einer Gruppe von Schülern beim Weltkindertheaterfestival hier in Lingen zu Gast. Damals leitete er einen Workshop, an dem ich teilnahm. In diesem Workshop hat er seine Theaterarbeit mit Kindern vorgestellt. Somit war mein Interesse, ein Praktikum in Uganda zu machen, geweckt. Herr Katoola war sofort erfreut über die Idee, eine Praktikantin bei sich an der Schule aufzunehmen. Gesagt, getan.

Am 30. Juli war es so weit. Ich wurde herzlich von den Menschen in Uganda empfangen, und die Gastfreundschaft und die Wertschätzung, die mir entgegengebracht wurden, waren überwältigend. Ich arbeitete mit den Schülern der Tender Talents Magnet School (die Schule von Frank Katoola) und mit einer Jugendgruppe in Gayaza, ein Nachbardorf von Kasangati. Ich entwickelte mit den Kindern und Jugendlichen Theaterstücke zu Themen wie häusliche Gewalt, Gewalt in der Schule und Medikamenten-Missbrauch. Leider ist Gewalt an Kindern in Uganda ein sehr großes Problem (aber nicht nur in Uganda, siehe dazu auch www.childrensrights.org).

Viele Kinder werden nach wie vor sowohl in der Schule als auch zu Hause geschlagen, und es gibt noch kein Gesetz, dass die Kinder schützt. Durch diese Theaterarbeit ist es den Jugendlichen gelungen, sich selbst kritisch mit diesen Themen auseinanderzusetzen und die Aufmerksamkeit der Erwachsenen auf diese Probleme zu lenken.

Die theaterpädagogische Arbeit mit den Jugendlichen dort war nicht immer einfach. Vor allen Dingen hat mir das Zeitmanagement der Menschen in Uganda zu schaffen gemacht. Es gibt da ein Sprichwort, welches lautet: "Die Europäer haben die Uhren, die Afrikaner haben die Zeit." Und das trifft zu. Es ist gang und gäbe, dass die Menschen in Uganda zu Verabredungen immer bis zu eineinhalb Stunden zu spät kommen. Wenn man mit der Probe um 15 Uhr anfangen möchte, dann sagt man den Jugendlichen, dass die Probe um 14 Uhr beginnt. Dann sind die meisten um 15 Uhr dann da.

Natürlich herrschen in einem Land wie Uganda oft andere Gegebenheiten, und die Aufgaben der Kinder sind auch andere als bei uns. Zum Beispiel müssen viele Kinder zuerst das Haus in der Früh putzen, bevor sie zur Schule gehen können. Der Weg zur Schule ist meist sehr weit und muss zu Fuß zurückgelegt werden. Aber andererseits ist Uganda schon sehr moder: Jeder hat ein Handy, und es gibt sogar ein Internet-Café in Kasangati. Jedoch gilt jemand, der ein eingerichtetes Badezimmer im Haus mit funktionierenden Wasserleitungen hat, als reich. Manche Menschen sind so extrem arm, dass sie mit einem US Dollar (70 Cent) pro Tag auskommen müssen.

Obwohl es in Uganda Schulen wie Sand am Meer gibt, gibt es immer noch Kinder, die nicht zur Schule gehen können. Das liegt meist daran, dass sich die Eltern das Schulgeld nicht leisten können. Das ist auch in der Tender Talents Magnet School nicht anders. Somit kann es schon mal vorkommen, dass ein Gymnasiallehrer, der ja sowieso im Monat umgerechnet nur um die 272 Euro verdient, sein Gehalt erst zwei bis drei Monate später bekommt. Natürlich sind die Lebenshaltungskosten in Uganda wesentlich geringer als bei uns, aber dennoch reicht das Geld nicht aus. Oft gibt es in einer Familie nur einen, der gut verdient, und derjenige muss dann auch noch seine Eltern, Geschwister, Neffen, Nichten usw. unterstützen. Es gibt eine sehr hohe Arbeitslosigkeit und keinerlei Unterstützung vom Staat.

Uganda leidet besonders an Aids. Die HIV-Rate ist sehr hoch; viele junge Menschen sterben an dieser furchtbaren Krankheit."


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN