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Bücher sollten schon zum Müll gebracht werden – Gebetbuch befindet sich jetzt in der Josefkirche Brevier von Johannes Prassek durch glücklichen Umstand gerettet

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Kurz vor seinem Tod vermachte Johannes Prassek sein Brevier an Gefängnispfarrer Bernhard Behnen.Kurz vor seinem Tod vermachte Johannes Prassek sein Brevier an Gefängnispfarrer Bernhard Behnen.

Lingen. Die Kirche St. Josef in Lingen-Laxten besitzt ein Brevier (persönliches Gebetbuch) des Lübecker Kaplans Johannes Prassek, der 1943 von den Nationalsozialisten in Hamburg mit dem Fallbeil hingerichtet wurde. Besondere Bedeutung für die Gläubigen wird dieses Buch erlangen, wenn der Geistliche am 25. Juni von Papst Benedikt XVI. selig gesprochen wird.

Es ist einer Serie von Zufällen und der Aufmerksamkeit von Bernhard Brüggen zu verdanken, dass das Brevier heute in einer Vitrine neben dem Altar der Laxtener Pfarrkirche St. Josef ausgestellt ist. Der 68-Jährige erinnert sich. „Ich habe in den 80er-Jahren als Umzugshelfer bei einer Spedition ausgeholfen. Wir bekamen den Auftrag, den Umzug des Pfarrers Bernhard Behnen jun. aus Langen durchzuführen.“ Dabei seien die Spediteure auf etwa 100 alte wurmstichige Bücher gestoßen, die sie auf den Müll bringen sollten. Aber das wollte Brüggen nicht. „Ich kann keine Bücher wegwerfen, da sträubt sich etwas in mir.“ Er habe die Bücher mit nach Hause genommen und vier, die ihm erhaltenswert schienen, für einige Wochen eingefroren, um den Zerfallsprozess zu stoppen.

Als er danach die Bücher genauer betrachtete, stieß er in dem Brevier auf eine Widmung, die ihn zutiefst berührte. „Pfarrer B. Behnen, Hamburg, gewidmet aus Liebe und Dankbarkeit in der letzten Stunde meines Lebens. Hamburg, den 10. November 1943. Johannes Prassek, Kaplan.“ Bernhard Behnen sen. war Hamburger Gefängnispfarrer. Er begleitete Johannes Prassek bis zu seiner Hinrichtung. Dieser gab das Brevier an seinen Neffen weiter, der später Pfarrer in Langen wurde. So gelangte dieses Zeitzeugnis des Lübecker Kaplans in das Emsland. All das wurde Brüggen aber erst später bewusst. Er überließ 1985 das Buch dem damaligen Dechanten Dierkes aus Laxten. Als Dank schenkte dieser ihm ein Buch der Autorin Else Pelke mit dem Titel „Der Lübecker Christenprozess 1943“.

Es erfüllt Brüggen mit Dank und Freude, ein Stück Zeitgeschichte vor der Vernichtung bewahrt zu haben.


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